1860 holt Punkt in Ingolstadt Später Löwen-Ausgleich: Das war gut, das war schlecht

Vor 15 000 Zuschauern im erst zum zweiten Mal seit seiner Eröffnung 2010 ausverkauften Stadion erzielte Soares das 1:0. Foto: dpa

Ein umjubelter Punkt beim Tabellenführer FC Ingolstadt im Bayern-Derby, unter dem neuen Trainer Torsten Fröhling weiter ungeschlagen. Die AZ sagt, was beim TSV 1860 gut - und was schlecht - war.

 

München - Zur Pause lagen der TSV 1860 bei Spitzenreiter FC Ingolstadt mit 0:1 zurück. Die Löwen gaben trotz drückender Überlegenheit der Schanzer aber nicht auf, sondern glichen den Rückstand noch aus und sind unter Neu-Trainer Torsten Fröhling auch noch zwei Spielen noch ungeschlagen. Die AZ erklärt, worauf man nach dem 1:1 aufbauen kann und wo es noch hapert bei der Fröhling-Elf.

Das Spiel: Es war auch beim Tabellenführer noch nicht alles Gold, was da glänzte: Fröhling versprach vor dem Spiel im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen St. Pauli auch eine spielerische Verbesserung - doch zunächst Fehlanzeige. Man konnte beim Spitzenreiter kaum erwarten, dass die Löwen das Spiel machen, aber ein bisschen mehr als den Einbahnstraßenfußball hatten sich die Löwen-Fans wohl doch erhofft. Spielanteile, Chancenplus - das alles lag klar auf Seiten der Hausherren. Aber: Wie schon gegen Pauli zeigten sich die Löwen effektiv, verwerteten eine von nur zwei guten Torchancen zum 1:1-Ausgleich.

Die Tore: Fast bis zur Pause hielten die Löwen dem Dauerdruck der Schanzer stand, in der 41. Minute brach der Damm schließlich: Nach einem Eckball köpfte Gary Kagelmacher den Ball aus der vermeintlichen Gefahrenzone, allerdings genau vor die Füße von Danilo. Der zog aus dem Rückraum ab, die Kugel wurde von Marius Wolf noch abgefälscht und trudelte unhaltbar für Vitus Eicher ins Tor. Zudem hatte Kai Bülow seinem Keeper die Sicht genommen. Bis in die Schlussphase spielte weiterhin fast nur Ingolstadt, dann bliesen die Löwen zur Späten Aufholjagd. Und die wurde prompt belohnt: Der eingewechselte Ex-Schanzer Valdet Rama umkurvte Roger auf halbrechts und flankte an den zweiten Pfosten, wo Jannik Bandowski einlief und den Ball mit dem langen Bein per Direktabnahme ins Tor jagte (83.).

Szene des Spiels: Die besagte 83. Minute. Eigentlich hatte das Spiel nur einen Sieger verdient und die Löwen wussten das auch. Immerhin konnen sie in der Schlussphase etwas Druck entfachen und konnten sich im Gegensatz zum gesamten Spiel vorher auch mal in der Ingolstädter Hälfte festsetzen. Als der Ball von Bandowskis Fuß den Weg ins Tor fand, gab es auf der Löwen-Bank kein Halten mehr: Fröhling, Co-Trainer Collin Benjamin, sämtliche Auswechselspieler und Betreuer, alle liefen sie ins Feld und jubelten ausgelassen über den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich.

Das war gut: Die neue Löwen-Mentalität. Bei aller spielerischen Armut stimmte die Einstellung der Mannschaft. "Der Glaube ist zurückgekehrt", sagte Fröhling vor dem Spiel. Und er behielt Recht, denn trotz klarer Unterlegenheit hatte man nie das Gefühl, dass die Löwen aufsteckten. Im Gegenteil: Sie suchten in der Schlussphase ihre Chance und waren wie gegen Pauli effektiv: Zwei gute Torchancen, ein Treffer - der einzige Schuss aufs Tor war drin.

Das war schlecht: Das Offensiv-Spiel des TSV. Zu wenig Durchschlagskraft, kaum Ideen, und als sich die Löwen doch mal in aussichtsreiche Position spielten, kam der letzte Pass nicht. Durch die Druck-Phase in der Schlussviertelstunde sammelten die Löwen mit 46 Prozent noch einen annehmbaren Wert an Spielanteilen als Auswärts-Team, aber nur die besagten zwei Chancen, von denen Marius Wolf die erste vergab, sind über 90 Minuten einfach zu wenig. Auch beim Tabellenführer. Es liegt noch viel Arbeit vor Fröhling, denn die Löwen werden sich nicht immer auf eine solch effektive Chancenverwertung verlassen können.

Lesen Sie auch: Die Stimmen zum Spiel

Das sagte 1860-Trainer Torsten Fröhling: "Es ist schon aufreibend. Wenn wir so weiterspielen, dann bin ich schnell zehn Jahre älter, aber das ist dann auch egal, wenn wir dabei punkten. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass sich die Jungs für den Aufwand belohnt haben. Ich habe uns nicht so schlecht gesehen, dass wir völlig an die Wand gespielt wurden. Wir haben keine großen Chancen gehabt, weil wir den letzten Pass nicht gespielt haben. Klar haben wir uns nicht viele Chancen erspielt, aber wir haben hinten raus gespielt, haben versucht, Ruhe zu bewahren. Es ist alles noch nicht gut, es ist alles noch nicht so, wie wir es wollen. Wir wussten, wie stark Ingolstadt ist, auch bei Standards. Die wollten wir verhindern, haben es leider nicht ganz geschafft. Als wir zur Pause 1:0 zurücklagen, haben wir gesagt, dass wir nochmal alles geben wollen. Glücklich ist der Punkt natürlich trotzdem. Ich bin stolz auf die Mannschaft, das wir uns den Punkt erarbeitet haben. Das war schon eine Steigerung."

Das sagte Ingolstadt-Coach Ralph Hasenhüttl: "Wir sind natürlich nicht zufrieden. Es kann nicht sein, weil wir zu wenig Ertrag für das bekommen haben, was wir gespielt haben. Wir haben in der 67. Minute den ersten Torschuss der Sechziger zugelassen und hatten schon zuvor gute Chancen, um höher zu führen. Uns haben vorne immer ein paar Zentimeter gefehlt. Von der Spielanlage her hat es gepasst, aber das alleine reicht halt nicht. Wir erzwingen momentan das Glück nicht. In beiden Spielen gegen Sechzig wäre mehr drin gewesen. Vom Ergebnis her war es zu wenig, trotzdem sage ich: Es war ein wichtiger Punkt für uns. Wir müssen momentan mühsam unsere Punkte sammeln, es geht nicht immer so einfach von der Hand wie bei uns im Herbst."

 

19 Kommentare