50 Jahre Meisterschaft 1860-Präsident Cassalette über Idole und Freunde

„Ein, zwei Mal bin ich beim Torjubel runtergefallen“: Peter Cassalette (rechts im blauen Kreis) als Bub 1965 im Grünwalder Stadion. Foto: az, Horstmüller, sampics/Augenklick

Präsident Cassalette erzählt, wie er als Bub zum 1860-Fan wurde – und wie er die Spiele der Löwen im Grünwalder Stadion verfolgte.

 

München - Peter Cassalette ist seit November 2015 Löwen-Präsident. Der 62-Jährige war unter anderem Geschäftsführer bei Scandinavian Seaways, FTI und Marketing-Leiter bei der Allianz-Gruppe. Im 4. Teil der AZ-Serie zum Meisterschafts-Triumph des TSV 1860 der Saison 1965/66 spricht er im Interview über seine Beziehung zum Verein und den Meister-Löwen.

AZ: Herr Cassalette, Sie verbindet eine lange Freundschaft mit Bernd Patzke, einem der Löwen-Helden von 1966. Wie kam’s dazu?
PETER CASSALETTE: Es muss 1979 oder 1980 gewesen sein, als eine Freundin von mir geheiratet hat. Bernds damalige Lebensgefährtin und ich waren Trauzeugen. Danach waren wir mal auf eine Finca in Ibiza eingeladen, dort haben wir uns dann richtig kennengelernt.

Nach einer Gemeinsamkeit werden wir nicht fragen brauchen.
Das war der Fußball – klar. Mit all seinen Dramen, dem ganzen Drumherum. Anfangs war Bernd, wie alle anderen Meisterlöwen, mein Idol. Dann haben wir auf einmal zusammen Billard gespielt. Das war schon kurios. Wir treffen uns bis heute im Schumann‘s am Odeonsplatz. Seit meinem Dasein als Präsident kann ich nicht mehr so oft, aber vor zwei, drei Wochen waren wir mal wieder dort.

Hat er mittlerweile den ein oder anderen Meisterlöwen-Ratschlag an den Oberlöwen parat?
Nein, Bernd ist nicht der Typ, der dreinredet. Da gibt es ganz andere von den Meisterspielern, die nach einem verlorenen Heimspiel sagen: Das kann so nicht weitergehen! Das müsst ihr anders machen! Dann sage ich: Ich bin doch nicht der Trainer. Von Bernd ist höchstens mal ein enttäuschtes „Furchtbar – die können alle nicht Fußball spielen“ zu hören.

Zurück in die Vergangenheit: Als Patzke und Co. im Jahr 1966 Deutscher Meister wurden, waren Sie ein kleiner Bub. Wie erlebten Sie die damalige Zeit?
Mein Vater war ein eingefleischter Löwe, er hat mich als Kind mitgenommen. Das erste Mal muss Anfang der 1960er gewesen sein. Im Meisterjahr war ich immerhin schon 13 und alt genug, alleine hinzugehen. Damals fanden die Heimspiele immer am Samstag um 15.30 Uhr statt. Ich war mit einem Kumpel bei jedem Spiel. Ich habe in Steinhausen gewohnt, bin über eine Stunde zum Sechzgerstadion gelaufen. Ich glaube, es hat ein Markl Eintritt gekostet.

Der Papa hat gezahlt?
Das Eintrittsgeld hat man immer irgendwie zusammengekriegt. Meistens sogar verdient. Wir sind den Erwachsenen durch die Beine geschlüpft, haben Pfandflaschen gesammelt. Pro Flasche ein Zehnerl oder 20 Pfennig.

Haben Sie dann überhaupt genug von den Spielen gesehen?
Meistens. Wir waren immer zwei Stunden vor Anpfiff am Grünwalder. Da gab es so eine Mauer mit 15, 20 Plätzen hinter dem Tor. Man musste schnell sein, um einen zu ergattern. Es gab auch einen Zaun, der war nicht ganz ungefährlich: Ein, zwei Mal bin ich beim Torjubel runtergefallen – ging zum Glück glimpflich aus. (lacht)

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Sie hatten also besten Blick auf Torwart Petar Radenkovic. War er auch Ihr Lieblingsspieler?
Absolut! Rudi Brunnenmeier mochte ich auch sehr gerne, ein Innenverteidiger á la Patzke konnte nicht ganz mithalten. Aber Radi war für mich der Größte. Ich war früher selbst oft Torwart, wenn wir gekickt haben. Ich hatte auch seine Platten, einen Radi-Starschnitt in Lebensgröße an meiner Zimmertür. Das habe ich ihm mal erzählt, das fand er lustig. Schon witzig: Früher waren sie meine Idole, jetzt besucht mich der ein oder andere in meinem Präsidentenzimmer.

Um in den Erinnerungen an die guten, alten Tage zu schwelgen.
Unter anderem. Peter Grosser, Fredi Heiß und Hansi Rebele kommen öfter vorbei. Kürzlich sind wir anlässlich des Jubiläums zusammen an die Gräber verstorbener Meisterlöwen gefahren, waren bei Rudi Brunnenmeier, Rudi Steiner, Rudi Zeiser, Manni Wagner und auch beim früheren Präsidenten Adalbert Wetzel. Das fanden sie toll, sagten: „Das hat noch keiner gemacht.“ Für mich war es eine Selbstverständlichkeit. Ein Präsident ist doch auch dazu da, um die Helden von damals zu ehren.

Und dafür, dass es in Zukunft auch wieder mehr zu feiern gibt.
Während die von der Seitenstraße immer größer geworden sind, erlebten wir mit Ausnahme der 90er Jahre leider meist harte Zeiten. Wir haben uns in eine Situation manövriert, aus der man nicht so leicht herauskommt. Aber: Der Verein lebt und gehört irgendwann wieder in die Erste Liga. Dafür werde ich alles tun.

Teil 1 der Serie: Die Meisterlöwen im Porträt

Teil 2 der Serie: Fredi Heiß - "Die schönste Zeit meines Lebens

Teil 3 der Serie: Max Merkel - Schleifer, Provokateur, Autokrat


Am Sonntag lesen Sie: Rudi Brunnenmeier im Porträt

 

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