80. Geburtstag des Künstlers in der ARD Udo Jürgens: Seine Frauen, Träume, Ängste und sein Geld

Entertainer Udo Jürgens wird 80 Jahre alt Foto: Gabo/Agentur Focus

Udo Jürgens feiert am Dienstag einen runden Geburtstag: Der Sänger und Entertainer wird 80 Jahre alt. Die ARD schenkt dem Sänger zum Geburtstag eine Doku.

 

Für die ARD beleuchtet Journalist und Buchautor Hanns-Bruno Kammertöns das Leben des Sängers und Entertainers Udo Jürgens. In der Dokumentation "Der Mann, der Udo Jürgens ist", die am Montagabend in der ARD läuft, zeichnet Kammertöns gemeinsam mit Michael Wech die außergewöhnliche Karriere des 80-Jährigen nach. Zu Wort kommen dabei nicht nur Weggefährten, sondern auch Jürgens Bruder und seine Kinder Jenny und John. Anschließend zeigt das Erste noch den zweiten Teil des Films "Der Mann mit dem Fagott" mit David Rott in der Rolle jungen Jürgens.

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Für einen, der das Meiste im Leben schon hinter sich hat, blickt er ungewöhnlich forsch und neugierig in die Welt. Sein Lächeln verrät skeptischen Optimismus, das Haar ist nur wenig grau meliert, auch die Falten halten sich in Grenzen. Da möchte man kaum glauben, dass dieser Udo Jürgens am Dienstag 80 Jahre alt wird.

Ausgerechnet der größte deutschsprachige Musik-Entertainer, der im Laufe der Jahrzehnte unwiderstehlich die Lücke zwischen Schlager, Chanson und Pop-Song ausfüllte und in seinen Liedern immer mal wieder gegen den Strich gebürstet hat, sagte der "Zeit", er wäre "ohne die Musik schon längst entweder im Irrenhaus gelandet oder grausam im Leben gescheitert, denn ich verfüge nicht über große Fähigkeiten. Kriminell hätte ich auch nicht werden können, weil ich zu viel Schiss habe."

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Seine Lieder

Er hat im Laufe seiner über 60-jährigen Karriere an die 1.000 Lieder geschrieben. Sie handeln von Liebe, Untreue, Sehnsucht, Trennungen, Wohlstand, von Fluchten, Fußball, Spießigkeit, Erfolg, Neid, Frieden, dem Älterwerden, von sozialen Missständen. Wie kein anderer hat er in seiner über 60-jährigen Karriere den Nerv der jeweiligen Epoche getroffen, und nicht nur sein Bewunderer Hape Kerkeling (49) findet: "Er hat den Soundtrack zur Bundesrepublik Deutschland geschrieben."

Zu den bekanntesten Songs seiner 53 Alben gehören "Merci Chérie", "Griechischer Wein", "Mit 66 Jahren", "Ich war noch niemals in New York", "Das ehrenwerte Haus" oder "Aber bitte mit Sahne". Er selbst findet, dass "Warum nur, warum" und "Was ich dir sagen will" zu den "schönsten Liedern gehören, die ich komponiert habe." Weniger bekannt ist, dass er 1960 für Shirley Bassey (77) den Welthit "Reach for the Stars" und für Sammy Davis Jr. (1925-1990) "If I Never Sing Another Song" geschrieben hat.

In einem Interview mit der "Zeit" sagte er: "Das Tolle an Liedern ist, dass sie immer aus Text und Musik bestehen, Hirn und Herz ansprechen. Oft stört der Text die Musik oder umgekehrt. Wenn aber ein guter Text und die passende Musik zusammenkommen, dann löst das die stärksten Emotionen aus."

Das gelang ihm bei seinem großen Hit "17 Jahr, blondes Haar". Seine uneheliche Tochter Sonja glaubt, dass er das Lied für ihre Mutter geschrieben hat. "Ich bin sicher, mein Vater hat damit meine Mutter gemeint. Er fand sie unglaublich schön, Typ Brigitte Bardot", sagte die 48-jährige dem Magazin "Focus", "aber es wurde nur eine Affäre daraus, ich kam zur Welt - er blieb bei seiner Frau Panja und meinen Halbgeschwistern Jenny und Johnny."

Seine Heimat

Udo Jürgens wurde in Klagenfurt geboren und wuchs auf dem elterlichen Schloss Ottmanach in Kärnten auf. Obwohl seine Familie aus Deutschland stammt, ist er Österreicher; seit 2007 besitzt er auch die schweizerische Staatsbürgerschaft, weil er überwiegend in Zürich lebt. Über sein Heimatland sagte Jürgens der "Welt": "Österreich ist ein unglaublich kreatives Land, in der Kultur, in der Wirtschaft, auf allen möglichen Gebieten unglaublich begabt, aber es ist auch ein Land, das geografisch am Scheidepunkt gelegen hat, am Eisernen Vorhang, direkt an Deutschland, das hat immer politische Angst hervorgerufen."

