Friedensnobelpreis für UN-Welternährungsprogramm

UN-Organisationen haben es in Zeiten von Donald Trump nicht leicht. Umso wichtiger findet es das Nobelkomitee, eine solche Einrichtung mit dem Friedensnobelpreis zu ehren. Beim Welternährungsprogramm wird gejubelt. Nur einem fehlen die Worte.
von  Von Steffen Trumpf, Christiane Oelrich und Petra Kaminsky, dpa
Eine ältere Frau schaut aus einem Zelt imi einem Flüchtlingslager in Myanmar. Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das Welternährungsprogramm (WFP).
Eine ältere Frau schaut aus einem Zelt imi einem Flüchtlingslager in Myanmar. Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das Welternährungsprogramm (WFP). © Lynn Bo Bo/EPA/dpa

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Das Nobelkomitee begründete dies am Freitag in Oslo mit den Bemühungen der UN-Organisation im Kampf gegen Hunger rund um den Globus.

Gewürdigt wurde auch der Beitrag für bessere Friedensbedingungen in Konfliktgebieten. Das Welternährungsprogramm (World Food Programme, WFP) versorgt Jahr für Jahr etwa 100 Millionen Menschen mit Essen. Insgesamt sind dafür mehr als 17.000 Helfer im Einsatz. International gab es für die Entscheidung viel Applaus.

Die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, sagte, es sei eine der ältesten Waffen der Welt, Menschen in Konfliktsituationen auszuhungern, um dann in ihr Territorium einzudringen. Leider werde von dieser Waffe noch heute sehr aktiv Gebrauch gemacht. Auch ohne die Corona-Krise wäre das WFP ein würdiger Preisträger gewesen - jetzt aber umso mehr. "Die Pandemie hat das Bedürfnis an Nahrungsmittelhilfe gesteigert. Lebensmittel sind wegen des Virus für manche Bevölkerungen weniger verfügbar."

Gleichzeitig zeige die Pandemie, dass multilaterale Zusammenarbeit absolut notwendig sei, um globale Herausforderungen anzugehen. Es scheine derzeit einen "Mangel an Respekt" vor Multilateralismus zu geben. Der Preis sei damit auch ein Aufruf an die Weltgemeinschaft, dem Programm ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Alle Staaten der Welt hätten eine "Pflicht", sicherzustellen, dass Menschen nicht verhungern. Viele werteten die Bemerkung als Hinweis auf US-Präsident Donald Trump.

Das WFP hat seinen Hauptsitz in Rom und kämpft in aller Welt gegen Hunger. Es konzentriert sich auf Nothilfe, Wiederaufbau und Entwicklungszusammenarbeit. Die Helfer unterstützen auch Opfer von Krieg, Dürre, Sturm und Erdbeben. Zusätzlich planen sie auch langfristige Entwicklungsprogramme.

Chef ist der US-Amerikaner David Beasley, ehemaliger Gouverneur des Bundestaats South Carolina. Er sagte in einem Video auf Twitter: "Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich sprachlos bin. Das ist unglaublich. "Wow! Wow! Wow!" Die Organisation insgesamt erklärte: "Der heutige Tag ist eine Erinnerung daran, dass gesicherte Ernährung, Frieden und Stabilität Hand in Hand gehen."

UN-Generalsekretär António Guterres meinte: "In einer Welt des Überflusses ist es unerhört, dass Hunderte Millionen Menschen jeden Abend hungrig zu Bett gehen." Das WFP befriedige aber auch den "Hunger der Welt nach Kooperation". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Wenn es eine Organisation verdient hat, dann gehört diese mit Sicherheit dazu. Die Menschen dort leisten eine unglaubliche Arbeit und helfen anderen Menschen. Und deshalb freut mich diese Vergabe des Friedensnobelpreises sehr."

Der Nobelpreis ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 950.000 Euro) dotiert. Vergangenes Jahr wurde Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die letzten internationalen Organisationen, die geehrt wurden, waren 2017 die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung und 2013 die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen.

Das Kandidatenfeld für den renommiertesten politischen Preis der Erde war in diesem Jahr groß gewesen - vorab hatte sich kein klarer Favorit herauskristallisiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und Klimaaktivistin Greta Thunberg wurden von Wettbüros als Topfavoriten gehandelt, Experten hatten einen Preis für Journalistenorganisationen oder junge Aktivisten etwa aus dem Sudan oder aus Somalia für möglich gehalten. Die Nobel-Institutionen selbst halten die Namen der Kandidaten - in diesem Jahr waren es 211 Persönlichkeiten sowie 107 Organisationen - traditionell 50 Jahre lang geheim.

Der Friedensnobelpreisträger wird als einziger aller Nobelpreisträger nicht in Stockholm, sondern in Oslo verkündet und geehrt. Verliehen werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel. In diesem Jahr findet das sowohl in Oslo als auch in Stockholm wegen der Coronavirus-Pandemie in anderem und deutlich kleinerem Rahmen statt.

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