Theater setzen auf Videoangebote und VR-Brillen

Online-Videos waren im Frühjahr während des Lockdowns für viele Theatermacher die einzige Chance, dem Publikum etwas zu bieten. Doch nun setzen einige Häuser nicht mehr nur auf kostenlose Clips.
| Von Ulf Vogler, dpa
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Das Staatstheater Augsburg.
Das Staatstheater Augsburg. © Andreas Gebert/dpa/Archivbild
Augsburg

Mit kommerziellen Videoangeboten wollen auch in Bayern einige Theaterhäuser in der Corona-Krise zusätzliche Einnahmen generieren. Das Augsburger Staatstheater will in diesem Bereich bundesweit führend sein und hat deswegen inzwischen eine eigene Mediathek im Angebot.

Kulturfreunde können einzelne Inszenierungen kaufen und sich daheim anschauen. Auch das Weihnachtskonzert der Augsburger Philharmoniker werde in diesem Jahr ausschließlich online präsentiert, teilte das Theater mit. Andere Bühnen wie die Bayerische Staatsoper in München haben ebenfalls bereits solche Video-on-Demand-Angebote.

Das Augsburger Theater hat zunächst zwei Stücke im Angebot: die Tanztheater-Uraufführung "Winterreise" sowie das Videoprojekt "Bovary, ein Fall von Schwärmerei". Beide Stücke können für 6,90 Euro gebucht werden, 48 Stunden lang steht dann ein Videostream über das Internet zur Verfügung.

Die Augsburger hatten bereits vor der Pandemie begonnen, klassische Inszenierungen mit Virtual Reality (VR) zu mischen. Dazu wurden zunächst bei der Oper "Orfeo ed Euridice" von Christoph Willibald Gluck die Realdarstellung auf der Bühne und eine virtuelle Welt, die das Publikum per VR-Brille erlebt, miteinander verwoben.

Ich der Krise hat das Theater die Erfahrung mit VR weiterentwickelt. Mittlerweile bietet die schwäbische Bühne fünf 3D-Produktionen an. Interessenten aus ganz Deutschland können sich dafür eine VR-Brille für zwei Tage nach Hause bestellen. Dies kostet inklusive Hin- und Rückversand knapp 30 Euro. Wer selbst eine VR-Brille besitzt, kann für 5,90 Euro jedes Stück ein Mal anschauen.

Die Augsburger wollen das Digitalangebot konsequent ausbauen und haben mittlerweile eine eigene Projektleiterin dafür eingestellt. "Nach dem großen Erfolg unserer digitalen Experimente im Bereich Virtual Reality wollen wir den nächsten Schritt machen und die neuen, kreativen Möglichkeiten erschließen, die uns der digitale Raum bietet", sagt Intendant André Bücker.

Auch bei der Bayerischen Staatsoper gibt es verschiedene Stücke, die man sich nach Buchung binnen 24 Stunden anschauen kann. Die einzelne Inszenierung kostet zwischen 4,90 und 14,90 Euro.

Während der Theaterschließungen durch die Corona-Pandemie hatten im Frühjahr fast alle staatlichen, kommunalen und freien Bühnen begonnen, mit Videoangeboten den Kontakt zu ihrem Publikum zu halten. Im Regelfall sind dies aber kostenlose Angebote. So bieten beispielsweise das Mainfrankentheater in Würzburg sowie das ETA Hoffmann Theater in Bamberg derzeit jeweils digitale Adventskalender mit kurzen Clips an.

Auch das Staatstheater Nürnberg hat Videos online, aktuell beispielsweise eine Weihnachtslesung. Vermarktet werden sollen die Filme aber nicht. "Derzeit gibt es am Staatstheater Nürnberg keine konkreten Pläne für zahlungspflichtige Digitalangebote", erklärt eine Sprecherin.

Mittlerweile prüfen allerdings sogar schon kleine Theaterhäuser die kommerzielle Vermarktung ihrer Stücke im Internet. So hat das auf Kinderstücke spezialisierte Theater Eukitea aus Diedorf im Landkreis Augsburg das für dieses Jahr geplante Wintermärchen "Jack und die Zauberbohnen" filmen lassen. Das Stück wird nun im Dezember und Januar zu bestimmten Terminen online gesendet. Für 14 Euro kann dafür ein Streaming-Ticket erworben werden.

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