Verband beklagt Schul-Notbetrieb und fordert Lehrergipfel

Die Klassenzimmer sind wieder voll - so wie vor der Coronakrise. Aber ist deshalb alles wieder normal? Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband findet das nicht und beschreibt die Lage als dramatisch.
| dpa
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Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel.
Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild
München

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sieht den Unterricht an den Schulen in Gefahr und schlägt Alarm: "Wir haben noch nie so einen Notbetrieb erlebt, wie jetzt", sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann am Mittwoch in München. Zwei Krisen prallten momentan aufeinander: ein dramatischer Lehrermangel und die Coronakrise, die für Schulleiter und Lehrer mit sehr großen Herausforderungen und enorm vielen Zusatzaufgaben verbunden sei.

Fleischmann forderte deshalb einen Lehrergipfel. Hier müsse es Ergebnisse geben, wie Lehrer sofort entlastet und der Lehrermangel in Zukunft vermieden werden könne. "Schulverwaltung und Politik wollen weiter irgendwie diesen Schein wahren, und anstatt das Problem ehrlich zu benennen und anzugehen, eiern sie rum", warf sie unter anderem Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) vor. Das Problem des Lehrermangels sei jahrelang kaschiert worden, auch weil die Schulen vieles aufgefangen hätten. Das sei wegen Corona nicht mehr möglich, da etwa Klassen nicht mehr zusammengelegt werden könnten, wenn ein Lehrer krank werde.

Tomi Neckov, Leiter einer Mittelschule in Schweinfurt, beklagte unter anderem den bürokratischen Aufwand, der sich durch Corona verschärft habe. "Deshalb erwarte ich im Moment von der Staatsregierung einfach nur Ehrlichkeit und das Eingeständnis, dass wir keinen Regelbetrieb im Augenblick an den Schulen haben", sagte er. Das würde den Druck gegenüber den Eltern herausnehmen. "Die denken, dass sie einen Anspruch haben auf normalen Unterricht, der eben nicht stattfinden kann im Augenblick." Für die Grippewelle sieht er seine Schule nicht gerüstet. "Wenn die Saison beginnt und die Lehrkräfte noch zusätzlich ausfallen, dann weiß ich nicht, wie ich den Betrieb noch aufrecht erhalten kann."

Jürgen Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands (brlv), teilt die Ansichten des BLLV nicht in vollem Umfang. "An den Realschulen in Bayern herrscht derzeit kein Notbetrieb, aber natürlich läuft einiges anders wie vor der Corona-Pandemie", stellte Böhm klar. Allerdings dürften nicht alle Herausforderungen, die mit der Corona-Krise einhergingen, auf dem Rücken der Lehrkräfte ausgetragen werden. Diese Zusatzbelastungen müsse man im Blick behalten und für Entlastungen und klare Regelungen sorgen. Der Verband verwies auf die Integrierte Lehrerreserve an Realschulen, die sich bewährt habe. Diese zusätzlichen Lehrkräfte müssten sinnvoll eingesetzt werden, sagte Böhm.

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