Wegen Kardinal Müller: "Wir sind Kirche" fordert Taten

| dpa
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München

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat den Papst aufgefordert, Kardinal Gerhard Ludwig Müller nach dessen jüngst geäußerten Verschwörungsmythen zur Rechenschaft zu ziehen. "Wir appellieren eindringlich an Papst Franziskus, dafür Sorge zu tragen, dass dem unverantwortlichen Treiben von Kardinal Gerhard Ludwig Müller umgehend Einhalt geboten wird", schrieb die Bewegung am Donnerstag in einem öffentlichen Brief. Es sei nicht vertretbar, "dass eine Person, die Verschwörungsmythen verbreitet und sich antisemitischer Chiffren bedient, als Richter am Obersten Gerichtshof der Apostolischen Signatur amtiert und als Mitglied des Kardinalskollegiums zum Kreis der potenziellen Papstwähler zählt".

Müller, der von 2012 bis 2017 Präfekt der römischen Glaubenskongregation war und damit oberster Wächter über die katholische Lehre, hatte in einem Interview davon gesprochen, dass hinter Maßnahmen gegen die Pandemie eine finanzkräftige Elite stecken würde. "Leute, die auf dem Thron ihres Reichtums sitzen", nutzen laut Müller jetzt ihre Chance. Sie versuchten, "die Gelegenheit zu nutzen, die Menschen jetzt gleichzuschalten, einer totalen Kontrolle zu unterziehen, einen Überwachungsstaat zu etablieren". Solche Formulierungen kommen schon lange in Verschwörungsideologien vor und wurden zuletzt auf die Corona-Pandemie übertragen.

Müller habe auf die Kritik an seinen Worten die Äußerungen keineswegs korrigiert, sondern sie "noch bekräftigt und zum Teil sogar verschärft", so "Wir sind Kirche". "Von einem Kardinal ist zu erwarten, sich an seriösen wissenschaftlichen Fakten zu orientieren und alles zu tun, um Spaltungen in Gesellschaft und Kirche zu vermeiden. Doch Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat mit seinen Aussagen der katholischen Kirche erneut schweren Schaden zugefügt."

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