1860-Geschäftsführer Robert Schäfer "Eine Insolvenz ist keine Lösung"

Die 1860-Sanierer Dieter Schneider (re.) und Robert Schäfer. Foto: sampics/Augenklick

Geschäftsführer Robert Schäfer über die Sanierung, eine gescheitere Option und neue Sponsoren

 

AZ: Herr Schäfer, aus politischen Kreisen hört man, dass mehrere für die 1860-Sanierung wichtige Abkommen gescheitert sein sollen und der Klub am Abgrund stünde. Ist die Rettung gescheitert?

ROBERT SCHÄFER: Nein. Wir haben mehrere Optionen, um die Sanierung zu schaffen. Es ist so, dass sich eine davon unter der Woche als nicht machbar erwiesen hat. Aber ich möchte betonen, dass wir mehrere Optionen haben, an denen wir arbeiten. Wir arbeiten konzentriert an der Sanierung und auf den 15. März (bis dahin müssen die Lizensierungsunterlagen bei der DFL, eingetroffen sein, die Red.)

Wie weit wollen Sie bis zum 15. März kommen?

Bis zum 15. März wollen wir soweit sein, den Spielbetrieb für den Rest dieser und für die nächste Saison gesichert zu haben. Wir wollen jetzt eine nachhaltige Basis legen für eine mittelfristige Zukunft, damit wir im September nicht von vorne anfangen müssen.

Inwieweit erschwert der Rückzug von Hauptsponsor Comarch die Planungen?

Nur insofern, dass die Nachricht in diesen Tagen in die Öffentlichkeit gekommen ist. Es wäre mir lieber gewesen, wenn ich noch ein Gespräch mit Comarch–Chef Janusz Filipiak hätte führen können, bevor das an die Öffentlichkeit geraten wäre.

Sie haben angekündigt, mit Filipiak um eine Fortsetzung der Partnerschaft verhandeln zu wollen. Wieso glauben Sie, dass er sich noch einmal für 1860 entscheiden könnte?

Wenn wir Filipiak nachweisen können, dass die Sanierung vorankommt und das Konzept aufgeht. Herr Filipiak hat gesagt, das Problem läge bei 1860. Ich glaube, er will sehen, dass wir es hinbekommen. Und wenn wir das hinbekommen, könnte er vielleicht eine Basis sehen, zusammen weiterzumachen. Wenn nicht, müssen wir eben einen neuen Sponsor suchen.

Aus Ihrer früheren Tätigkeit beim 1860-Vermarkter IMG werden Sie aber wissen, dass Comarch dem Klub einen Betrag zahlt (1,8 Millionen Euro im Jahr, die Red.), der weit über dem liegt, was in der Zweiten. Liga üblich ist.

Ja, aber das war bei vielen Vorgängern nicht anders. Die Marke 1860 genießt eben eine Aufmerksamkeit, die viele andere Fußballvereine nicht haben. Ich habe ja selbst schon mal Hauptsponsoren für 1860 gesucht und bin sehr positiv gestimmt, dass wir – sollten wir uns mit Filipiak nicht einigen können – bis zum Sommer einen Hauptsponsor finden würden, der einen anständigen Preis bezahlen würde.

Warum sollte Ihnen das gelingen? 1860 hat konstant sinkende Zuschauerzahlen, zudem wird nicht mehr der Aufstieg als Ziel postuliert...

Einverstanden. Aber 1860 hat sich auch dahingehend verändert, dass wir jetzt ein ehrlicher und verlässlicher Zweitligist sein wollen, der seine Einnahmen und Kosten im Griff hat und seine Zuschauer mit einem Fußball unterhalten will, bei dem die Fans den Kauf einer Eintrittskarte nicht als Spende wahrnehmen müssen. Dafür gibt es auf jeden Fall einen Markt und Unternehmen, die sich identifizieren können mit einem Verein, der sich erst konsolidieren möchte und dann erst überlegt, ob er aufsteigen möchte. Außerdem waren wir auch in den letzten Jahren nicht erfolgreicher als jetzt. Ich glaube an den Wert von 1860, trotz Krise und Sanierung.

Teile der 1860-Fans fordern eine so genannte geordnete Insolvenz und den Neuanfang im Amateurbereich. Wäre das eine Lösung?

Nein. Eine Insolvenz ist keine Lösung. Diese Theorie fußt auf der Idee, dass 1860 schon einmal nach einem Lizenzentzug wieder nach oben gekommen ist. Aber man vergisst dabei immer gerne, wie lange das damals gedauert hat. Außerdem wäre ein Neustart in einer heute fünftklassigen Bayernliga wesentlich teurer als damals. Wenn man sieht, welche Beträge Red Bull ausgibt, um Leipzig nach oben zu bringen oder was Hoffenheim ausgegeben hat! Es ist einfacher, einen Verein in der zweiten Liga zu sanieren und dann vielleicht wieder nach oben zu führen.

 

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