1:4-Sieg gegen den FC Bayern Wolfsburger Therapie gegen FCB: Jubel, Freude, drei Punkte

Fans, Spieler und Verantwortliche gedenken vor dem Rückrundenauftakt dem verstorbenen VfL-Profi Junior Malanda. Foto: dpa

Der Rückrundenauftakt des FC Bayern beim VfL Wolfsburg stand unter dem Zeichen des Gedenkens an den verstorbenen VfL-Profi Junior Malanda. Die Wolfsburger demontierten den Tabellenführer.

Wolfsburg – Die Normalität heißt Fußball, die beste Therapie: Jubel, Freude, drei Punkte – so banal das klingt. 20 Tage erst ist der tragische Unfalltod des Wolfsburger Profis Junior Malanda her. Am Freitagabend lagen nur wenige Minuten zwischen gedankenversunkener Erinnerung an das Unfassbare und losgelöster, enthemmter Begeisterung. Dann hatten die Wolfsburger den Sieg zum Rückrundenauftakt auf den Weg gebracht, aus dem frühen 1:0 wurde ein triumphales 4:1 – die erste Saisonpleite der Bayern. Und dann gleich so eine deftige! Acht Punkte trennen die beiden Teams nun an der Spitze. Wird die Liga etwa doch noch einmal spannend?

Immer wieder hebelten die Wolfsburger mit schnellen, schlauen Pässen in die Spitze die Bayern-Ordnung auseinander. Wie beim 1:0 (4.): De Bruyne leitete weiter zu Dost, der Holländer schob in die lange Ecke zum 1:0 ein. VfL-Trainer Dieter Hecking riss die Arme hoch. Etwas Besseres hätte ihnen nicht passieren können. Schnell war man im Spiel, in der Normalität. Die Fans sangen dennoch immer wieder: „Ma-lan-da! Ju-nior Ma-lan-da!“

Noch vor Anpfiff meinte Wolfsburgs Sportdirektor Klaus Allofs: „Man darf ein Spiel nicht total emotional überfrachten.“ Daher forderte er bei „Sky“: „Mit diesem Spiel müssen wir einen Schritt zurück zur Normalität finden. Wir haben den Raum zum Trauern gelassen, haben professionelle Hilfe zur Verfügung gestellt, das war in gerade in den ersten Tagen ganz wichtig.“

Und zeigte Wirkung. Die Bayern dagegen kassierten das erste Konter-Gegentor der Saison, ein Fehler im Umschaltspiel – was Trainer Pep Guardiola ganz und gar nicht leiden kann. Gerade erst hatte das neue Pflichtspieljahr begonnen, schon hatte der überlegene Herbstmeister eine ganz knifflige Aufgabe: ein Rückstand beim schärfsten Verfolger. Die Prüfung misslang gründlich. Auch die Prise Attacke-Adrenalin nützte nichts.

Sportvorstand Matthias Sammer lieferte sich ein heftiges Wortgefecht an der Linie mit Hecking, Schweinsteiger bezichtigte den Wolfsburg-Trainer gestenreich des überflüssigen „Plapperns“, legte sich nach einer Rudelbildung mit Luiz Gustavo an. Mitten in die plötzliche Hitze des Gefechts platzte wieder Bas Dost. Sein Volleyhammer an den Innenpfosten war das 2:0 (45.). Pause. Rückstand! Zwei Gegentore! Für die Bayern eine in dieser Saison unbekannte Welt.

Das hohe Tempo setzte sich fort – ebenso die Anfälligkeit der Bayern bei Kontern. Als wäre plötzlich der Faden gerissen, die goldene Hinrunde vergessen. De Bruyne vollendete zum 3:0 (53.) - stark diese Wölfe, dazu kommt ja auch noch Weltmeister André Schürrle vom FC Chelsea, der nicht im Stadion war. „Und Ihr wollt Deutscher Meister sein?“ - diese Verhöhnung aus der VfL-Kurve musste ja kommen. Just in dem Moment verkürzte Bernat auf 1:3 – zwei Minuten später. Nur ein kurzes Aufbäumen. Der überragende De Bruyne machte das 4:1 (73.).

„Bayern hat seinen Rhythmus nicht gefunden. Wolfsburg nutzte deren Ballverluste, hatte viel Raum“, analysierte Jogi Löw bei „Sky“ zur Pause treffend. Der Bundestrainer glaubt jedoch: „Die Bayern werden diese Meisterschaft gewinnen. In einem Spiel ist es jedoch möglich, die Bayern zu schlagen. Wenn nicht Wolfsburg, wer denn dann!“ Am Dienstag Schalke?

Ticker zum Nachlesen: 1:4! VfL Wolfsburg demütigt FC Bayern

„Verletzungen und Denkfehler“ - nur diese zwei Dinge könnten den Bayern in der Rückrunde gefährlich werden, hatte Sammer gesagt. Klar: Lahm und Ribéry fehlten, auch Thiago und Martínez sollen im Frühjahr zurückkommen. Doch gestern war Wolfsburg besser. Nun haben sie zwei Dinge: einen Denkzettel und national (endlich wieder) einen Gegner.

 

1 Kommentar