18-Jähriger nach Biss in Lebensgefahr Der geheime Giftschlangen-Halter von Starnberg

Autorenprofil Ruth Schormann
, aktualisiert am 17.01.2018 - 11:20 Uhr
Eine der beiden Speikobras aus dem Besitz des verletzten 18-Jährigen. Foto: Petra Schramek

Ein 18-jähriger aus Starnberg schwebt in Lebensgefahr. Sieben seiner neun illegalen Haustiere sind giftig – eine beißt ihn. Sie sind nun in der Münchner Reptilienauffangstation.

Starnberg - Die Nachbarn haben wohl nichts gewusst vom gefährlichen Hobby des jungen Mannes. Der hält in einem Mehrfamilienhaus im Ortsteil Leutstetten hochgiftige, erlaubnispflichtige Reptilien. Mit dramatischen Folgen.

"Wer solche Schlangen hält, muss ein berechtigtes Interesse anmelden, das muss also über die Liebhaberei hinausgehen", erklärt Patrick Boncourt, Sprecher der Münchner Reptilien-Auffangstation der AZ.

Laut Polizeiangaben wurde der 18-Jährige nun von einer der gefährlichen Schlangen gebissen. Eine etwas andere Version erzählt seine Mutter in der SZ: Demnach habe ihr Sohn die Giftschlangen an dem Tag - wie schon des Öfteren - gemolken. Dabei sei etwas Gift in eine Wunde an seiner Hand gespritzt.

Wie auch immer der junge Mann tatsächlich vergiftet wurde, er schwebt nun Lebensgefahr! Am Montagmittag leidet der 18-Jährige zunächst an Atmenot, schafft es noch, den Rettungsdienst zu alarmieren. Es gelingt ihm auch noch, seine Tiere, neun sind es insgesamt, einzusperren. Dann bricht er zusammen. Er soll mit seinem Vater in der Wohnung leben, teilt die Polizei der AZ mit.

18-Jähriger kommt in Spezialklinik

Ein Facharzt für Toxikologie wird mit einem Hubschrauber an den Einsatzort nach Starnberg geflogen, schreibt die Feuerwehr. Der lebensgefährlich verletzte Mann wurde anschließend in eine Spezialklinik geflogen. "Sein Zustand ist nach wie vor kritisch", heißt es von der Polizei am Dienstag. Weil der 18-Jährige neun zunächst unbekannte Schlangen in Terrarien hielt, holte sie mit einem weiteren Hubschrauber einen fachkundigen Feuerwehrmann aus München zu der Wohnung.

Dieser bestimmte im Zuhause des jungen Mannes fünf giftige Lanzenottern, zwei giftige Afrikanische Speikobras, einen Königspython und eine Madagaskarboa – die beiden letzteren sind Würgeschlangen. Welche seiner Schlangen den Halter gebissen hat, ist noch unbekannt. "Der Biss einer Speikobra oder der Lanzenotter endet unbehandelt in den meisten Fällen tödlich", ordnet Boncourt die Lage ein.

In seiner Obhut sind die Reptilien nun, denn die Polizei beschlagnahmte sie. "Es ist extrem schwierig, sich eine Ausnahmegenehmigung zu holen", sagt Boncourt. Sollte der Starnberger diese nicht haben – davon geht die Polizei momentan aus – könnten die Tiere in den Bestand der Auffangstation übergehen. "Erfahrungsgemäß bleiben sie dann über 20, 30 Jahre bei uns", sagt Boncourt der AZ. Kaufen könne man die Tiere einfach übers Internet oder in einer Handlung außerhalb ds Freistaats. "Ich schätze aber ins Blaue, dass es in Bayern genauso viele Halter gibt wie in Baden-Württemberg. Trotz des Verbots bei uns."

"Man kann diese Schlangen schon artgerecht halten, aber man muss sich sehr intensiv sachkundig machen", sagt Boncourt. Das Wichtigste sei, keine Dritten zu gefährden. "Das war in Deutschland noch nie der Fall", betont er. Während der Spezialist aus München die Tiere einsammlte, standen Notarzt und Hubschrauber bereit, sollte noch einmal ein Tier zubeißen.

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