1860-Pleite in Stuttgart AZ-Analyse: Viel Trotz, keine Punkte

Das war der Anschlusstreffer: Münchens Leven Aycicek (2. v.l.) erzielt das Tor zum 2:1 durch einen Freistoß. Foto: dpa

Der TSV 1860 hat seine Serie fortgesetzt und auch das vierte Spiel in Folge verloren. Beim VfB Stuttgart setzte es eine verdiente 1:2-Niederlage. Warum es trotz deutlich verbesserter Mentalität schon wieder nicht gereicht hat – die AZ-Analyse.

 

Stuttgart - Die Löwen haben gekämpft, die Löwen konnten es vermeiden, ganz unter die Räder zu kommen. Aber: Die Löwen stehen nach der Auswärtsfahrt zum Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart erneut mit leeren Händen da. Mit 1:2 verlor jene junge Elf von Trainer Kosta Runjaic, der gleich sechs neue Akteure brachte, dem Brasilianer Victor Andrade zu seinem Startelfdebüt und Junglöwe Florian Neuhaus zu seinem ersten Pflichtspiel überhaupt verhalf.

Die rundum erneutern Sechzger haben durchaus eine Reaktion gezeigt und mit der dringend benötigten, zuletzt fehlenden Mentalität agiert. Erneut brachten individuelle Fehler die Giesinger auf die Verliererstraße.

Das Spiel: Der erste Durchgang ging erneut, wie zuletzt beim 0:3 gegen Fortuna Düsseldorf nach 45 Minuten, klar an den Gegner. Die Schwaben drückten mächtig aufs Tempo und spielten die Löwen schwindelig, vor allem Außenverteidiger Daylon Claasen konnte auf der ungewohnten Position des Rechtsverteidigers gleich mehrfach nur hinterhersehen. Stuttgart nutzte zwei Fehler der Sechzger eiskalt, hätten aber auch gut und gerne höher führen können. Die Runjaic-Elf kam allerdings durch Standards ebenfalls zu zwei Chancen und schlug durch den Anschlusstreffer von Levent Aycicek zurück. Als eine Aufholjagd gefragt gewesen wäre, erhöhte Stuttgart den Druck und hätte angesichts vier, fünf ganz dicker Chancen die Partie entscheiden müssen. So wurde es unter dem Strich ein knapper, aber verdienter Heimerfolg für den VfB.

Die Tore: Nach fünf Minuten war es schon um die Löwen geschehen: Daylon Claasen vertändelte den Ball vor dem eigenen Strafraum, Carlos Mané bediente Berkay Özcan, der erst Rodnei ins Leere grätschen ließ und dann Zimmermann tunnelte – 0:1 aus Löwen-Sicht (6.). Und die Schwaben legten schnell nach: Wieder war es Claasen, der die Kugel nach einem Eckball am langen Pfosten nicht klären konnte. Timo Baumgartl und VfB-Torjäger Simon Terodde bedankten sich gemeinschaftlich – am Ende wurde der Treffer Terodde gutgeschrieben. Die Löwen kamen allerdings nochmal heran: Levent Aycicek zirkelte einen Freistoß aus rund 25 Metern zentraler Position gekonnt über die Mauer – der Ball schlug flach neben dem linken Pfosten ein (36.).

Das war gut: Runjaic forderte von seinen Spielern eine Reaktion – und diese kam auch. Seine Spieler zeigten die richtige Mentalität und kämpften. Am Willen lag es nicht, dass die Löwen verloren: 50 Prozent gewonnene Zweikämpfe gegen einen spielstarken Gegner, eine ordentliche Laufleistung und nach 0:2-Rückstand ins Spiel zurück gefunden – alles zwar nicht überragend, aber Löwen, die gegen ihren Trainer gespielt hätten, hätten sich in der Mercedes-Benz-Arena abschlachten lassen.

Das war schlecht: Es ist schon ein altbekanntes Problem bei den Sechzgern: Dem Gegner wird gerne regelmäßig durch individuelle Patzer zu Toren verholfen. Diesmal war es Aushilfs-Rechtsverteidiger Daylon Claasen, der gleich zweimal einen größeren Anteil an den Gegentreffern hatte. Auch Innenverteidiger Rodnei ließ sich vor dem 0:1 austanzen wie ein Schulbube. Die gesamte Defensive der Sechzger zeigte sich nur darin beständig, bei den vielen Angriffen der Schwaben zu wackeln. Nach der Pause hätte der VfB in Person von Terodde oder Mané mehrfach alles klarmachen können.

Die Szene des Spiels: In der zweiten Minute der Nachspielzeit rauschte Nico Karger heran und traf zum umjubelten Augleich. Der Jubel währte allerdings nur kurz, denn der Treffer zählte nicht. Abseits von Joker Stefan Mugosa soll es gewesen sein – dabei war es ein regulärer Treffer. Pech für Sechzig, dass Karger nicht sein Tordebüt feiern durfte. So hätte es noch zu einer glücklichen Punkteteilung gereicht. Es sollte aber anders kommen, und kann man den Löwen zwar viel Trotz attestieren – Punkte gab’s zum vierten Mal in Folge allerdings nicht.

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Das sagt 1860-Trainer Kosta Runjaic: "Es war ein sehr intensives, kampfbetontes Spiel. Beide wollten Wiedergutmachung. Wir haben heute Charakter gezeigt nach den zwei frühen Gegentreffern. Die Jungs haben gekämpft, aber leider haben wir den Gegner eingeladen. Das ganz große Pech ist der Ausgleichstreffer, der vom Schiedsrichtergespann nicht gegeben wurde. Es war kein einfacher Job für den Schiedsrichter. Aber es war kein Abseits. In der ersten Halbzeit wurde Andrade übelst gefoult, da wurde auch nicht konsequent gehandelt. Daran hat es nicht gelegen, es sind aber alles Kleinigkeiten, die in unser Bild passen. Wir müssen fighten, fighten, fighten und als Team bestehen. Wir werden nicht vom Glück verfolgt, jetzt kommt noch Pech dazu. Es tut mir unheimlich leid für die Jungs, weil ihr Aufwand nicht belohnt wurde."

Das sagt Stuttgart-Trainer Hannes Wolf: "Wir sind sehr gut reingekommen, haben nach vorne verteidigt und unsere Tore gemacht. Die nachfolgenden 25 Minuten haben mir nicht gefallen. In dieser Phase ist auch der Anschlusstreffer gefallen. Das haben wir dann in der Halbzeitpause angesprochen. Es war klar, dass wir uns im zweiten Durchgang nicht so durchschlingeln konnten. In der 2. Halbzeit haben wir uns dann sechs, sieben gute Chancen erarbeitet und umgekehrt nur eine zugelassen. Es war etwas glücklich, dass das Tor nicht gewertet wurde. Trotzdem war ich mit dem Auftritt meiner Mannschaft zufrieden."

 

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