Sicherheitskonferenz in München: Polizeischutz für "Terrorist" Cem Özdemir

Der Ex-Grünen-Chef fühlt sich von einer türkischen Delegation bedroht. Die nennen ihn dagegen einen Terroristen.
| Ralph Hub
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München/Berlin - War es Zufall oder schlicht ein Versehen bei der Planung der Sicherheitskonferenz? Jedenfalls wurden der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim nebst seinem Gefolge und der Grünen-Politiker Cem Özdemir im selben Hotel, im selben Stockwerk, quasi Tür an Tür einquartiert.

Es ist schon eher ungewöhnlich, dass die Polizei die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz voreinander schützen muss. Aber genau das ist am Wochenende passiert.

Özdemir, ein scharfer Kritiker von Präsident Erdogan, und der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim liefen sich am Freitagabend in der Lobby des Sofitel am Münchner Hauptbahnhof über den Weg. "An ihrem Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, dass sie nicht erfreut waren, mich zu sehen", sagte Özdemir über Yildirims Bodyguards.

Er fühle sich von den Leibwächtern bedroht, beklagte sich der Bundestagsabgeordnete bei der Polizei. Man bekomme "einen Eindruck, welche Aggressivität von diesem Unsicherheitspersonal wohl in der Türkei ausgeht, wenn sie sich bei uns schon so aufführen". Das lasse Rückschlüsse auf "die Natur des Regimes in Ankara" zu. Auch die türkischen Konferenzteilnehmer zeigten sich alles andere als begeistert, dass sie mit einem der schärfsten Kritiker ihres Staatspräsident unter einem Dach einquartiert waren. In ihrem Hotel sei ein "Terrorist" untergebracht, beschwerten sie sich im Anschluss an die Begegnung mit dem Grünen. Für die Münchner Polizei eine durchaus heikle Situation.

Eine Bedrohung Özdemirs durch türkische Bodyguards habe es nicht gegeben. Das sei ein "bisschen wie Kindergarten" gewesen, heißt es. Das Präsidium stellte Özdemir trotzdem einige Personenschützer zur Seite, wie ein Polizeisprecher am Sonntag der AZ bestätigte.

Zudem bekam Özdemir den Rat, den Speisesaal am Samstagmorgen zu meiden. Höflich habe man sich erkundigt, ob er Kaffee und Croissant vielleicht lieber auf seinem Zimmer einnehmen wolle. Was Özdemir freilich ablehnte.

Wenig später begleiteten dann drei Beamte den Grünen direkt zur Sicherheitskonferenz. Der Polizeischutz bleibt auch noch am nächsten Tag bestehen. Am Sonntag um 9 Uhr stieg Özdemir am Münchner Airport in seine Maschine und flog zurück nach Berlin.

Cem Özdemir, der früher von türkischen Nationalisten bedroht worden war, hat zuletzt die Regierung in Ankara wiederholt scharf kritisiert. Mit Erdogan an der Spitze sei ein Beitritt zur EU undenkbar. "Kuscheln führt nicht zur Mäßigung", sagte Özdemir nach dem Vorfall in München. "Schlimm genug, dass Erdogans Schergen unter Andersdenkenden Angst und Schrecken verbreiten. Aber in Deutschland hat es nichts verloren."

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