150 Jahre 1860 Messi, der Boandlkramer und die ewigen Löwen

Die alte Heimat am Grünwalder Stadion wird wohl auch die nächsten Jahrzehnte noch brach liegen. Immerhin kommt einmal West Ham United zum Jubiläumsspiel vorbei - im Jahre 2065.Foto: Martha Schlüter Foto: az

Die Agenda 2160: Nach den ersten 150 Jahren werden die Sechzger sicher auch die nächsten 150 noch überstehen. Fragt sich nur, wie. Die AZ wagt bereits einen Blick in die blaue Zukunft.

 

Glückwunsch, Löwen. Die ersten 150 Jahre habt Ihr hinter Euch gebracht. Aber wie werden die nächsten 150? Zum Ende unserer Jubiläums-Serie ein Blick in die blaue Zukunft.

2014: Der Traum von Christian Ude, die Löwen noch in seiner Amtszeit zum Bundesliga-Aufstieg am Rathaus-Balkon zu empfangen, platzt. Sechzig beendet die Zweitliga-Saison zum vierten Mal am Stück als Zehnter. Daher setzt der 66-jährige OB die Altersobergrenze eigenmächtig außer Kraft und lässt sich von den Münchnern mit 96,2 Prozent knapp wiederwählen.

2020: Bayern-Ehrenpräsident Hoeneß entbindet die Löwen per Gnadenerlass vorzeitig aus dem Fröttmaninger Mietvertrag. Die Rückkehr des Zweitliga-Elften ins baufällige Grünwalder ist illusorisch, dafür baut der polnische Hauptsponsor das Dantestadion in einen Multifunktions-Event-Sportpark um. Das erste Saisonspiel in der restlos ausverkauften Comarch-Arena verliert 1860 vor 823 Zuschauern 0:1 gegen Oberhausen.

2032: Sportdirektor Emanuel Biancucci reaktiviert seinen 45-jährigen Cousin Lionel Messi neun Jahre nach dessen Karriereende und holt ihn für eine Saison zu den Löwen. Beim Trainingsauftakt sagt Messi, Maradona sei sein Vorbild, darum auch die 50 Kilo Übergewicht. Die Löwen werden Erster mit 102 Punkten und 156:13 Toren. Messi erzielt 155 Treffer, dazu kommt ein Unterhachinger Eigentor. Allerdings verweigert der DFB 1860 die Erstliga-Lizenz, weil das Präsidium die Unterlagen zu spät einreicht. Die AZ titelt: „So blöd waren sie sonst nur beim Münchner Eishockey.“

2038: Der nächste Coup: José Mourinho („Ich hole mit jedem Verein einen Titel“) von Champions-League-Sieger Partizan Tirana wird als neuer Trainer verpflichtet, in einer überragenden Saison führt der 75-Jährige die Löwen auf den achten Platz der 2. Liga.

2047: Beim Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch plumpst Christian Ude (99) altersschwach in den Fischbrunnen, der sich aber als Jungbrunnen erweist. Das Wasser verleiht nahezu ewiges Leben, zum Entsetzen des Boandlkramers, der schon ungeduldig durch die Rathaus-Gänge wandelte. In einem Vier-Augen-Gespräch beruhigt Ude den Herrgottsknecht, er werde schon mitgehen, aber erst, wenn die Löwen am Balkon waren. Der Boandlkramer akzeptiert murrend und grantelt: „Des konn dauern, ob i des no erleb.“

2054: Nachwuchstrainer Mourinho gewinnt mit den D-Junioren des TSV 1860 den Münchner Sparkassen-Cup und beendet mit Genugtuung seine Karriere. Der 91-Jährige: „Jetzt habe ich hier endlich auch einen Titel.“

2065: Nach Platz 12 in der 2. Liga empfängt 1860 zum 100. Jubiläum des Europacup-Finals West Ham United. Gespielt wird im Grünwalder, in das wegen KVR-Auflagen nur noch 73 Zuschauer reindürfen. Die Freunde des Sechzger Stadions schwärmen von der einzigartigen Atmosphäre im Giesinger Hexenkessel.

2097: In der 1. Runde des DFB-Pokals empfängt Sechzig den FC Bayern. Das erste Derby nach 88 Jahren. Wegen des großen Interesses weicht der Zweitliga-Neunte für die 1:7-Niederlage ins Olympiastadion aus, das gerade für die Olympischen Winterspiele 2098 generalsaniert wird. München hat vom IOC nämlich bereits im 21. Anlauf den Zuschlag bekommen.

2115: Weil die vier VIP-Logenplätze in der Comarch-Arena seit Jahrzehnten leer stehen, verweigert die Geschäftsführung die Zahlung der exorbitanten Catering-Kosten. Sechzig verliert den Prozess, geht pleite und wird in die B-Klasse zwangsversetzt.

2139: Zum 200. Geburtstag eines 1860-Präsidenten gibt es Anfang Mai eine Wallfahrt nach Hinterbrühl zum Wildmoser-Mausoleum, einer früheren Gaststätte am Isarkanal. In der AZ berichtet eine tischerlrückende Seherin exklusiv über Kontakt mit Wildmoser im Jenseits. Er klage über mangelnde Lebensqualität, dafür sagen ihm täglich zehn Erzengel und der Dienstmann Alois Hingerl, er möge wieder hinunterfahren und Löwen-Präse werden. Der Wunsch wird nicht erfüllt, dank der Intervention des Boandlkramers beim Herrgott: „Der bleibt herobn. Der is so schwer, den schlepp i ned nomoi nauf.“

2148: Der isländische Vulkan Ejaheiahoppsasa spuckt Asche. Die Löwen nehmen den Bus, nach einer strapaziösen Reise in den hohen Norden verlieren sie entkräftet bei der 3. Mannschaft der SpVgg Feldmoching 1:5 und steigen in die C-Klasse ab.

2160: Ein gutes halbes Jahr nachdem Christian Ude auf seiner 168. Wiesn den eigenen Anzapf-Rekord auf minus sieben Schläge verbessert hat, haben die Löwen den Durchmarsch geschafft. Im neuen Stadion in Giesing gewinnen sie alle Spiele, nach dem 1:0 in Meppen geht es als Zweitliga-Dritter in die Relegation. Sechzig verliert das Hinspiel in Bielefeld 0:4, gewinnt dann aber vor 38000 entfesselten Zuschauern in der Karsten-Wettberg-Kampfbahn 4:0. Nach dem 2:0 im Entscheidungsspiel in Frankfurt empfängt Ude die Löwen, kündigt vor dem weiß-blauen Fahnenmeer auf dem Marienplatz an, OB zu bleiben, bis die Löwen Meister sind, und springt vom Balkon in den Fischbrunnen.

Der Boandlkramer ertränkt sich in der Isar.

Florian Kinast

 

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