Seine Frauen

Sein ganzes Berufsleben lang haben ihn Frauengeschichten begleitet, daraus macht er keinen Hehl: "Ich habe mich immer sehr schnell verliebt. Deswegen bin ich in höchstem Maße gefährdet, wenn ich eine tolle Frau kennenlerne, weil es in einer Sekunde um mich geschehen sein kann. Das passiert mir wahrscheinlich schneller als vielen anderen. Da hat es strohfeuermäßig gebrannt."

Treu sein, das könne er nicht. "Ich weiß, dass das meiner Umwelt auch große Probleme bereitet hat. Immerhin habe ich es immer zugegeben. Untreue ist ja nicht nur eine Frage des Charakters, sondern Untreue ist vor allen Dingen eine Frage der Chancen."

In erster Ehe war er von 1964 bis 1989 mit dem ehemaligen Model Erika Meier, genannt Panja, verheiratet. Dieser Verbindung entstammen sein Sohn John (geb. 1964) und die Tochter Jenny (geb. 1967). Außerdem hat er noch die unehelichen Kinder Sonja (48) und Gloria (18). 1999 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Corinna Reinhold aus Mönchengladbach-Rheydt. Diese zweite Ehe wurde 2006 geschieden.

Seine Familie

Udo Jürgens heißt eigentlich Jürgen Udo Bockelmann und stammt aus einer deutsch-österreichischen Bankiersdynastie. Sein Großvater Heinrich Bockelmann war deutscher Bankdirektor im zaristischen Russland, sein Vater Bürgermeister von Ottmanach. Der Onkel Werner Bockelmann regierte von 1957 bis 1964 als Oberbürgermeister die Stadt Frankfurt am Main, der andere Onkel Erwin Bockelmann war Deutschland-Chef von BP in Hamburg und Präsident des Welt-Erdölkongresses. Und Jonny Bockelmann, ein weiterer Onkel, war ebenfalls Mineralöl-Industrieller.

Der berühmte Dadaist Hans Arp war sein Onkel mütterlicherseits, und Udos älterer Bruder Manfred Bockelmann (71) ist ein bekannter Fotograf und Maler. Udo hat die Geschichte seiner Familie in seinem Roman "Der Mann mit dem Fagott" beschrieben, der für das Fernsehen verfilmt wurde (2011).

Seine Freunde

"Wenn es wirklich um die Seelenverwandten geht, also um die, bei denen man keine Fragen stellen muss, man nicht zweifelt, ob sie einen nicht doch vielleicht hintergehen, bleibt gerade mal eine Handvoll übrig, und das ist wahrscheinlich auch gut so", sagte Jürgen zu "Welt Online". Zu diesen Freunden zählen Senta Berger (73, "Hochzeiten"), der ehemalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher (87), sein Bruder Manfred Bockelmann, der Fotograf Hansi Hoffmann, sein Manager Freddy Burger, sein Schweizer Orchesterleiter Pepe.

Außerdem der kürzlich verstorbene Blacky Fuchsberger (1927-2014), der für ihn die Texte zu den Erfolgssongs "Was ich dir sagen will", "Der große Abschied", "Schau es schneit" und "Dann kann es sein, dass ein Mann auch einmal weint" geschrieben hat. Einige von ihnen kommen in der Doku "Der Mann, der Udo Jürgens ist" am heutigen Montag um 20:15 Uhr im Ersten zu Wort.

Eine enge Freundschaft musste eine harte Bewährungsprobe durchstehen: 17 Jahre war Hans R. Beierlein (85) der Manager von Udo Jürgens. Er machte ihn zum großen Star. Beierlein sagte einmal in "Bild": "Wir waren wie die Brüder. Udo und ich haben uns viel geteilt: den Erfolg, die Probleme - und manchmal auch die Frauen." Doch dann zerbrach die Freundschaft, und Udo verklagte Beierlein auf die Rückgabe der Rechte an seinen Hits. Es folgte eine Eiszeit. Man habe sich längst wieder ausgesprochen, erklärte Beierlein an seinem 80. Geburtstag: "Ich bin froh und glücklich über diese wunderbare Freundschaft."

Sein Geld

Die Finanz-Website "vermoegen.org" schätzt Udo Jürgens' Privatvermögen auf 120 Millionen Euro. Durch über 100 Millionen Plattenverkäufe, Werbeverträge und andere finanziell hilfreiche Details in seinem Leben habe der Spross einer alten bedeutenden Bankiersfamilie ein großes Kapital erwirtschaftet und setze dieses zum Kauf von Immobilien, sowie für den gewünschten Luxus in seinem Leben ein.

Aber er habe auch schon Geld verloren und bezeichne die Börse als großes Haifischbecken, wo man nicht gewinnen, sondern in den meisten Fällen nur Verluste erzielen kann. Udo Jürgens gilt als Autonarr. "Schon als kleiner Bub habe ich von einem Bentley geträumt. Diesen Traum habe ich mir erfüllt."

