1860-Rekordtorschütze im AZ-Interview Benny Lauth: „Ich werde 2016 wieder Papa“

Bekommt 2016 familiären Zuwachs: Benny Lauth mit Frau Juliane und Söhnchen Liam. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der ehemalige Löwen-Topstürmer spricht im AZ-Interview über seinen Nachwuchs, das Leben als Vater, seine Zukunftspläne und die Lage bei 1860: „Ich habe Angst, dass es am Saisonende nicht reicht“

 

AZ: Herr Lauth, nach Ihrer Zeit beim TSV 1860 spielten Sie ein Jahr lang beim ungarischen Erstligisten Ferencvaros Budapest. Jetzt sind Sie zurück in München. Wie geht’s?

BENNY LAUTH: Mir geht es gut, alles okay. Ich habe mir eine Auszeit genommen, um abzuschalten. Trotzdem habe ich nebenbei alles vorbereitet für die Karriere nach dem Fußball.

Sie waren in Ungarn ein Jahr getrennt von Ihrer Frau und Sohn Liam. Genießen Sie es jetzt noch mehr, viel Zeit mit der Familie zu verbringen?

Auf jeden Fall. Es ist für mich ein großer Luxus, so viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ich sehe es im eigenen Freundeskreis, dass es nicht selbstverständlich ist, so eng bei Frau und Kind zu sein. Viele gehen früh aus dem Haus und kommen erst spät wieder, wenn die Kinder schon schlafen. Ich will das Hier und Jetzt nutzen und genießen, denn ich denke, dass auch wieder eine andere Phase kommen wird, in der ich weniger Zeit haben werde.

Lauth: Kein Ehemaliger, der alles besser weiß

Sprechen wir über 1860. Wie sehr haben Sie die Löwen noch im Blick?

Ich bin keiner, der jeden Tag auf dem Trainingsgelände rumläuft. Ich habe es nach meiner Zeit bei den Löwen weitestgehend vermieden, mich als Schlaumeier hinzustellen, der als Ehemaliger alles besser weiß. Ich habe mich ein Stück weit zurückgezogen, um etwas Abstand zu gewinnen, aber ohne das Interesse zu verlieren. Ich war zuletzt zwei Mal im Stadion. Da bin ich voller Begeisterung dabei.

Viel Begeisterung konnte nicht aufkommen. 1860 steckt wieder mitten im Abstiegskampf. Machen Sie sich Sorgen?

Ja. Ich weiß noch aus meiner aktiven Zeit, wie es ist, wenn der Abstand zu den vorderen Plätzen immer größer wird und der Druck zunimmt. Von daher habe ich schon Angst, dass es am Ende der Saison nicht reichen könnte.

Woran liegt es, dass Sechzig nicht auf die Beine kommt?

Früher war es so: Wenn man den Aufstieg nicht geschafft hat, dann wurde versucht, einen ganz neuen Weg einzuschlagen – und der ging meist nach hinten los. Die Unruhe im Sommer hängt immer noch mit drin und man hatte wieder Schwierigkeiten, den Kader ordentlich zusammenzustellen und so ziehen sich die Probleme aus der letzten Saison mit durch. In diesem Jahr hatte der Klub zum ersten Mal die große Chance, sich ohne große Erwartungen etwas zu stabilisieren und dann im nächsten Jahr anzugreifen. Dadurch, dass Sechzig wieder komplett unten reingerutscht ist, kam die Unruhe neu auf.

Würden Sie gerne einen Job bei 1860 übernehmen, um zu helfen?

Das wird man sehen. Natürlich ist die Verbindung immer da. Und wenn sich etwas ergibt, warum nicht? Aber im Moment bin ich dabei, mich zu positionieren, mich fortzubilden und im richtigen Moment da zu sein, wenn ich helfen kann.

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Lorant, Pacult, Maurer - wer war Lauths-Lieblingstrainer?

Sie absolvieren gerade ein Fernstudium. Was sind Ihre Gedanken im Hinblick auf Ihre zweite Karriere?

Ich versuche, jeden Bereich abzudecken und will herausfinden, was mir gefällt. Ich mache jetzt mein Fernstudium und meine Trainerscheine. Ich will auf jeden Fall dem Fußball treu bleiben.

Sie hatten zu Ihrer Zeit bei 1860 einige Trainer. Wer war Ihr Lieblingscoach?

Mein Lieblingstrainer? Fakt ist, dass der Tag, an dem Werner Lorant entlassen wurde, mein erster Trainingstag bei den Profis war (15.10.2001, d. Red.). Das habe ich Peter Pacult zu verdanken, auch Reiner Maurer, der kurz darauf Co-Trainer wurde und später mein Cheftrainer war. Pacult hat mir die Chance gegeben, Bundesliga zu spielen. Er war schon mein großer Förderer.

Was sagen Sie zu Ihrem Nachfolger im 1860-Sturm, Rubin Okotie?

Okotie hatte am Anfang einen Lauf mit einigen Toren. Es gab dann auch eine Phase, wo er nicht getroffen hat, aber das kann immer mal passieren. Er hat dann viel Kritik abbekommen. Zuletzt hat er wieder gute Spiele gemacht und einige Tore erzielt. Es kann sich jeder ausrechnen, was mit 1860 passiert wäre, wenn Okotie nicht getroffen hätte.

Was spricht in Ihren Augen für Benno Möhlmann? Ist er der richtige Trainer für 1860?

Es ist schwer, zu sagen, was genau passt. Oft ist auch etwas Glück dabei. 1860 hat den Trainer mit der größten Erfahrung in der 2. Liga und das ist in der Phase extrem wichtig. Von daher ist Möhlmann der richtige Mann, um die Saison hoffentlich noch zu retten.

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Ein zweiter kleiner Benny Lauth ist bereits in Arbeit

Haben Sie in Ihrer Karriere alles richtig gemacht?

Wenn du mit 19, 20 Jahren bereits fünf Länderspiele bestritten hast und dann keines mehr, sondern du am Ende mehr Zweit- als Erstligaspiele gemacht hast, dann hätte es sicher besser laufen können. Dennoch war meine Karriere nicht schlecht, denn das belegen die Zahlen.

Sie sollen bei Ihren Eltern zuhause einen Trophäenschrank haben. Wie oft schauen Sie da rein?

Ich war nie einer, der zu Hause seine Medaillen an die Wand gehängt und die Pokale auf den Schreibtisch gestellt hat. Aber ich habe alles aufbewahrt. Mein Vater hat sich immer darum gekümmert und deswegen ist alles bei meinen Eltern zu Hause. Wenn ich dort bin, ist es immer schön, in diesen Erinnerungen zu stöbern.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Weihnachten wird bei uns immer schön und ganz ruhig gefeiert. Die Familie ist beisammen, aber es wird nichts Spektakuläres. Wir haben kein besonderes Essen oder ein Ritual, wir essen zu Hause und entscheiden ganz spontan, was wir machen. Ich freue mich auf die Feiertage.

Und was wünschen Sie sich? Ein zweites Kind?

Ja, da kann gerne noch eins dazukommen. Es ist in Arbeit (schmunzelt). Genauer gesagt, ist es schon unterwegs. 2016 werde ich zum zweiten Mal Papa. Das war auch ein Grund dafür, die eine oder andere Anfrage eines Vereins auszuschlagen.

 

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