1860-Pokal-Sieg gegen Mainz AZ-Analyse: Glücklich oder verdient? Beides!

Erzielte seinen ersten Pflichtspieltreffer für Sechzig: Stürmer Stefan Mugosa. Foto: dpa

Der TSV 1860 ist durch den 2:1-Erfolg bei FSV Mainz 05 ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Woran es lag, dass die Löwen nach Hoffenheim auch den zweiten Erstligisten rauswerfen konnten? Die AZ-Spielanalyse.

 

München - Am Ende waren die Löwen eine einzige Jubeltraube. Hatten sie es doch tatsächlich geschafft, nach dem Erstrundensieg gegen die TSG Hoffenheim auch den zweiten Bundesligisten aus dem Pokal zu werfen.

Das Spiel: Dabei drehte der TSV 1860 gegen den höherklassigen Klub sogar einen Rückstand - und das auch noch auswärts. Die Leistung der Sechziger ließ zwar teilweise zu wünschen übrig und ohne den zweiten Durchgang in Überzahl agieren zu können, wäre wohl nix drin gewesen. Dank eines leidenschaftlichen Aufbäumens gelang der Sensations-Sieg doch noch.

Die Tore: Kapitän Christopher Schindler war es, der für einen denkbar schlechten Auftakt sorgte: Nach einem Freistoß von Latza bekam der Innenverteidiger den Ball an den Oberarm - von dort trudelte er ins Löwen-Tor (6.). Im zweiten Durchgang gelang den Löwen schließlich der Doppelschlag: Ein langer Ball von Daniel Adlung landete in der Sturmspitze bei Stefan Mugosa, der Mainz-Kapitän Niko Bungert die Kugel vom Fuß spitzelte, abzog und auch noch Keeper Loris Karius tunnelte (70.). Nur sieben Minuten später legte der unmnittelbar vor dem Ausgleich eingewechselte Torjäger Rubin Okotie nach und traf nach einer präzisen Flanke von Daylon Claasen per Kopf genau in die linke Ecke.

Die Szene des Spiels: Kurz vor dem Pausenpfiff startete Krisztian Simon in die Gasse, Mainz-Außenverteidiger Pierre Bengtsson traf den Ungarn leicht am Fuß - Simon stürzte und Schiedsrichter Harm Osmers zeigte Glatt Rot. Eine umstrittene Entscheidung, weil die Szene noch weit vorm Mainzer Tor entfernt war und Bungert womöglich noch hätte eingreifen können, ein Foul war es aber in jedem Fall. Somit konnten die Löwen im zweiten Durchgang ihre Überzahl ausspielen - ein großer Vorteil.

Das war gut: Die Löwen fighteten, die Löwen warfen sich voll in die Zweikämpfe, verteidigten leidenschaftlich und erzielten endlich wieder zwei Stürmertore: Sowohl Mugosa mit seinem Premieren-Treffer für Sechzig, als auch Okotie konnten jeweils ein Erfolgserlebnis für sich verbuchen und Selbstvertrauen tanken.

Das war schlecht: Im ersten Durchgang agierte Sechzig zu passiv. Beim frühen Rückstand waren die kopfballstarken Löwen nicht im Bilde, Schindler selbst war der Unglücksrabe beim Eigentor. In der Folge gelang dem Zweitligisten dann auch wenig: Kaum klare Aktionen im Onffensivspiel, Mainz hätte gut und gerne den zweiten Treffer nachlegen können. Und auch am Ende hätten die Mainzer das Spiel nochmal drehen oder zumindest die Verlängerung erreichen können, aber Gary Kagelmacher und Maxi Wittek konnten jeweils auf der Linie klären. Letzten Endes war der Sieg zwar durch große Löwen-Leidenschaft verdient, aber wegen der vielen Mainzer Chancen und des Platzverweises, der den Löwen in die Karten spielte, auch sehr glücklich.

Das sagt Löwen-Trainer Kurt Kowarz: "Ich bin sehr, sehr glücklich, dass wir gewonnen haben. Wir sind schwer ins Spiel reingekommen, haben uns dann aber befreien können. Wir haben sehr diszipliniert gespielt. Der Platzverweis hat uns natürlich in die Karten gespielt. Danach haben wir das Spiel bestimmt. Ganz hinten raus war es vielleicht glücklich, aber wir haben über die gesamte Spielzeit ein gutes Spiel abgeliefert und deshalb am Ende auch verdient gewonnen."

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Das sagt Mainz-Trainer Martin Schmidt: "Das war für uns sehr bitter, wenn man 1:0 führt und das Spiel im Griff hat. Wir sind aber nicht vehement auf das zweite Tor gegangen. Dann wäre das Spiel entschieden gewesen. Wir mussten uns in der Pause neu sortieren. Das war dann sehr schwierig, Aber wir haben es lange gut gemacht, es kamen keine Schüsse auf unser Tor. Am Ende haben wir aus zwei Schüssen zwei Gegentore kassiert. Das ist bitter."

 

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