Ansonsten gönnt er sich den Luxus der Eigenständigkeit: "Ich mache wahnsinnig gern selbst Frühstück, und wenn ich in meinem Haus in Portugal bin oder auch in Zürich, gehe ich dafür sehr oft selbst einkaufen und lasse mich von den Hausfrauen beraten, die dort einkaufen."

Seine Krise

In einem Gespräch mit "Welt Online" sagte Jürgens: "Es gab eine Zeit, in der ich mit dem Alkohol Probleme bekam, einfach weil ich nach Auftritten nicht zurück ins Hotel gefunden habe." Er sei in 15 Jahren seines Lebens nicht einen einzigen Abend völlig nüchtern nach Hause gekommen. "Es war jeden Tag Party. Zu viele Zigaretten, zu wenig Schlaf. Ich habe dann tatsächlich in Neapel einen erheblichen Zusammenbruch gehabt, da war ich 40 oder so. Ich konnte zwar aufhören, von einem Tag auf den anderen, aber es war dann lange nicht mehr so lustig. Es gibt den Spruch: Fröhlichkeit ohne Alkohol wirkt gekünstelt."

Sein Zorn und seine Ängste

In seinem neuen Album "Mitten im Leben" nimmt er zornig die verkrustete Männerwelt ins Visier und textet in seinem Song "Der Mann ist das Problem": "Wer hält sich für den Größten, seit sich diese Erde dreht? / Wer spaltet die Atome, bis der ganze Laden untergeht? / Wer rast wie ein Gestörter, drängelt auf der Autobahn? / Wer traut sich nicht zum Zahnarzt, aber Kriege fängt er an? / Wer pocht auf seine Ehre und linkt zugleich den Staat? / Wer geht in Freudenhäuser und erfand das Zölibat? / Das ist nun mal die Wahrheit, er ist der Fehler im System, der Mann - ist das Problem!"

Der Sänger meint zu diesem Text: "Ich rege mich einfach über die politischen Strukturen auf, die ausschließlich mit Machterhalt beschäftigt sind und dadurch jede positive Entwicklung zur Lösung der anstehenden weltweiten Probleme blockieren." Besorgt äußerte sich Jürgens zum Thema Internet. In "Bild" sagte er, das Internet sei zwar "für unterdrückte Staaten das einzige Fenster zur Welt", es berge aber auch "riesige Gefahren". "Es ist erschütternd, wie Menschen dort fertig gemacht werden können. Sogar Kinder werden Opfer, wie beim Stalking unter Schülern."

Viele würden außerdem mittlerweile Chats dem direkten Kontakt vorziehen. Besorgniserregend sei vor allem, dass sehr viele Jugendliche auf Pornoseiten unterwegs seien und "ein völlig verzerrtes Bild von Erotik" erhielten, das sich zwischen "Fantasie und Onanie" ansiedle, statt zwischen "Romantik und Sinnlichkeit."

Seine Pläne

Udo Jürgen sagt, er wisse durchaus, wie alt er sei. "Ich mache kein Geheimnis daraus, und ich versuche nicht, durch alle möglichen Tricks jünger zu erscheinen." In einem Gespräch mit der "Berliner Morgenpost" erklärt er: "Es wird einem irgendwann bewusst, dass jeder Tag eine Verkürzung ist. Man sieht links und rechts im Freundeskreis die schweren Erkrankungen, die mit dem Alter begünstigt werden. Schon eine Grippe ist mit 80 lebensgefährlich. Das sind natürlich die Dinge, die einen ängstigen. Man wird vorsichtiger. Bei mir sind es, Gott sei Dank, bisher nur Wehwehchen", sagt er.

"Das Älterwerden ist auch eine Kopfsache. Dass man sich dem im Kopf stellt und es nicht leugnet, ist ganz wichtig. Aber wenn ich auf der Bühne stehe, ist der Unterschied zu früher nicht groß. Meine Stimme funktioniert genauso gut wie früher." Deswegen geht er mit seinem neuen Album "Mitten im Leben" auch wieder auf Tournee: Ab dem 24. Oktober gibt er in Deutschland, Österreich und der Schweiz 26 große Konzerte.

Seine Träume

1998 schrieb Udo Jürgens den Song "Heute beginnt der Rest deines Lebens", der alles sagt und erklärt. Auszüge: "Von jetzt an Freiheit wagen, Heuchelei nicht ertragen... Heute beginnt ¬der Rest deines Lebens. Jetzt oder nie - und nicht irgendwann! Schau' auf dein Ziel - kein Traum ist vergebens... Heut' fängt die Zukunft an!... Von jetzt an Sein statt Haben, nicht das Gefühl vergraben, Einander finden, anstatt Worte verlier'n... Über die Trägheit siegen, und nicht das Rückgrat biegen. Nicht seinen Traum verraten... Heute beginnt - der Rest deines Lebens. Heute fängt an - was du daraus machst!"

 

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