Versuchter Mord: Mutmaßlicher Steinewerfer vor Gericht

In der Absicht, die Fahrzeuginsassen zu ermorden, soll ein Mann in Schwaben von einer Brücke Steine auf Autos geworfen haben. Der 42-Jährige bestreitet dies. In einem Indizienprozess müssen die Richter nun die Wahrheit herausfinden.
| dpa
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Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand.
Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild
Memmingen

Wegen versuchten Mordes muss sich ein mutmaßlicher Steinewerfer von heute (9.30 Uhr) an vor dem Landgericht in Memmingen verantworten. Der 42 Jahre alte Mann soll drei Mal im Raum Memmingen von Brücken über der Autobahn 96 Steine auf Autos geworfen haben. Nach Angaben eines Gerichtssprechers bestreitet der Angeklagte die ihm vorgeworfenen Taten.

Dem türkischen Staatsangehörigen droht eine mehrjährige Haftstrafe, auch die Höchststrafe, eine lebenslange Freiheitsstrafe, ist möglich. Der Mann wurde aufgrund der Auswertung von Handydaten an einem Tatort festgenommen. An einem Stein sollen DNA-Spuren des in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten gefunden worden sein.

Ähnliche Prozesse gibt es immer wieder in Deutschland. So wurden im Februar drei junge Männer in Flensburg zu bis zu fünf Jahren Haft wegen Steinwürfen auf einen mit Senioren besetzten Kleinbus verurteilt. Zwei der Angeklagten hatten laut Urteil aus Langeweile je einen Pflasterstein geworfen, der dritte hatte den Fluchtwagen gefahren. In dem Fall kam niemand zu Schaden, in anderen Fällen schon.

Eine der folgenreichsten Taten trug sich Ostern 2008 auf der A29 in Niedersachsen zu. Ein Mann warf einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz auf den Wagen einer Familie. Der Klotz durchschlug die Windschutzscheibe und tötete eine 33 Jahre alte Mutter. Ihr Mann und die beiden Kinder erlebten die Tragödie in dem Auto mit. Das Verbrechen hatte in ganz Deutschland für Bestürzung gesorgt, der Täter wurde vom Landgericht Oldenburg zu lebenslanger Haft verurteilt.

Laut dem Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) gibt es aber keine Statistik, wie oft es die Polizei in Bayern mit ähnlichen Fällen zu tun hat. Eine LKA-Sprecherin erklärte, dass es oft auch Kinder, Jugendliche oder Betrunkene seien, die Gegenstände auf Fahrzeuge fallen ließen. In diesen Fällen werde dann nicht unbedingt mit krimineller Energie gehandelt.

In dem Memminger Fall sieht dies die Staatsanwaltschaft anders. So soll der Angeklagte im November 2020 nachts einen eineinhalb Kilo schweren Stein auf einen Wagen geworfen haben, der sich mit mindestens 110 Kilometern pro Stunde der Brücke näherte. Zuvor soll der Mann im Mai und September 2020 bereits ähnliche Taten begangen haben. Für den Indizienprozess sind mindestens sechs weitere Verhandlungstage geplant, das Urteil könnte Mitte Oktober fallen.

© dpa-infocom, dpa:210913-99-204338/4

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