500.000 offene Stellen bis 2030 Fachkräftemangel in Bayern: Jetzt sollen es die Mütter richten

Gaffal (l.) und Söder unterschreiben die Vereinbarung. Foto: Staatskanzlei

Weil in den nächsten fünf Jahren rund 250.000 Fachkräfte fehlen, sollen Frauen Vollzeit arbeiten – und nicht nur die.

 

Die Zahlen sind ernüchternd. Nicht nur 250.000 Fachkräfte sollen allein in Bayern bis 2023 fehlen – bis 2030 sollen es sogar schon 500.000 sein, so die Einschätzung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Um dem entgegenzuwirken, haben die vbw und die bayerische Staatsregierung am Montag eine Vereinbarung getroffen. Ziel ist es, die drohende Fachkräftelücke zu halbieren.

"Aufgrund unserer guten Wirtschaftsstruktur ist die Arbeitskräftenachfrage besonders hoch", sagt vbw-Präsident Alfred Gaffal. Gleichzeitig gehen jedoch nach und nach die Baby-Boomer-Jahrgänge in Rente, zu wenig Jüngere kommen nach. Auch durch Effizienzgewinne aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung könne die Lücke an Arbeitskräften nicht ausgeglichen werden, so Gaffal. Unternehmen könnten ihr Produktions- und Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen.

Fachkräftesicherung+: Mehr Arbeit für Frauen, Ältere, Jugendliche oder Menschen mit Behinderung

Das Problem ist nicht neu. Schon vor zehn Jahren startete die vbw ein über 100 Millionen Euro schweres Programm zur Fachkräftesicherung. Bislang allerdings ging es vor allem darum, Fachkräfte aus dem Ausland zu mobilisieren. "Das Besondere an diesem Pakt ist, dass wir ganz bewusst auch die heimischen Potenziale noch ausloten wollen", sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Das ist das eigentlich Neue daran."

Die sogenannte Initiative Fachkräftesicherung+ legt dabei den Fokus besonders auf die Beschäftigung von mehr Frauen, Älteren, Jugendlichen, Menschen mit Behinderung und Langzeitarbeitslosen.

Vor allem junge Mütter bieten nach Ansicht von vbw und Politik hohes Potenzial für Vollzeitjobs. Viele von ihnen arbeiteten in Teilzeit, so Gaffal. "Deswegen ist uns der Ausbau der gesamten Betreuungssituation wichtig", so Söder.

Kita-Busse für München

"Im Großraum München wollen wir deshalb Kita-Busse einführen, womit Eltern sich am Tag bis zu eineinhalb Stunden Zeit sparen werden, was sie dann mit einer Berufstätigkeit deutlich besser vereinbaren können." Auch Mütter, die komplett aus dem Berufsleben ausgestiegen waren, sollen so wieder zum Arbeiten bewegt werden. Zudem soll es Bildungs- und Qualifizierungsangebote geben.

"Wir haben uns hier intensivst Gedanken ge- macht", sagt Gaffal. So biete die Digitalisierung künftig viele Möglichkeiten, auch beispielsweise für Schwerbehinderte. "Und es gibt viele Menschen über 60, teilweise verrentet, die gern noch arbeiten würden. Vielleicht nicht fünf Tage die Woche, aber zwei oder drei."

Thema Flüchtlinge: Spurwechsel ist nicht vorgesehen

Flüchtlinge verstärkt in den Arbeitsmarkt zu integrieren, steht hingegen nicht auf der Agenda von vbw und Staatsregierung. "Wir haben uns dagegen entschieden, das über einen Spurwechsel zu lösen, wie es ja zeitweise in der politischen Diskussion war", sagt Söder.

Zwar sei man der Auffassung, dass es möglich sein sollte, Integrationswillige und Integrationsfähige, die bereits eine Ausbildung begonnen oder einen festen Arbeitsplatz hätten, weiterarbeiten zu lassen. "Wir glauben aber generell, dass das Asylrecht kein Instrument ist, eine mögliche Zuwanderung in den Arbeitsmarkt zu signalisieren", so Söder. "Wenn Fachkräfte zuwandern, sollen sie in Arbeit zuwandern, aber nicht in die soziale Sicherung."

Gaffal und Söder begrüßen jedoch das vom Bundeskabinett beschlossene Eckpunktepapier für ein Fachkräftezuwanderungsgesetz. "Unsere Maßnahmen setzen darauf auf", so der vbw-Präsident. Die neue Vereinbarung sieht vor, dass die Hälfte der künftigen Arbeitskräfte auf dem heimischen Markt rekrutiert werden sollen, die andere Hälfte aus dem Ausland.

Derzeit gibt es rund 5,6 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Bayern. Die Arbeitslosenquote lag im September bei 2,8 Prozent. "Das sind Rekordwerte", beteuert Gaffal.

Nun soll eine breite Bildungsoffensive starten – auch und insbesondere für Jugendliche ohne Berufsausbildung. 2019 soll es Investitionen in die Weiterentwicklung der Berufs- und Studienorientierung an Gymnasien geben. Des Weiteren soll es künftig eine intensive Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit geben sowie Kampagnen zur Mobilisierung von Arbeitskräften.

 

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