1860-Flügelflitzer im AZ-Interview Valdet Rama: "Ich brauche Vertrauen"

Hat nach seiner Genesung und unter Neu-Trainer Daniel Bierofka noch viel vor im Abstiegskampf: 1860-Außenbahnspieler Valdet Rama. Foto: sampics/Augenklick

Im AZ-Interview erklärt Valdet Rama, wie Bierofka ihn motiviert hat, warum er es unter Möhlmann schwer hatte, und welche Pläne er für die Zukunft hat. "Mit Albanien zur EM wäre überragend."

 

München - Kai Bülow hat sich ins Gedächtnis aller Löwen-Fans gebrannt. Der Innenverteidiger war es, der den Ball per Abstauber zum 2:1 gegen Holstein Kiel im gegenerischen Tor unterbrachte – und damit zum Relegationsretter avancierte.

Dabei hatte auch Valdet Rama seinen Anteil am umjubelten Last-Minute-Klassenerhalt: Der albanische Flügelspieler war es, der den Treffer mit seinem Pfostenschuss eingeleitet hatte und beim 1:0-Sieg in Frankfurt am 32. Spieltag mit seinem dritten Saisontreffer (vier Assists) kräftig mitgeholfen hatte, dass die Löwen überhaupt in die Relegation einziehen konnten.

Die laufende Spielzeit geriet für den 28-Jährigen bisher zum Vergessen: Null Tore, null Vorlagen, stattdessen hartnäckige Adduktorenprobleme, ein Zehenbruch und nur 13 meist sehr kurze Einsätze. Erst unter Interimstrainer Daniel Bierofka blüht Rama auf: Beim 1:0-Sieg der Löwen gegen Eintracht Braunschweig lieferte sein bisher bestes Saisonspiel und ist dank seiner Dribbelkünste plötzlich wieder großer Hoffnungsträger – lesen Sie im AZ-Interview, was Rama zur aktuellen Situation im Abstiegskampf und seine Zukunftspläne sagt.

AZ: Herr Rama, trotz eines Muskelfaserrisses gegen Duisburg liefen Sie beim 1:0 gegen Braunschweig auf. Woher die Wunderheilung?

VALDET RAMA: Ich habe auch keine Erklärung. Auf den Bildern hat man klar gesehen, dass es ein Faserriss ist. Ist eben schnell verheilt.

Sie waren einer der auffälligsten Löwen. Was hat Neu-Trainer Daniel Bierofka mit Ihnen angestellt?

Er hat gesagt: ‘Hör mal zu, gib Gas, ich vertrau’ Dir bei dem, was du machst.’ Das hat mir einen Schub gegeben. Ich riskiere sehr viel in meinem Spiel, gehe oft ins Eins gegen Eins. Alles gelingt nie, da brauche ich auf jeden Fall Vertrauen. Und das hat mir Biero gegeben.

Klingt so, als wäre er ein Motivationskünstler.

Er ist ein absolutes Vorbild. Es ist noch nicht lange her, da war er selbst Spieler. Wenn man sieht, wo er überall gespielt hat in seiner Karriere, wie er sich nach Verletzungen immer wieder durchgebissen hat. Mit dieser Überzeugung hat er uns sehr gut eingestellt. Das wollte die Mannschaft zurückgeben.

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Benno Möhlmann hat zuletzt nicht auf Sie gebaut. Kamen Sie mit seiner norddeutsch-kühlen Art nicht klar?

Es war nicht einfach für mich. Vor dem Duisburg-Spiel hatte ich fünf, sechs Monate keine Startelf-Einsätze, bin oft nur eingewechselt worden, obwohl ich wieder fit war. Ich bin einer, der Spielpraxis und Vertrauen braucht. Das habe ich immer gesagt.

Ex-Trainer Torsten Fröhling hat mal erklärt: Ein Valdet Rama muss bei seinen Fähigkeiten 15, 20 Tore schießen. Warum hat Valdet Rama – der auch zwei gute Chancen gegen Braunschweig hatte – noch kein Saisontor erzielt?

Ich hatte mir viel vorgenommen, aber wenn du lange verletzt bist, ist es schwierig. Im Abstiegskampf ist es schwer, viele Tore zu schießen. Ich bin sicher: Wenn wir uns in einer komfortableren Situation befinden würden, wäre auch einer reingegangen. Aber klar, jeder Spieler hat Defizite. Ich kann mich im Abschluss sicherlich verbessern.

Bierofkas 4-3-3-System mit zwei offensiven Flügelspielern scheint Ihnen zugute zu kommen.

Wir haben ziemlich hoch verteidigt. Dadurch entsteht Raum für die Offensivspieler. Man hat gesehen, dass Daylon Claasen und ich mehr Aktionen nach vorne hatten als in den letzten Spielen.

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Den nächsten Beweis können Sie am Freitag bei St. Pauli abliefern.

Ich habe zweimal am Millerntor gespielt, es macht Spaß dort in dem engen Stadion und mit den tollen Fans. Man muss aufpassen, nicht in den ersten Minuten unter die Räder zu kommen. Aber wir müssen auf uns schauen. Wir haben noch drei Spiele und alles selbst in der Hand. Ich hoffe, dass wir punkten und eine gute Ausgangsposition schaffen.

Könnte angesichts der beiden Endspiele gegen Paderborn und Frankfurt aber wieder ähnlich spannend werden wie letztes Jahr.

Solche Gedanken existieren nicht in meinem Kopf. Fertig. Wir müssen als Mannschaft funktionieren, aber ich werde alles dazu beitragen, was ich kann. Ganz ehrlich: Ein solches Abstiegsfinale wie gegen Kiel reicht.

Ihr Plan könnte lauten: Erst die Löwen zum Klassenerhalt schießen und dann mit Albanien zur EM?

Das wäre überragend. Ich war immer Leistungsträger, wenn ich fit war. Zuletzt konnten andere Spieler Pluspunkte sammeln. Der Trainer weiß, was ich kann. Aber erstmal denke ich nur an Sechzig.

Und an welchen Klub denken Sie im Sommer? Ihr Vertrag läuft aus.

Ich weiß noch nicht, was ich mache. Keiner weiß, was im Abstiegskampf passiert. Wenn wir die Klasse halten, ist 1860 mein erster Ansprechpartner.

 

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