20 Bäume kommen weg Für Stelzen-Neubau: Kahlschlag am Dantebad

Nicht schön anzusehen: der Kahlschlag am Dantebad. Auch das Backsteingebäude wird noch weggerissen, dann entstehen hier Werkswohnungen. Kleines Bild: So soll das Stelzenhaus mal aussehen. Foto: M.P. Wienert/Maisch Wolf Architekten/AZ

Die Stadtwerke fällen 20 alte Linden am Sommereingang des Dantebads – für einen weiteren Neubau auf Stelzen mit 56 Werkswohnungen. Die Anwohner sind empört.

 

Neuhausen - Der Anblick am Montag ist für Gisela Wienert (70) ein Schock: Wo an der Dantestraße, vor der alten backsteinfarbenen Dantebad-Umkleide, gerade noch ein Dutzend wunderschöner Linden gestanden haben, ist nun plötzlich nur noch: Ödnis. Am Sommereingang des Bads ragen nackte Baumstümpfe aus der Wiese, Kräne haben den Rasen zerfahren, kreuz und quer liegen abgesägte Äste herum.

"Ich habe diesen Bäumen jetzt ein halbes Jahrhundert beim Wachsen zugeschaut", sagt die Rentnerin, die in einer Querstraße ganz nah am Dantebad lebt, "dieser Kahlschlag ist einfach nur noch traurig." Was ist hier los? Warum dieses brachiale Niedermähen der Bäume, die über Jahrzehnte von der Straße aus den Kinderbereich des Freibads beschattet haben – eine Spielwiese für hunderte von Eltern mit Babys und Kleinkindern im Sommer?

Die Hintergründe klären sich bei den Stadtwerken (SWM), denen das Bad samt Grundstück drumherum gehört: Es sind die Vorarbeiten für 56 Werkswohnungen, die hier entstehen, und in die ab Dezember 2018 SWM-Mitarbeiter (darunter Busfahrer) einziehen sollen.

"Es wird ein Stelzenbau", erklärt SWM-Sprecher Christian Miehling. Ähnlich dem, der kürzlich am Wintereingang über dem großen Parkplatz fertig geworden ist. Dort hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag im Rahmen des Sofortbauprogramms "Wohnen für Alle" innerhalb eines halben Jahres 100 Günstig-Wohnungen in Holz-Systembauweise über den öffentlichen Parkplatz am Dante gebaut – für Studenten, Sozialhilfeempfänger und Flüchtlinge. Die ersten Mieter sind im Dezember eingezogen.

Hier am Sommereingang allerdings bauen die Stadtwerke selbst. 600 Werkswohnungen für die Mitarbeiter gibt es bislang nur. Weil es immer schwerer wird, qualifizierte Leute neu anzuwerben, wenn man ihnen keine Wohnung in München bieten kann, wollen die Werke in den nächsten fünf Jahren auf 1.100 Mitarbeiterwohnungen aufstocken.

Ein Baustein davon ist der Neubau an der Dantestraße – ein Stelzenhaus, das nach den Plänen von "Maisch Wolf Architekten" vier Stockwerke bekommt. Im Erdgeschoss sind 14 Stellplätze für die Bewohner geplant, dazu Lagerflächen fürs Dantebad. Darüber kommen Wohnungen in verschiedenen Größen und aufs Flachdach Sonnenkollektoren.


Und so soll das neue Stelzenhaus am Sommereingang mit 56 Stadtwerke- Werkswohnungen mal aussehen – von der Liegewiese aus gesehen. Simulation: Maisch Wolf Architekten

Stadtwerke pflanzen 30 Ersatzbäume

Insgesamt 20 alte Bäume fällen die Stadtwerke dafür. "Wir pflanzen aber gemäß den Auflagen der Unteren Naturschutzbehörde 30 Ersatzbäume rund ums Gebäude und im Freibad", erklärt Werke-Sprecher Miehling.

Gisela Wienert tröstet das wenig: "Es wird doch Jahre dauern, bis aus den dünnen neuen Stangerln gescheite Bäume werden, die Schatten spenden", sagt sie. Und: "Ich verstehe ja, dass wir in München Wohnungen brauchen und verdichten müssen. Aber hätte man das nicht drüben auf dem versiegelten Parkplatz am Reinmarplatz machen können, anstatt schon wieder Grün zu zerstören?"

Immerhin: Während der Bauzeit bleibt das Dantebad für Badegäste offen, der Badebetrieb wird nicht beeinträchtigt.

 

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