"Wir sind Kirche" hofft auf Vorbildfunktion von Neupriestern

Mehrere junge Männer sind am Samstag in Bayern zu Priestern geweiht worden. Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" setzt Hoffnungen in die jungen Männer. Von den Bischöfen bekamen sie mahnende Worte mit auf den Weg.
| dpa
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München

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" setzt anlässlich mehrerer Priesterweihen am Samstag im Freistaat auf die Vorbildfunktion der jungen Männer. Kardinal Reinhard Marx mahnte die von ihm in München geweihten fünf Neupriester, das Priestertum als "Dienst für alle" zu verstehen. Bischof Rudolf Voderholzer sprach bei einer Priesterweihe in Regensburg mit Blick auf den Synodalen Weg von einer irrealen Debatte um die Macht von Priestern.

"Wir sind Kirche" betonte, dass die Neupriester ihr Studium allesamt erst nach der Wahl von Papst Franziskus 2013 begonnen hätten und hoffentlich "seinem pastoralen Vorbild folgen werden", wie ein Sprecher am Samstag mitteilte. Angesichts rückläufiger Zahlen an neu geweihten Priestern einerseits und immer größer werdenden Pfarrverbänden andererseits forderte die Reformbewegung neue Zugangsbedingungen zum priesterlichen Dienst.

Sie begrüßt nach eigenen Angaben, dass sich immer mehr Bischöfe in der Zölibats- und Frauenfrage offen äußerten. Es gebe im Neuen Testament keinen Beleg dafür, dass Jesus nur unverheiratete Männer als Priester gewollt hätte. "Der Verweis auf die Tradition überzeugt nicht, gab es doch auch in der katholischen Kirche mehr als tausend Jahre keinen Pflichtzölibat."

Die Zukunft der Kirche hänge wesentlich davon ab, dass sie zur ursprünglichen Gemeinschaft zurückfinde. Die Aufspaltung in Kleriker und Laien widerspreche der Idee vom "Volk Gottes". Alle Menschen gehörten dem Volk an und seien somit Laien; und alle seien von Gott Erwählte und somit Kleriker. Das unterstreiche der Papst mit seiner Aussage: "Wir sind alle gleich. Ich bin einer von euch". Diese zeige, dass "kirchliche Würdenträger" keine Sonderstellung vor Gott hätten.

Kardinal Marx, der Erzbischof von München und Freising, sagte, das Messgewand solle den Priester nicht von den Menschen trennen. Ein Priester, der "etwas Besonderes sein will", habe nicht verstanden, was Jesus vorgelebt habe.

Der konservative Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sagte in seiner Predigt: "Im Zusammenhang mit aktuellen Debatten um die Erneuerung der Kirche ist viel von der Macht der Priester die Rede und von der Notwendigkeit von deren Begrenzung und Kontrolle. Es ist dies eine für mein Empfinden oft irreale Debatte."

Denn: Das erste, was einem im pastoralen Dienst aufgehe, sei eine Ohnmacht. Diese hätten die Neupriester sicher auch schon erlebt. Denn der Glaube, zu dem die Priester die Menschen bewegen wollten, sei nicht durch Machtworte zu erreichen. Vielmehr seien Worte der Bekenntnis und der Glaubenserfahrung gefragt. Diese Worte der Priester seien keine menschlichen Worte, sondern ihnen anvertraute Worte, für die sie eine Vollmacht hätten.

© dpa-infocom, dpa:210626-99-153586/3

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