Wohnquartier mit Modellcharakter statt Kaserne

Die Stadt Bamberg treibt die Konversion voran - also die zivile Neunutzung der Flächen, auf denen bis 2014 Angehörige der US-Army stationiert waren. In einem neuen Quartier geht es vor allem um zukunftsweisende Energieversorgung.
| dpa
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Die Baustelle des Lagarde-Quartiers auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände.
Die Baustelle des Lagarde-Quartiers auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände. © Stadtwerke Bamberg/dpa/Archivbild
Bamberg

Auf einem früher militärisch genutzten Gelände in Bamberg wird nach Experteneinschätzung eines der energieeffizientesten Quartiere Deutschlands gebaut. In dem Lagarde-Quartier in Bamberg würden die Erkenntnisse der Energieforschung in die Realität umgesetzt, sagte Raoul Klingner, Direktor Forschungsmanagement und -governance der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) war mit einer Realisierbarkeitsstudie an den Planungen beteiligt.

Der "Lagarde-Campus" in Bamberg bringe Wohnen, Arbeiten, Mobilität und Klimaschutz in Einklang, heißt es beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das über das Förderprogramm "Wärmenetze 4.0" das Projekt begleitet.

Die Lagarde-Kaserne war nach 1945 ein Teil des US-Army-Standorts Bamberg. In den Jahren vor dem Abzug waren rund 8000 Soldaten mit ihren Familienangehörigen in der oberfränkischen Stadt stationiert. 2014 zogen die Truppen ab.

Mit etwa 20 Hektar sei Lagarde eines der größten innerstädtischen Infrastrukturprojekte Deutschlands, in dem bezahlbarer Wohnraum sowie Flächen für Gewerbe, Kultur und soziale Einrichtungen entstünden, sagte Klingner. "Lagarde soll eines der energieeffizientesten Quartiere Deutschlands werden."

Die Stadtwerke Bamberg investieren nach eigenen Angaben 18 Millionen Euro in dieses Projekt. Acht Millionen Euro davon kommen als Förderung vom Bundeswirtschaftsministerium, 1,9 Millionen von der Regierung von Oberfranken.

1200 Haushalte, Kultureinrichtungen und Gewerbeflächen für etwa 1500 Mitarbeiter sollen mit dem neuen Energiesystem versorgt werden. Mehr als 70 Prozent der Wärme für die Bestands- und die Neubauten soll aus erneuerbaren Energien direkt vor Ort gewonnen werden. Dafür wird unter anderem oberflächennahe Geothermie eingesetzt, mit der Bodenwärme genutzt werden soll. Der Strom für die Wärmepumpen wird auf den Dächern der Gebäude durch Photovoltaikanlagen erzeugt.

Speichermanagement und ein Blockheizkraftwerk gleichen "tageszeitliche Produktionsschwankungen" aus, wie ein Sprecher der Stadtwerke mitteilte. Überschüssige Wärmeenergie aus den Sommermonaten wird in 55 Erdwärmesonden und -kollektoren unter den Gebäuden gespeichert. Im Herbst 2022 können die ersten Familien einziehen.

Ein Thema bei den Planungen ist auch die Mobilität: Die Bewohner können sich entscheiden, ob sie einen Stellplatz fürs Auto haben wollen - oder lieber ein Ticket für den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg und einen Zugriff auf Sharing-Angebote.

© dpa-infocom, dpa:210925-99-352975/2

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