Zäune aufstellen, Schuhe wechseln: Kampf gegen Tierseuchen

Während sich die Geflügelpest weiter ausbreitet, gibt es in Bayern noch immer keinen bestätigten Fall der Afrikanischen Schweinepest. Doch wie wirksam sind die Maßnahmen gegen die Tierseuchen im Freistaat tatsächlich?
| dpa
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Blick durch einen wegen der Afrikanischen Schweinepest errichteten Wildschutzzaun auf die A70.
Blick durch einen wegen der Afrikanischen Schweinepest errichteten Wildschutzzaun auf die A70. © Nicolas Armer/dpa/Archivbild
München

Strikte Regeln für Geflügelhalter, noch mehr Wildschutzzäune entlang von Autobahnen: Bayern rüstet im Kampf gegen Tierseuchen weiter auf. "Wir tun alles, um Bayern bestmöglich zu schützen", betonte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Doch die Geflügelpest im Freistaat breitet sich aus und auch bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) könnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, befürchten Experten.

In den Landkreisen Passau, Starnberg, Haßberge und Landsberg am Lech ist die Geflügelpest schon bei Wildvögeln nachgewiesen worden - und es wird noch schlimmer werden, befürchtet Annika Nottensteiner, Geschäftsführerin des Landesverbands der Bayerischen Geflügelwirtschaft. "Das Virus ist auf jeden Fall bei der Wildvogelpopulation in ganz Bayern verbreitet." Das Wildtiermonitoring soll laut Ministerium deshalb konsequent weitergeführt werden.

Im Landkreis Bayreuth traf es nun auch die erste Geflügelhaltung. Rund 20 Hühner mussten dort gekeult werden. "Bei den kleineren Betrieben ist das Risiko höher, dass sich die Geflügelpest verbreitet", erklärte Nottensteiner. Denn dort gelten normalerweise nicht so strenge Regeln wie in Betrieben mit mehr als tausend Tieren.

Seit dem Fall im Landkreis Bayreuth müssen sich aber alle in Bayern an die Maßnahmen halten: Fremde dürfen keinen Kontakt mit den Tieren haben, Geflügelhalter müssen vorher erst eine Schutzkleidung anziehen. Außerdem muss gründlich gereinigt und desinfiziert werden - Hände, Schutzkleidung, Geräte, Fahrzeuge genauso wie der Stall selbst.

Das sei nachvollziehbar, angemessen und für die meisten Betriebe gut umsetzbar, erklärte der Bayerische Bauernverband. Nur das Geflügel könnte bei einer Stallpflicht leiden, vor allem wenn es Auslauf gewohnt sei. "Für diese Tiere fehlt neben der Bewegung vor allem die Beschäftigung." Die Halter müssten nun kreativ werden, um für ein bisschen Abwechslung zu sorgen.

Auch die Landwirte mit Schweinehaltung bereiten sich auf die Verbreitung einer Tierseuche vor, obwohl es keinen bestätigten Fall der Afrikanischen Schweinepest in Bayern gibt, meinte eine Sprecherin des Bauernverbands. "Einige der Hygienemaßnahmen, die die Verbraucher jetzt mit Corona kennen gelernt haben, sind in der Schweinehaltung Standard."

Das Umweltministerium setzt nach eigenen Angaben auf Hunderte Kilometer Zaun, eine Hundestaffel, Drohnen, Wärmebildkameras und finanzielle Anreize für Jäger, die den Bestand der Wildschweine reduzieren sollen. Für jedes erlegte Wildschwein in der Grenzregion zu Thüringen, Sachsen und Tschechien gibt es demnach 100 Euro, in anderen Regionen Bayerns 70 Euro.

Dem Bauernverband reicht das nicht, er fordert noch mehr Geld. Auch die Landkreise sollen sich an den Kosten für ein Früherkennungsprogramm beteiligen. "Es muss alles getan werden, um eine weitere Verbreitung der ASP zu verhindern."

Der Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft hofft derweil auf das Wetter und spielt auf Zeit. Die erhöhte UV-Strahlung im Frühjahr setze dem Virus zu, erklärte Nottensteiner. Dann seien auch die Züge der Wildvögel vorbei, die die Geflügelpest weiter verbreiten. In den letzten Jahren habe sich die Lage Ende März wieder beruhigt.

Beide Tierseuchen gelten für Menschen als ungefährlich. Die Geflügelpest ist vor allem für Hühner und Puten gefährlich, die Erkrankungs- und Sterberaten liegen teilweise bei 100 Prozent. Auch die Afrikanische Schweinepest führt bei Wild- und Hausschweinen häufig nach kurzer Krankheit zum Tod.

© dpa-infocom, dpa:210206-99-325687/2

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