Abbruch und Neubau in München Der große Umbruch für die Kliniken

Der große Umzugs- und Abbruchreigen der Münchner Kliniken: So wird die neue "Portalklinik" in der Nußbaumstraße aussehen, wenn der Großteil der Innenstadtkliniken nach Großhadern umzieht. Foto: Klinikum

LMU-Klinikum: Neubau, Umbau und Abriss in Großhadern. Die Pläne für die Innenstadtkliniken und die Probleme der städtischen Häuser.

 

München - Die Kliniklandschaft Münchens wird sich in den nächsten zehn Jahren gründlich verändern. Die Baukosten gehen in die Milliarden. Und wenn die Innenstadtkliniken zum großen Teil nach Großhadern umziehen, wird auch die Innenstadt ihr Gesicht verändern. Auch bei den städtischen Kliniken stehen große und komplizierte Veränderungen an (siehe nächste Seite).

Mit den Neubauplänen für Großhadern und die Innenstadt wird ein großer, Jahre dauernder Umzug in Bewegung gesetzt. Und so hängen die Pläne des Freistaats für seine Unikliniken zusammen:

Großhadern: Die monumentale Großklinik mit mehr als 1250 Betten muss modernisiert und statt der heute beinah kilometerlangen Wege praktischer gegliedert werden. Bloß wie? Aktuell liegt eine neue Machbarkeitsstudie vor, die drei Varianten untersucht hat (AZ berichtete). Eine Möglichkeit wird dabei ausgeschlossen: Das Klinikum bei laufendem Betrieb über Jahrzehnte umzubauen. Somit bleiben als Alternativen übrig: Ein Teilneubau samt der Sanierung der übrigen Gebäude. Oder Abriss und Neubau. Der könnte in Modulbauweise geschehen: So kann Station für Station schrittweise umziehen. Und: Die einzelnen Module können jedes für sich saniert oder erneuert werden. Der ärztliche Direktor Karl-Walter Jauch schätzt die Kosten auf 500 Millionen Euro.

Haunersche Kinderklinik: Das Haus in der Nähe des Goetheplatzes zieht im Jahre 2021 auf den Campus in Großhadern um. Das Zentrum für Geburts-, Kinder- und Jugendmedizin wird dort neu gebaut: Geplant sind auf fast 22000 Quadratmetern 254 vollstationäre Betten und eine Tagesklinik mit 30 Betten. 14000 stationäre, 3300 tagesklinische und 40000 ambulante Fälle können dort pro Jahr versorgt werden. Die Klinik wird durch die Kinder- und Jugendpsychiatrie ergänzt, die in der Innenstadt verbleiben soll. Bis zum Jahre 2015 läuft die Planung, dann soll von 2016 bis 2020 gebaut und 2021 eingezogen werden. Der Standort ist in der Nähe der U-Bahnstation. Kosten: 160 Millionen Euro. Dazu kommen 25 Millionen Euro für Möblierung und Geräte. Davon zahlt 125 Millionen der Freistaat, 25 Euro Millionen sollen über Spenden hereinkommen, und zehn Millionen steuert das Uni-Klinikum zu.

Kinderpalliativzentrum: Es ergänzt die Haunersche Kinderklinik und soll 2015 auf dem Campus in Großhadern eröffnet werden. „Am Campus Großhadern wird damit eine Versorgungslücke geschlossen, die nicht nur am Standort selbst, sondern bayern- und bundesweit von Bedeutung ist“, sagt Prof. Burkhard Göke. Kosten: rund sieben Millionen Euro.

Neues Operationszentrum: Es ist bereits im Bau und soll im Jahre 2014 eröffnet werden. Dort entstehen 32 Operationssäle und ein ambulantes OP-Zentrum mit vier Sälen. Es bekommt über 70 Intensivbetten und eine neue Zentralsterilisation. Kostenpunkt: 135 Millionen Euro.

Centrum für Schlaganfall und Demenzforschung: Das neue Haus ist nördlich des neuen OP-Zentrums schon im Bau und soll im nächsten Jahr eröffnet werden. Es wird eine Tagesklinik ohne Betten (Kosten: 57,5 Millionen Euro).

