20. Todestag Der Tod von Ayrton Senna: Als die Sonne vom Himmel fiel

Formel-1-Ikone Ayrton Senna verunglückte am 1. Mai 1994 in Imola tödlich. Foto: dpa

Am 1. Mai jährt sich der Tod von Ayrton Senna zum 20. Mal. Die brasilianische Legende war der letzte Formel-1-Fahrer, der im Rennwagen starb. Heute sagt seine Schwester: „Alle sind schuld!“

 

Imola - Wo warst du, als Ayrton Senna starb? Die allermeisten Sport-Fans werden diese Frage auch 20 Jahre später auf Anhieb beantworten können. Der viel zu frühe Tod des Formel-1-Superstars, der schon zu Lebzeiten Legendenstatus erreicht hatte, bewegt noch heute die Formel 1. Und nicht nur die.

Senna war das letzte Todesopfer, das die Formel 1 gefordert hat. Ausgerechnet Senna, der der talentierteste und charismatischste Superstar einer an Superstars nicht armen Szene war.
Der Brasilianer, den immer ein Hauch von Melancholie umwehte, war eine Naturgewalt im Auto, der am stärksten war, wenn die Bedingungen am schwierigsten waren. Michael Schumacher mag – auf ewig oder nicht – der Rekordweltmeister sein, Niki Lauda der Champion, der aus dem Feuer kam, und Sebastian Vettel immer Superseb. Doch der Allergrößte war, ist und wird immer Ayrton Senna sein.

Am 1. Mai jährt sich jener schreckliche und unnötige Unfall von Imola zum 20. Mal. In der Tamburello-Kurve plötzlich abgehoben und ungebremst gegen die Mauer geknallt. Die schlecht verschweißte Lenksäule seines Williams war gebrochen, er hatte keine Chance, den Unfall zu verhindern. Und so lag er schließlich da, ausgestreckt  auf dem Asphalt, während um ihn herum das Treiben immer hektischer, immer atemloser, immer verzweifelter wurde. Sanitäter, Streckenposten, Ärzte scharten sich um ihn, doch Ayrton Senna, 34 Jahre alt und drei Titel in der Tasche, war nicht mehr da. Leise glitt er hinüber in die andere Welt. Die Boliden brüllten weiter. Die Welt aber war nicht mehr wie zuvor.

"Sein Tod", sagt sein Freund und langjähriger Teamkollege Gerhard Berger, "war so, als sei die Sonne vom Himmel gefallen"“, Brasilien rief eine dreitägige Staatstrauer aus, zu Sennas Beerdigung kamen mehr als drei Millionen Menschen nach Sao Paulo. „"Er hat eine Epoche geprägt, die es nie mehr geben wird", sagt etwa Alain Prost heute.  Der war auf der Strecke lange Jahre sein Intimfeind, zwei Mal fuhren sie sich absichtlich in die Karre. Doch kurz vor Sennas Tod versöhnten sie sich. Nach Sennas Tod gehörte Prost – neben Schumacher – zu jenen, die am lautesten nach mehr Sicherheit in der Formel 1 riefen. Sie wurden erhört. Die Autos wurden stabiler, die Auslaufzonen breiter.

Sennas Unfall aber wurde bis heute nicht restlos aufgeklärt. Adrian Newey, heute Designer von Vettels Red Bull, gab zwar zu, Sennas Unfall-Boliden damals falsch „berechnet“ zu haben, doch das war es nicht alleine. „Es war eine Summe von Irrtümern bei der Leitung, dem Reglement, der Sicherheit, den Entscheidungen in der Formel 1 und in den Teams“, sagt Sennas Schwester Viviane, die heute die Stiftung ihres Bruders für bedürftige Kinder leitet. „Völlig wahnsinnig“ sei die Formel 1 damals gewesen, „völlig verkehrt“. Außerdem: „Alle sind schuld, alle waren beteiligt.“ Doch hegt sie weiter Groll? Konnte sie verzeihen? „Eigentlich spielt das überhaupt keine Rolle mehr: Ayrton ist nicht mehr da.“

 

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