Streit um sogenannte Bierbikes vor Gericht

Rollende Partytheke oder sportliches Sightseeing? An den Riesenfahrrädern mit Bierfass an Bord scheiden sich die Geister. Der Betreiber in Berlin darf die Gefährte nicht überall auf die Straße schicken. Das akzeptierte er nicht und klagte.
| dpa
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Ein Bierbike fährt am Reichstag in Berlin vorbei. An den Riesenfahrrädern mit Bierfass an Bord scheiden sich die Geister. Der Betreiber in Berlin "Bigbike" klagt, weil er die Gefährte nicht überall auf die Straße schicken darf.
Rainer Jensen/dpa Ein Bierbike fährt am Reichstag in Berlin vorbei. An den Riesenfahrrädern mit Bierfass an Bord scheiden sich die Geister. Der Betreiber in Berlin "Bigbike" klagt, weil er die Gefährte nicht überall auf die Straße schicken darf.

Berlin - Berlins Boulevard Unter den Linden auf einem sogenannten Bierbike erkunden oder die Friedrichstraße entlanggondeln? Viele Touristen würden das gut finden, der Stadt ist es ein Dorn im Auge. Der Streit um die Riesenfahrräder mit bis zu 16 Sitzplätzen, Musikanlage und Ausschank kommt jetzt vor das Verwaltungsgericht der Hauptstadt.

Am Donnerstag (11:00 Uhr) wird die Klage des Betreibers Bigbike gegen das Bezirksamt Mitte verhandelt. Es wird mit einer Entscheidung am selben Tag gerechnet, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Fahrverbote während Hauptverkehrszeit

Das Bezirksamt hatte eine Sondernutzungserlaubnis für die Gefährte erteilt, jedoch die Zeiten und die Straßen, die befahren werden können, beschränkt. Unter den Linden, Friedrichstraße und Leipziger Straße sind demnach tabu, auch Fahrverbote für Zeiten mit viel Verkehr an Werk- und Samstagen wurden verhängt. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) rechnete damit, dass der Kurs vom Gericht bestätigt werde.

Erst im Dezember hatte das Bezirksamt angeordnet, dass die umstrittenen Berliner Pferdekutschen den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor nicht mehr anfahren dürfen.

Bigbike-Geschäftsführer Ulrich Hoffmann-Elsässer findet die Einschränkungen für seine Bikes rechtswidrig und verlangt, die einschränkenden Bestimmungen aufzuheben. Die Straßenauswahl sei willkürlich. Es komme auch nicht zu Verkehrsbehinderungen. Unfälle habe es auch nicht gegeben.

Imagewandel: Aus Bierbikes werden Bigbikes

"Wir lassen keine Sauftouristen auf die Straße", sagte Hoffmann-Elsässer der Deutschen Presse-Agentur. "Wer nicht nüchtern ist, kommt nicht drauf." Nach Kritik an lärmenden, angetrunkenen Gästen auf den Gemeinschaftsrädern, die auch schon mal als rollende Partytheke bezeichnet wurden, hat das 2009 gestartete Unternehmen laut Hoffmann-Elsässer sein Image gewandelt. Die Bierbikes wurden auch in Bigbikes umgetauft.

Für die Touren mit Fahrer - zwei Stunden etwa am Samstag kosten 300 Euro - können bis zu 30 Liter Bier im Fass mitgeordert werden. Der Geschäftsführer spricht von einem "sportlichen Sightseeing" mit festen Regeln, bei dem dann "auch gern ein gepflegtes Bier getrunken werden kann".

Berlins Tourismuschef Burkhard Kieker hatte sich schon 2012 dafür ausgesprochen, die Gefährte komplett zu verbieten. Sie förderten ein Ballermann-Image und seien eine Belästigung.

In der niederländischen Hauptstadt Amsterdam sind Touren mit solchen Rädern inzwischen verboten. Es sei nur ein Schritt von vielen, um gegen das Zuviel an Touristen anzugehen, schrieb die Süddeutsche Zeitung.

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