Tschechisch in der Kita: Grenzregion will stärkere Förderung

Französisch, Spanisch - oder doch lieber Tschechisch? Gerade in den Grenzregionen machen viele Schulen Angebote, um die Sprache des Nachbarlandes zu vermitteln. Doch der Kontakt mit Tschechisch soll nach dem Wunsch der Politik bereits viel früher beginnen.
| dpa
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Ein Einkaufzentrum begrüßt seine Besucher auf Deutsch und Tschechisch.
Ein Einkaufzentrum begrüßt seine Besucher auf Deutsch und Tschechisch. © picture alliance / dpa/Symbolbild
Wunsiedel

Schon die Kleinsten sollen in der Grenzregion zu Tschechien mit der Sprache des Nachbarlandes vertraut werden. Gerade im Bereich der frühkindlichen Bildung wünsche man sich noch eine stärkere Sprachförderung, sagte der Wunsiedler Landrat Peter Berek (CSU). Er ist zugleich Präsident der Arbeitsgemeinschaft Euregio Egrensis in Bayern. Es gebe zwar eine Reihe von Initiativen, um schon Kita-Kindern die Sprache näher zu bringen, oft fehle es aber an einer institutionellen Förderung, die Projektfinanzierung sei zeitlich begrenzt. "Meist ist sehr großes Engagement der einzelnen Einrichtungen nötig."

Als positive Beispiele nannte Berek den einzigen deutsch-tschechischen Kindergarten in Bayern in Schirnding (Landkreis Wunsiedel), den Kinder von beiden Seiten der Grenze besuchen. Im Zuge einer Partnerschaft der Kitas in Mähring im Kreis Tirschenreuth und im tschechischen Marienbad habe es etliche gemeinsame Aktivitäten gegeben wie etwa Sprachkurse für Kinder und Eltern.

Bei einem Treffen tschechischer, österreichischer und deutscher Politiker im Oktober hatte Bayerns Europaministerin Melanie Huml (CSU) vorgeschlagen, die Sprache des Nachbarlandes bereits in Kitas und Grundschulen der Grenzregion zu verankern.

Nach Angaben des Kultusministeriums haben im vergangenen Schuljahr 440 Grundschülerinnen und -schüler eine Arbeitsgemeinschaft Tschechisch auf freiwilliger Basis besucht. Im Bereich Sprachvermittlung sei in den vergangenen Jahren "Erhebliches" geleistet worden, sagte Berek.

Das Fach werde in den verschiedenen Schularten als Arbeitsgemeinschaft beziehungsweise als Wahlfach angeboten, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums in München. Insbesondere in den Landkreisen an der Grenze zu Tschechien gebe es ein breites Angebot von der Grundschule hin bis zum Gymnasium und zu beruflichen Schulen.

Die meisten Schüler mit Interesse an der Sprache des Nachbarlandes besuchen Wahlunterricht Tschechisch. Die Realschule Wunsiedel bietet als einzige Schule ihrer Art in Bayern Tschechisch als zweite Fremdsprache an. Das geringste Interesse an Tschechisch bestehe derzeit an Gymnasien, heißt es von der Euregio Egrensis. Mit der Rückkehr zum neunstufigen Gymnasium erhoffen sich die Verantwortlichen aber auch hier wieder mehr zeitliche Spielräume für Tschechisch-Angebote.

Arbeitgeber der Region sähen die Tschechisch-Angebote an den Schulen sehr positiv, sagte Berek. Sprachkundige Mitarbeiter hätten für Unternehmen und auch für die öffentliche Verwaltung viele Vorteile. Allerdings sei der Anteil von Deutschen, die ihre Tschechisch-Kenntnisse in der Wirtschaft aktiv einsetzen, noch überschaubar. Häufig werde dann doch Englisch gesprochen - oder tschechische Muttersprachler mit Deutsch-Kenntnissen übernähmen die Kommunikation.

Und wie sieht es auf der anderen Seite der Grenze aus? In den ersten Jahren nach der Grenzöffnung 1989 sei das Fach Deutsch an den tschechischen Schulen sehr gefördert worden, schilderte Berek. Inzwischen habe Englisch als erste Fremdsprache Priorität. Deutsch werde in vielen Schulen als zweite Fremdsprache angeboten, konkurriere hier aber mit Russisch, Spanisch oder Französisch. Gerade aber in den Regionen an der deutschen Grenze hätten Deutschkenntnisse eine große Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt.

Die Arbeitsgemeinschaft Euregio Egrensis hat es sich zum Ziel gesetzt, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verbessern.

© dpa-infocom, dpa:211122-99-92279/2

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