Aberglaube bei den Winterspielen Rituale bei Olympia: Teebeutel im BH, Löcher in den Socken

Sidney Crosby gewinnt die Goldmedaille im Olympia-Aberglauben. Foto: dpa

Bestimmte Rituale sollen den Olympioniken in Sotschi Glück bringen. Vom Teebeutel im BH bis zu löchrigen Socken ist praktisch alles dabei.

Sotschi - Auf einen Anruf ihres berühmten Sohnes brauchte Trina Crosby gar nicht erst hoffen. Filius Sidney stand am Mittwoch mit der kanadischen Nationalmannschaft auf dem Eis, und an Spieltagen sind Telefonate mit der lieben Mama für den Superstar absolut tabu. "Verletzungsgefahr", lautet Crosbys Begründung: "Seitdem ich mich nach Telefonaten mit ihr das ein oder andere Mal verletzt habe, verzichte ich lieber darauf."

Wenn bei den Olympischen Spielen in Sotschi auch Medaillen in der Disziplin "Macken und Aberglaube" verteilt werden würden, hätte Crosby Gold schon sicher. Vor Spielen vermeidet es der Stürmerstar, an der Kabine des Gegners vorbeizugehen. An seiner Ausrüstung darf nichts ausgetauscht werden – außer der Kufen, die alle zwei Wochen gewechselt werden. Und wenn der 26-Jährige erst einmal seine Eishockey-Schläger getaped hat, darf die niemand mehr berühren. "Es ist sicherlich ein bisschen verrückt. Aber das bekommt man nicht aus mir heraus", sagt Crosby, der bei Olympia längst nicht der einzige Athlet mit Marotten ist.

Vom Teebeutel im BH bis hin zu löchrigen Socken ist am Schwarzen Meer alles dabei. "Ich habe als Hausmädchen in einer Berghütte gearbeitet", sagt die britische Snowboarderin Jenny Jones. Und weil es "da oben" eben nur selten Teebeutel gab, hatte sie die Dinger gehortet – in ihrem BH. "Als ich dann wirklich schwere Tricks gelandet habe, dachte ich mir: Das muss an den Teebeuteln liegen", erklärt die 33-Jährige. In Sotschi halfen ihr die Beutel nicht, Jones scheiterte in der Slopestyle-Qualifikation.

In puncto Hygiene haben die Athleten unterdessen unterschiedliche Vorstellungen, oder besser gesagt: Traditionen. So benötigt der kanadische Eistänzer Scott Moir immer frische Socken, "nicht frisch gewaschen, sondern noch gänzlich unbenutzt und direkt aus der Verpackung", wie er betont. US-Skilangläufer Andy Newell macht es da genau umgekehrt und besorgt sich vor der Saison ein Paar Socken, das "trotz großer Löcher" den Winter durchhalten muss.

US-Girl Grete Eliassen (Ski Freestyle) schwört darauf, unter die Startnummer ihre Lieblingszahlen zu schreiben, Rodlerin Julia Clukey (USA) hat hingegen immer die Initialen ihrer Schwester und ihres Vaters "bei sich". Und während die Kanadierin Rosalind Groenewoud (Ski Freestyle) stets den gleichen Musiktitel ("Dieser Sport braucht mich") hört, darf es bei Freestyler Torin Yater-Wallace (USA) auf gar keinen Fall Taylor Swift sein. "Die habe ich einmal gehört und mir eine Gehirnerschütterung zugezogen. Nie mehr!"

Einige Olympiateilnehmer müssen während der Winterspiele aufgrund der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorgeschriebenen Regeln aber auch auf ihre Rituale oder Glücksbringer verzichten. Die finnischen Eishockey-Frauen durften vor ihren Spielen zwar ihren Schlachtruf "Hakkaa paalle" ("Hau drauf") anstimmen, Torhüterin Noora Raty musste den Spruch auf ihrer Maske hingegen abkleben.

Auch deutsche Olympioniken pflegen gewisse Bräuche, im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz sind diese aber nur wenig originell. "Ich steige zuerst in den linken Ski und dann in den rechten", verrät Felix Neureuther. Die dreimalige Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch startet in Sotschi mit "einem speziellen Helmdesign, das extra dafür entwickelt wurde." Ihr Glücksbringer aber sei Mann Marcus.

 

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