Was die "Zöglinge" lernten: Historische Schulbücher im Netz

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurde Schülern noch beigebracht, wie sie daheim mit Dienstboten umgehen sollen. Eine neu ins Internet gestellte Sammlung von Schulbüchern gewährt solche Einblicke in vergangene Zeiten.
| Von Ulf Vogler, dpa
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Eine Mitarbeiterin digitalisiert mit Hilfe eines Scanners ein Buch.
Eine Mitarbeiterin digitalisiert mit Hilfe eines Scanners ein Buch. © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
Augsburg

Die Augsburger Universitätsbibliothek digitalisiert Schulbücher aus mehreren Jahrhunderten für das Internet. Durch das Projekt werde "eine der bedeutendsten deutschen Spezialsammlungen zum historischen Schulbuch der Öffentlichkeit zugänglich", teilte die schwäbische Hochschule mit.

Die Unibibliothek hat rund 15.000 alte Schulbücher in ihrem Bestand. Etwa ein Zehntel davon soll nun für das Netz abfotografiert werden. Lehrmaterialien vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert werden dadurch künftig präsentiert.

In einem ersten Schritt wurden 300 Titel überwiegend aus dem heutigen Schwaben verfügbar gemacht, bis 2022 sollen auch Bücher aus anderen Teilen des Freistaats auf die Seite kommen. Sortiert sind die Bücher im Internet nach Themengebieten wie Sprachunterricht, Mathematik oder Musik.

Interessenten können sich beim Schmökern im Netz dadurch in frühere Schulzeiten zurückversetzen. Dabei werden sie nicht nur mit ungewöhnlichen, alten Schriftarten konfrontiert. Ein Buch mit "Sprach- und Rechtschreib-Aufgaben" aus dem Jahr 1853 zeigt mit seinen Übungen beispielsweise auch, wie sich die Rechtschreibung verändert hat. So sollen die Kinder bei einer Aufgabe Sätze wie "Der Schnee thut schmelzen" oder "Der Baum thut grünen" verbessern.

Das Weltbild vergangener Tage präsentiert die "Kurtze Vorstellung der Erd-Kugel" von 1733. Das Buch war zur Nutzung der damals bestehenden "Hochadelichen Ritter-Academie" im Kloster Ettal vorgesehen. In der Darstellung über "Teutschland / lat. Germania" erfahren die adeligen Leser, dass dieses große europäische Land von Gott und der Natur gesegnet sei.

Die Menschen hätten Lebensmittel und andere "Nothwendigkeiten" im Überfluss - und zwar so sehr, dass man Wein, Bier, Vieh und Eisen sogar Ausländern überlassen könne, schreibt der Verfasser des geografischen Buches. Heute könnte man es als Ausblick auf einen späteren Export-Weltmeister interpretieren.

Auch allgemeine pädagogische Schriften wie "Kurzgefaßte Anstandsregeln für die Schule und das Leben" aus dem Jahr 1905 finden sich in der Sammlung. Hier erfahren die "Zöglinge", dass sie daheim auch Dienstboten mit Respekt begegnen müssten. "Solche, die ihn nicht verdienen, dulden ohnehin deine Eltern nicht im Hause." Andererseits dürften die Kinder auch nicht zu vertraulich mit dem Personal werden, heißt es in dem Werk.

Präsentiert werden die Schulbücher auf dem Portal "Bavarikon". Die Bayerische Staatsbibliothek betreibt die Seite zur Darstellung von Kunst-, Kultur- und Wissensschätzen aus verschiedenen Einrichtungen im Freistaat. Insgesamt jeweils mehr als 130.000 Bilder und Texte finden sich mittlerweile auf der im Jahr 2013 online gegangenen Internetseite. Jeden Monat werden neue Dokumente auf das Portal gestellt.

© dpa-infocom, dpa:210831-99-31521/3

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