100 Jahre lang verschollen Sensation: Fans entdecken erste FC-Bayern-Hymnen wieder

Das Ergebnis von eineinhalb Jahren Arbeit: Felix Knoche und Ruben Schulze-Fröhlich präsentieren die verschollenen Bayern-Hymnen. Foto: Erfolgsfans

"FC Bayern, Stern des Südens, du wirst niemals untergehen, weil wir in guten wie in schlechten Zeiten zu einander stehen." Diese Zeilen der Vereinshymne kennt wohl jeder Bayern-Fan in- und auswendig. Aber wie steht es mit "Als Bayernmannschaft steh'n wir siegreich da, zu ihr wir halten unverdrossen, drum schall es laut: Hipp, hipp, hurra!"? Oder mit "Treu woll'n alle wir nur schwören, auf die Farben: Rot und Weiß!"?

München - Egal wie tief die Liebe zum FC Bayern auch ist, wohl kaum ein aktueller Fan wird diese Worte je gehört – oder gar gesungen – haben. Der Grund dafür ist simpel: Diese beiden ersten Vereinshymen, das "Bayernlied" und "Rot und Weiß", galten fast einhundert Jahre lang als verschollen. Erst 2015 grub der Fanclub "Erfolgsfans" sie wieder aus, als er in einer großen Community-Aktion die erste Vereinschronik des FC Bayern München aus dem Jahr 1925 rekonstruierte.

Auf den Seiten 78 und 79 der 130 Seiten langen Festschrift "1900 bis 1925 – 25 Jahre FC Bayern München" finden sich die Texte zu den Fan-Gesängen. Und seitdem beschäftigte das Team rund um "Erfolgsfan" Ruben Schulze-Fröhlich nur eine Frage: "Wie haben sich diese Lieder angehört?" Wie mag es wohl geklungen haben, als die erste Meistermannschaft 1932 die Zeilen des "Bayernlieds" geschmettert hat? "Für mich war klar: Diese Lieder wollen wir wieder zum Leben erwecken", sagt Schulze-Fröhlich.

Lange sah es so aus, als sollten die Lieder nie wieder gesungen werden

In der ersten Chronik des FC Bayern tauchten die Liedtexte auf. Die Melodien dazu zu finden, gestaltete sich extrem aufwändig.In der ersten Chronik des FC Bayern tauchten die Liedtexte auf. Die Melodien dazu zu finden, gestaltete sich extrem aufwändig.

Monatelang forschten Sebastian Rampf, Felix Knoche und Initiator Ruben Schulze-Fröhlich nach den Melodien der zwei Lieder aus den Jahren 1905 und 1907, doch lange Zeit sah es danach aus, als ob die Strophen nie wieder gesungen werden sollten. Nirgendwo fanden sich Noten zu den Liedern, von einer Schallplatte oder dergleichen mal ganz zu schweigen.

Doch auch wenn neben Job und Familienpflichten nicht allzu viel Zeit für die drei Männer blieb, ließen sie sich dadurch nicht entmutigen. Stattdessen verlegten sie sich auf Detektivarbeit und suchten nach Liedfragmenten, die vielleicht anderen Musikstücken entnommen waren. Und so wurden sie schließlich fündig: Offenbar hatten sich die Texter der beiden Vereinshymnen von Pfandfindermärschen der damaligen Zeit inspirieren lassen und sich dort auch musikalisch bedient.

Das "Bayernlied" und "Rot und Weiß", die übrigens primär von der Mannschaft und weniger von den Fans gesungen wurden, konnten so schließlich im Jahr 2016 wieder zum Leben erweckt werden. Der Augsburger Komponist Hans-Ulrich Höfle hatte die Stücke schließlich auf Basis der Rekonstruktion neu vertont und sein Chor sang die Lieder schließlich wieder ein.

Für das Musikvideo wurde historisches Filmmaterial digitalisiert

In und vor der Allianz Arena wurde das Musikvideo zum "Bayernlied" gedreht.In und vor der Allianz Arena wurde das Musikvideo zum "Bayernlied" gedreht. Foto: Erfolgsfans

Eigentlich hätten sich die "Erfolgsfans" nun auf ihrem Triumpf ausruhen können, doch sie wollten ein ganz rundes Paket schnüren. Für das Musikvideo zum "Bayernlied" trat der Chor in der Allianz Arena auf – ein Novum für ein Fan-Projekt. Zudem wurde exklusives Videomaterial der ersten deutschen Meisterschaft des FC Bayern verwendet. Es stammt aus der Wochenschau von 1932 und wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv und der Transit Film GmbH digitalisiert. Einige Szenen stammen aus dem Archiv des Leo Baeck Institute New York. Die Szenen zeigen die beiden Tore vom 0:2-Sieg der Bayern gegen Eintracht Frankfurt in Nürnberg im Finale der Deutschen Meisterschaft 1932. Damit liegen diese historischen Spielszenen jetzt erstmals überhaupt in HD-Qualität vor.

