80 Einsätze in den letzten Tagen Feuerwehr im Dauerstress: Bienen-Alarm in München!

Einsatz in Schwabing: Ein Feuerwehrmann rückt im Imker-Dress an. Foto: Petra Schramek

Auf Bäumen, Balkonen, Mauern, Radln und Straßenlaternen lassen sich die Schwärme derzeit nieder. Dann müssen Experten ran.

 

München - Der erste Alarm kommt aus Allach. 9.12 Uhr.

Dann: 

9.42 Uhr: Ramersdorf
10.31 Uhr: Haidhausen
11.42 Uhr: Schwabing
11.46 Uhr: Sendling
12.32 Uhr: Freimann
12.50 Uhr: Bogenhausen
13.07 Uhr: Sendling
13.08 Uhr: Unterschleißheim

Und das ist nur der Donnerstagmorgen. Am Nachmittag geht es munter weiter: Überall in der Stadt lassen sich Bienenvölker nieder – in Bäumen, auf Straßenlaternen, Fahrrädern, Mauern und Säulen. Summa summarum: 80 Einsätze in der letzten Woche.

Bienen-Alarm in München! Grund: Im Frühling vermehren sich die Insekten, sagt Stefan Wolf (47). Der Bienen-Experte der Münchner Feuerwehr ist selbst Imker und beobachtet das Schauspiel jedes Jahr bei seinen Tieren: „Die Völker teilen sich – zur Fortpflanzung.“

Die Königin legt neue Königinnen-Eier ab und macht sich kurz vor deren Geburt mit Getreuen vom Acker – mal ein Drittel des alten Volkes, mal die Hälfte, sagt Wolf. „Das geht von einer Handvoll bis zu 20 000 Tieren.“

Die Bienen stammen meist aus der Stadt selbst: Überall in der Stadt gibt es Stadtimker, sagt Wolf. Auch ihm sind heuer schon drei Volks-Gruppen davongeflogen.Die Tiere haben auf ihrer Reise Honig für drei Tage dabei.

Irgendwann lassen sie sich nieder und bilden ein Knäuel: „Die Bienen scharen sich um die Königin, um sie vor Wind, Wetter und Sonne zu schützen“, sagt Wolf. Derweil fliegen spezielle „Spurbienen“ aus und suchen im Auftrag ihrer Majastät eine neue Bleibe.

Das Schauspiel dauert von Mai bis Ende Juni – und ist oft spektakulär: 2001 ließ sich ein Volk auf der Mariensäule nieder, 2004 auf einer Laterne am Marienplatz. 2010 fand sich eines auf dem Viktualienmarkt, und 2011 flogen Bienen immer wieder den Stachus an. Am alten Flughafen Riem ließen sie sich sogar regelmäßig auf Flugzeugen nieder.

„Heuer sind es richtig viele, weil März und April so mild waren“, sagt Wolf. Im Gegensatz zu Wespen fängt die Feuerwehr die Bienenvölker immer ein – und übergibt sie später an professionelle Imker. „Sie haben sonst kaum eine Überlebenschance“, sagt Stefan Wolf. Schuld daran ist die Varroamilbe. Der Parasit frisst die Brut der Bienen, irgendwann stirbt das Volk. Nur Imker können die Milbe in Schach halten – mit Ameisensäure.

Einen Schwarm zu fangen, ist gar nicht so schwer: Man brauche dazu nur eine Holzkiste, sagt Wolf – und die Königin. Ist sie erstmal drin, versammeln sich einige Bienen am Ausgang und schlagen fest mit den Flügeln, um den Duftstoff der Ober-Imme rauszuwedeln. „Der Rest des Volks kommt dann von alleine nach.“

Gefährlich wird’s für die Feuerwehrmänner dabei nicht: „Ein Schwarm sticht nicht“, sagt Wolf. Bienen seien generell recht sanftmütig. „Sie stechen nur, wenn man auf sie tritt. Oder ihnen der Imker den Honig klaut.“ Er sei dabei schon oft gestochen worden, sagt Wolf. „Es schwillt schon gar nicht mehr an.“

 

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