Geburtsklinik Maistraße: Das beliebte Haus bleibt nach Auskunft der Pressestelle der Uni-Kliniken so lange in Betrieb, wie die Neubauten in Großhadern nicht fertig sind. Also mindestens bis zum Jahre 2020 – eher länger. Was aus dem Gebäude werden soll, ist noch nicht entschieden.

An Großhadern hängt die Zukunft der Uni-Kliniken in der Innenstadt und um die Nußbaumstraße. In der Innenstadt wird eine neue „Portalklinik“ gebaut. Die bekommt 200 Betten – heute sind im Klinikviertel 500 Betten. Daneben bleiben vor Ort: Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Augenklinik, Dermatologische Klinik und Zahnklinik. Alles andere geht nach Großhadern.

Portalklinik: An der Ecke Ziemsenstraße/Nußbaumstraße wird für rund 85 Millionen Euro ein neues Krankenhaus gebaut. Es entsteht auf dem Areal des jetzigen Parkplatzes und des alten Bettenhauses (das abgerissen wird). Im Jahre 2015 soll Baubeginn sein. Mit der Eröffnung wird für 2019 gerechnet. Mit dieser Portalklinik mit 200 Betten soll die patientennahe Versorgung mit den klassischen Fachgebieten sichergestellt werden. Dort sind: Innere Medizin, Chirurgie und ambulante Geburtshilfe. Was geschieht mit den frei werdenden Arealen? Die Uni kann sich dort weiter Lehre und Forschung vorstellen. Im Stadtrat wird befürchtet, dass der Freistaat das Gelände so teuer wie möglich verkaufen will, um die Neubauten bezahlen zu können. Mit der „Alten Chemie“ an der Karlstraße in der Maxvorstadt wurden da schon negative Erfahrungen gemacht. Dort befinden sich heute Luxuswohnungen.

Das Klinikum rechts der Isar (der TU München) baut ebenfalls: Auch dort wird daran gearbeitet, wie das gesamte Gelände weiterentwickelt werden kann, wie die Pressestelle mitteilt. Das muss erst mit dem Aufsichtsrat des Klinikums abgestimmt werden. Aktuell wird an der Ismaninger Straße ein Operationszentrum mit acht OP-Sälen gebaut, in dem auch das Gefäßzentrum mit Poliklinik, Allgemeinstation und Intensivstation Räume bekommt. Fertigstellung: 2016. Vorbereitet wird der Neubau für translationale Krebsforschung (TranslaTUM) an der Ecke Troger-/Einsteinstraße. Fertigstellung: 2016.

 Auch die städtischen Krankenhäuser in München sind eine Großbaustelle.

Im Moment werden die Neubau- und Sanierungskosten für die fünf Häuser des städtischen Klinikums in Schwabing, Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach und an der Thalkirchner Straße auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Die Pressestelle hat gestern Auskünfte über den aktuellen Stand verweigert.

Allein für einen Teilneubau des Klinikums Harlaching waren 266 Millionen Euro veranschlagt. Dazu kommt ein enormer Sanierungsstau. Das sind alles Summen, die die finanziell angeschlagene Klinik im Moment nicht hat.

Am umstrittensten ist die Frage, wie es mit den Häusern in Schwabing und Bogenhausen weitergeht. Gutachter meinen: Es wäre am sinnvollsten, ein neues Krankenhaus zu bauen und die beiden darin zu verschmelzen. Aber die Stadt hat noch kein geeignetes Grundstück gefunden.

Schwabing ist so alt und unpraktisch, dass man das Haus nicht mehr mit vernünftigem Aufwand modernisieren kann. Bogenhausen ist 30 Jahre alt: Für ein Gebäude wenig, als Klinik technisch aber längst überholt. Gutachter sagen: Ein Neubau ist wirtschaftlicher als eine Modernisierung.

Das Thema sorgt in der Belegschaft für so große Unruhe, dass es wohl vor der Stadtratswahl im März 2014 auch nicht mehr entschieden wird.

 

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