25-Jähriger fast verblutet Polizist (31): Der Lebensretter von der Wiesn

Yvonne Heckl, Sprecherin der Schausteller & Marktkaufleute, schenkt Lebensretter Torsten Hiljanen ein riesiges Lebkuchenherz als Anerkennung. Foto: job

Mitten auf dem Festgelände bricht ein Mann nach einem Streit mit aufgeschnittener Kehle zusammen. Der Polizist Torsten Hiljanen (31) ist zufällig sofort zur Stelle – und macht alles richtig

München -
Es waren knapp zehn Sekunden. Zehn Sekunden, die über Leben und Tod entschieden. Polizeiobermeister Torsten Hiljanen war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und er handelte intuitiv richtig. Der 31-jährige Münchner Polizist mit zwei Staatsbürgerschaften (schwedisch und deutsch) rettete einem 25-Jährigen nach einer Weißbierglas-Attacke auf dem Oktoberfest das Leben. Die Halsschlagader war verletzt, schwallartig spritzte das Blut aus dem Hals des jungen Mannes aus dem Landkreis Erding (AZ berichtete). Wäre die Hilfe nur wenig später gekommen, wäre er verblutet.

Der Polizist war mit vier Kollegen und seiner Gruppenführerin als Wiesnstreife auf dem Oktoberfest unterwegs. Die sechs Beamten hatten am Schießstand in „Straße 4“ zwischen Löwenbräuzelt und Bräurosl gerade einen Randalierer mitgenommen. Gefesselt führten sie ihn in Richtung Wiesnwache. „Ich unterhielt mich mit der Freundin des Festgenommenen auf Englisch, als die Kollegen vor mir lossprinteten und schrien.“ Sie hatten gesehen, wie ein Mann nach einer tätlichen Auseinandersetzung davonrannte. Sie spurteten hinterher.

Torsten Hiljanen sah das Opfer: „Der Mann hielt sich den Hals fest, dann brach er zusammen. Das Blut spritzte mit dem Pulsschlag heraus.“ Der Polizist sagt nachdenklich über sich: „Eigentlich bin ich in Erster Hilfe nicht so gut.“ Doch der Deutsch-Schwede machte alles richtig. „Ich hab’ ihm gesagt: ,Bleiben Sie ruhig! Nicht hinfassen!’“ Dann fasste Torsten Hiljanen beherzt zu. Mit seinen Händen drückte er die klaffende, L-förmige Wunde an Kehle und Hals zu, um den Blutfluss einzudämmen. Er hatte seinen schwarzen Polizei-Lederhandschuhe an. „In so einer Situation denkt man nicht nach. Man handelt einfach.“ Zu fest durfte er nicht drücken, sonst hätte er dem Opfer die Luft abgedrückt.

Während Torsten Hiljanen um das Leben des jungen Mannes kämpfte, blieben Schaulustige stehen. Ein Wiesnbesucher fotografierte die dramatische Rettung sogar mit seinem Smartphone. Torsten Hiljanen verjagte ihn, schickte auch die Freundin des Verletzten weg. Gleichzeitig versuchte der gefesselte Randalierer die Situation auszunutzen, um zu fliehen – aber Hiljanes Kollegin rang ihn nieder. „Für mich hat’s eine Ewigkeit gedauert, bis die Notärzte kamen. Dabei waren es nur sechs Minuten.“ Das Opfer hatte inzwischen das Bewusstsein verloren. „Er wurde blau. Er hatte sich auf die Zunge gebissen.“

Die Notärzte übernahmen. Sie versorgten den Verletzten notfallmedizinisch, stabilisierten ihn. 20 Minuten, nachdem Thomas K. (25) mit dem Weißbierglas angegriffen worden war, wurde er bereits in die Klinik in der Lindwurmstraße gebracht. Dort wurde er sofort notoperiert.

Der Täter, ein 34-jähriger Münchner, sitzt in U-Haft. Erst im Nachhinein wurde dem Polizisten, der sonst in der Inspektion im Olympiapark arbeitet, klar, wie dramatisch die Rettung gewesen war. „Ich war ganz zittrig, als der Druck abfiel. Hab’ erstmal vier, fünf Kaffee getrunken. Schlafen konnte ich danach nicht mehr.“

Am Samstag um 16 Uhr begann für Torsten Hiljanen wieder der ganz normale Streifendienst auf der Wiesn. Davor besuchte er den Verletzten im Krankenhaus. Der wollte sich persönlich bedanken bei dem Polizisten.

 
 

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