1860-Präsident über Investor Reisingers Umkehrschluss: "Herr Ismaik ist von uns abhängig"

Pflegen ein distanziertes Verhältnis: Mehrheitseigner Hasan Ismaik (l) und Löwen-Präsident Robert Reisinger. Foto: sampics/Augenklick/AZ

Der TSV 1860 ist von Investor Hasan Ismaik abhängig. Eine Einschätzung, die das Verhältnis der Sechzer zu ihrem Geldgeber zumindest in finanzieller Hinsicht treffend beschreibt. Laut Präsident Robert Reisinger gibt es auch eine Kehrseite der Medaille.

München - Im Jahr 2011 war es, als Investor Hasan Ismaik beim TSV 1860 eingestiegen ist. Damals hat der Jordanier die Löwen vor der Insolvenz gerettet, sagen die einen. Seitdem hat Sechzig den unzuverlässigen Geldgeber an der Backe, meinen die anderen. Das Umfeld, die Fanlager, den gesamten Verein - kaum etwas polarisiert so sehr bei den Sechzgern wie Ismaik.

Selbst in der Führungsetage der Blauen herrscht regelmäßig Uneinigkeit darüber, wie der Jordanier denn nun am besten anzupacken sei. Ex-Präsident Peter Cassalette suchte, nachdem die Zusammenarbeit zwischen seinen Vorgängern und Ismaik immer wieder konfliktbehaftet war, den Schulterschluss mit dem Mehrheitseigner. Dessen Millionen konnten den Absturz der Giesinger unter Vitor Pereira bekanntlich nicht verhindern.

Robert Reisinger: ohne TSV 1860 keine Lizenz

Nachfolger Robert Reisinger präferiert dagegen bekanntlich eine völlig andere Herangehensweise: keine Darlehen mehr von Ismaik, der bereits rund 70 Millionen in die Sechzger investierte. Keine neuerliche Abhängigkeit mehr.

Wie Reisinger im "kicker" erklärte, habe der Präsident ohnehin "ein echtes Problem" mit der Formulierung, der TSV sei vom Jordanier abhängig. Reisinger in der Montagsausgabe des Fußballfachmagazins über Ismaik und dessen Aufgaben: "Er soll seinen Beitrag als Gesellschafter leisten. Das ist seine Verpflichtung."

Der Umkehrschluss des Oberlöwen: "Genauso gut könnte man sagen: Herr Ismaik ist von uns abhängig. Denn ohne uns gäbe es keine Lizenz." Trifft zwar zu, denn ohne die Sechzger und Zutun der Vereinsseite könnte sich Ismaik nicht Hauptgesellschafter eines deutschen Profiklubs nennen.

Reisinger: "sachdienliche Distanz" zu Ismaik

Das Problem ist nur: Die Pläne von Trainer Daniel Bierofka und Sportchef Günther Gorenzel, die Giesinger in den kommenden Jahren wieder in die Zweite Liga zu führen, werden für derzeit defizitär wirtschaftende Löwen nicht ohne Ismaiks Unterstützung funktionieren.

Die Rückkehr ins Unterhaus des Fußballs wird den Sechzgern wohl nur gelingen, wenn Vereinsbosse und Geldgeber an einem Strang ziehen. Die Zusammenarbeit verlaufe laut Reisinger derzeit allerdings mit einer "sachdienlichen Distanz" ohne persönlichen Kontakt zwischen beiden Seiten: "Das läuft alles über Anwälte oder seine Vertreter im Aufsichtsrat."

Für Reisinger sei beschriebenes Verhältnis zu Ismaik "in der Zusammenarbeit produktiver, als unbedingt zu versuchen, sich gut mit ihm zu stellen." Ob diese Distanz dazu führt, dass der Traditionsklub 1860 den erfolgreichen Zeiten vergangener Tage wieder näher kommt?

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Im Video: Daniel Bierofka war sich sicher, dass Ismaik zahlt

 

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