4:0-Debakel gegen Leverkusen 30 Minuten Hoffnung: Dutt hält zu Stevens

Der VfB Stuttgart hält trotz der miserablen Lage an Huub Stevens fest. Einen Retter nach dem Retter soll es zumindest vorerst nicht geben.

 

Stuttgart/Leverkusen - Huub Stevens betrat den Trainingsplatz um fünf Minuten nach zwölf, frisch gestärkt von seinem Sportvorstand, und er lachte. Es gab auch keinen Grund für Trübsal: Denn das derbe 0:4 (0:2) des VfB Stuttgart bei Bayer Leverkusen hat für den Trainer des Tabellenletzten keine Konsequenz. Der vor vier Monaten als Retter geholte Niederländer kann sich der Rückendeckung Robin Dutts gewiss sein, immer noch. Und, so hat es den Anschein, notfalls sogar bis zum bitteren Ende.

"Es gibt keinen Grund, an diesem Trainer nicht festzuhalten, weil das Auftreten der Mannschaft stimmt", sagte Dutt am Samstagmittag. Er war in der Halbzeit des U19-Spiels gegen Bayern München für sein Statement herübergeeilt. Dabei zeigt die Uhr auch im übertragenen Sinne fünf nach zwölf für die Schwaben: Nach neun Ligaspielen in Serie ohne Sieg ist der Rückstand auf den rettenden 15. Platz beträchtlich, die Mannschaft war bei Bayer 04 in ihre Einzelteile zerfallen.

Das allerdings wird von allen geflissentlich ignoriert. Die Losung heißt: 30 Minuten Hoffnung! "Die erste halbe Stunde hat gezeigt, wie der VfB spielen kann, aber in so einer Situation bekommt man mit der ersten Chance das Gegentor", sagte Dutt. Von anderer Seite wurde die ordentliche Anfangsphase gegen allerdings noch konfuse Leverkusener zu einem Quell des Selbstvertrauens verklärt.

"Das war das Beste, seit ich hier bin", behauptete Stevens, Offensivspieler Timo Werner assistierte: "Am Anfang waren wir besser als Atlético Madrid! Ein Mutmacher." Der spanische Champions-League-Finalist hatte in Leverkusen allerdings nur 0:1 verloren. Das schlimme Abwehrverhalten des VfB vor den Gegentreffern durch Wendell (32.), Josip Drmic (36./59.) und Karim Bellarabi (50.) wurde ausgeblendet.

Am späten Freitagabend hatte Stevens im Mannschaftsbus seine Lesebrille gezückt und seelenruhig in einem Buch geblättert. Drei Plätze weiter links saß Dutt und blickte ratlos in die Nacht. Nibelungentreue bis zum zweiten Abstieg nach 1975 - oder nochmals die Notbremse? Der Sportvorstand hatte auf der vierstündigen Rückfahrt genug Zeit zum Grübeln. "Das Gefühl bleibt gleich", befand er am Samstag.

Dutt sitzt in einer Zwickmühle. Da Alexander Zorniger, Ex-Trainer von RB Leipzig, als Nachfolger zur neuen Saison angeblich feststeht, ist Stevens beschädigt, andererseits war der Niederländer bereits die letzte Patrone des Klubs. Ein Retter nach dem Retter, ohne Chance auf weitere Anstellung - wer sollte das sein? Zorniger wäre gut beraten, erst nach Saisonende zu übernehmen.

Nicht auszuschließen bleibt jedoch, dass der VfB-Aufsichtsrat Dutt die Entscheidung gegen Stevens im Falle einer Heim-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (15.30 Uhr/Sky) aus der Hand nimmt. Stevens selbst ist lange genug im Geschäft. Stutenbissig wie eh und je maulte er auf der Pressekonferenz Journalisten an, bekräftigte aber seinen Willen, weiterzumachen. "Wenn ich spüren würde, dass ich die Spieler nicht mehr erreiche, würde ich das dem Verein mitteilen", sagte er, "ich weiß aber, dass ich kämpfen muss. Wir wollen diesen Weg weitergehen."

Das bestätigten seine Spieler. "Der Trainer hat das Vertrauen der Mannschaft", sagte Kapitän Christian Gentner. Werner sagte Ähnliches, sah die Lage aber ganz pragmatisch: "So lange der Trainer da ist, arbeite ich mit ihm."

 

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