So viel Engagement will der FC Bayern, der auch immer wieder die Recherchen unterstützte, ganz besonders würdigen: Am Samstag werden Stadionsprecher Stephan Lehman und Ruben Schulze-Fröhlich das Projekt – und natürlich auch die beiden Vereinshymnen – vor dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim in der Allianz Arena vorstellen.

"Ich kann kaum beschreiben, wie glücklich wir sind. Endlich ist es so weit, die Lieder sind wieder erklungen, ein kleiner Teil der Geschichte des FC Bayern wurde wieder zum Leben erweckt. Jetzt sind die Fans an der Reihe. Wir sind sehr, sehr gespannt, wie die Aufnahmen ankommen", sagt Ruben Schulze-Fröhlich.

Hier sind die beiden Hymnen zum Anhören und Anschauen:

"Bayernlied" von 1907

Text von Sigl Herrmann

Neu vertont von Hans-Ulrich Höfle 2015/16, eingespielt in Augsburg, gedreht in und vor der Allianz Arena, mit Videomaterial von der ersten Deutschen Meisterschaft des FC Bayern im Jahr 1932.

 

Text:

Sind wir vereint zur guten Stunde
Im engen, trauten Freundeskreis,
So dringt aus uns'rer aller Munde
Das Lied dem Fußballsport zum Preis;
Denn wir sind hier als treue Sportgenossen,
Als Bayernmannschaft steh'n wir siegreich da,
Zu ihr wir halten unverdrossen,
Drum schall es laut: Hipp, hipp, hurra!

Wem wollen wir den ersten Gruß nun weihen?
Dem Sport, der uns zusammenhält.
Im frohen Fußballspiel im Freien,
In frischer Luft, auf grünem Feld
Da lasset uns die freie Zeit verbringen
Ihr Bayernbrüder jetzt und immerda.
Erhebt die Gläser, hoch soll's klingen
Dem Fußballsport: Hipp, hipp, hurra!

Der zweite Gruß, er soll ertönen
Für die, die unserm Sport sich weih'n,
Und pereat allen, die ihn höhnen,
Wir aber wollen treu ihm sein.
Als Fußballspieler lasset uns getreue
Zu Bayern halten, was auch sonst geschah,
Und unser Ruf erschalle stets aufs Neue:
Der F.C. Bayern! Hipp, hipp, hurra!

Den letzten Gruß, ihn lasset erschallen,
Dem Klub zur Ehr', dem wir angehör'n,
Und das Bestreben von uns allen
Sei seinen Ruf stets zu vermehr'n.
Stolz laßt uns sein, wenn seine Fahnen wehen,
Das Rot und Weiß, das oft man siegreich sah;
Ruf daß sie ewiglich bestehen,
Stoßt freudig an: Hipp, hipp, hurra!

"Rot und Weiß" von 1905

Text von H. Blome-Hamburg

 

Text:

Strömt herbei, ihr Fußballspieler,
Schart euch um's Vereinspanier;
Laßt uns sein des Sportes Schüler
Und erhebt das Glas mit mir.
Stoßet an, die Gläser klingen,
Freude weilt in unserm Kreis,
:/: Helle Lieder lasst uns singen
Von den Farben: Rot und Weiß! :/:

Rot zieht sich durch unsre Farben,
Treuer Liebe edle Zier;
Nur die wahrhaft um dich warben,
Stehen treu versammelt hier.
Treu woll'n wir den Sport verehren,
Zu ihm steh'n um jeden Preis,
:/: Treu woll'n alle wir nur schwören
Auf die Farben: Rot und Weiß! :/:

Weiß erglänzt auf unserm Schilde,
Leuchtet unbefleckt und rein,
Und es wird in seiner Milde
Stets der Roten Beistand sein.
Rein soll unsre Ehre glänzen,
Rein sei unsres Strebens Preis,
:/: Und der Reinheit Blüten kränzen
Unsre Farben: Rot und Weiß! :/:

Und wenn einst nach vielen Jahren
Das Geschick uns hat zerstreut,
Wir des Lebens Meer befahren,
Denken an die Jugendzeit,
Wenn die Sehnsucht sich wird rühren
Nach dem alten Freundeskreis,
:/: Dann soll'n uns zusammenführen
Unsre Farben: Rot und Weiß! :/:


Mehr Infos zur Rekonstruktion der FCB-Hymnen, ein Making-of-Video, Download-Links und die Möglichkeit, sich die Songs auf Schallplatte zu bestellen, finden Sie auf der Homepage des Projekts.

 

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