"Wir sind Kirche" zweifelt an Aufklärungswillen der Kirche

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat im Missbrauchsskandal Zweifel am Aufklärungswillen der katholischen Kirche. "Da die Kirchen als Organisationen viel zu lange und systematisch vertuscht haben, haben wir große Zweifel, ob die Täterorganisation wirkliche Aufarbeitung leisten kann", sagte der Sprecher der Bewegung, Christian Weisner, der Deutschen Presse-Agentur in München.
| dpa
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Christian Weisner.
Christian Weisner. © Armin Weigel/dpa/Archivbild
München

Der Missbrauchsskandal werde noch lange Thema sein. "Das Thema wird und muss uns noch lange beschäftigen", sagte er. "Auch die "Grenzverletzungen" sind in ihren Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Denn Machtausübung - ob sexualisiert, geistlich oder mit körperlicher Gewalt -, ist eine große oft lebenslange Belastung für jeden Betroffenen und führt letztlich zu mehr Gewalt innerhalb der Gesellschaft."

Zuvor war bekannt geworden, dass in der katholischen Kirche zahlreiche Hinweise auf weitere Fälle aufgekommen sind. "Beim Eckigen Tisch dürften sich in drei Jahren etwa 250 Menschen deutschlandweit gemeldet haben", sagte Matthias Katsch von der Betroffenen-Initiative.

Auch die Bistümer bekommen immer mehr Hinweise: Allein bei den sieben Bistümern in Bayern waren es mindestens 205, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, darunter allerdings auch zahlreiche Hinweise auf "Grenzüberschreitungen", die strafrechtlich nicht als sexueller Missbrauch gewertet werden. Bundesweite Zahlen gibt es nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nicht.

Im Herbst 2018 hatte die katholische Kirche die sogenannte MHG-Studie und damit Zahlen zu sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Demnach sind bundesweit in den Personalakten von 1946 bis 2014 insgesamt 1670 Kleriker wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt worden. Es gab 3677 Opfer. 2020 machten die Ordensgemeinschaften öffentlich, dass sich bei ihnen weitere 1412 Betroffene gemeldet haben.

© dpa-infocom, dpa:210620-99-71256/2

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