Sicherheitswacht: Die Polizei sucht verzweifelt Helfer

100 Oberbayern engagieren sich bei der Sicherheitswacht. Welche Voraussetzungen Ehrenamtliche erfüllen müssen, warum sie keine "Sheriffs" sind und wie’s in München ausschaut.
von  Ruth Schormann
Ein Mitglied der Sicherheitswacht geht bei einem Einsatz durch München.
Ein Mitglied der Sicherheitswacht geht bei einem Einsatz durch München. © Andreas Gebert/dpa

München - Sie sehen aus wie Spaziergänger, tragen aber Armbinden und Jacken, die sie als "Sicherheitswacht" ausweisen. Was steckt dahinter? "Wandelnde Notrufsäulen", sagt die Polizei. Robert Kopp, Chef im Präsidium in Rosenheim, beantwortet die wichtigsten Fragen rund um dieses Ehrenamt, das auf Bestreben des Innenministers Joachim Herrmann (CSU) stetig ausgebaut werden soll – wenn sich Freiwillige finden.

Das ist aber gar nicht so einfach, verrät ein Polizist aus Mühldorf der AZ. Dort läuft gerade eine Bewerbungsphase zum Aufbau einer neuen Sicherheitswacht-Gruppe.

Wer kann bei der Sicherheitswacht mitmachen? Bewerben können sich laut Kopp alle Bürger zischen 18 und 62 Jahren, die sich für die Gesellschaft einsetzen wollen. Außerdem sollten die Bewerber gesundheitlich in der Lage sein, sich draußen aufzuhalten, eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung haben und etwa fünf Stunden Zeit pro Monat mitbringen.

Sicherheitswacht: So ist die Lage in München

Werden die Bewerber eingehend geprüft? Neben der Bewerbung gibt es ein persönliches Gespräch. "Möchtegern-Sheriffs" und "Freizeit-Rambos" haben "keine Chance, in die Bayerische Sicherheitswacht aufgenommen zu werden", betont der Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Kopp.

Wer ist momentan bei der Sicherheitswacht aktiv? Insgesamt sind im Freistaat 879 Ehrenamtliche bei 111 Sicherheitswachtstandorten tätig. Von ihnen sind 301 Frauen und 38 ausländische Staatsangehörige, zählt Kopp auf. Allein in München gibt es neun solcher Standorte, die an Polizeiinspektionen gekoppelt sind, mit insgesamt 56 Ehrenamtlichen. Darunter sind 24 Frauen und sechs ausländische Staatsangehörige.

Das Gesetz zur Sicherheitswacht gibt es seit fast 25 Jahren. Trotzdem rückt diese Form der Polizei-Unterstützung jetzt erst ins Blickfeld. Warum ist das so? "Immer mehr Städte und Gemeinden sind inzwischen auf das Plus an Sicherheit durch eine Sicherheitswacht aufmerksam geworden", sagt Kopp. Dabei indiziere das Vorhandensein einer Sicherheitswacht keinesfalls, dass eine Kommune unsicherer wäre. "Unsere Erfahrungen aus der Praxis belegen, dass Bürger für Bürger – in Ergänzung zu den Aufgaben und dem Einsatz der Polizei – einen bedeutsamen Mehrwert darstellen können", betont er.

Robert Kopp: Ehrenamtliche als "wandelnde Notrufsäulen"

Bieten die Helfer wirklich einen Mehrwert oder bedeutet es mehr Arbeit für die Beamten, wenn die Sicherheitswacht unterwegs ist? Sie können die Polizisten entlasten, sagt Kopp. Denn Ordnungswidrigkeiten und Konflikte könnten die Ehrenamtlichen schon im Entstehen verhindern, sodass keine Polizeistreife mehr nötig ist. Sie seien als Ansprechpartner vor Ort und damit wie "wandelnde Notrufsäulen" zu sehen.

Ist die Sicherheitswacht nötig, weil die Polizei nicht mehr genügend Personal hat? Ganz im Gegenteil: Die bayerische Polizei wurde in den letzten Jahren personell verstärkt, sagt Kopp dazu. Polizei und Sicherheitswacht stünden in keinem Wettbewerb und würden nicht miteinander aufgerechnet. Man gehe auch künftig nicht mit Bürgern "auf Verbrecherjagd".

Wozu dann überhaupt diese Unterstützung? Kopp sagt, diejenigen, die sich bei der Sicherheitswacht engagieren, seien wichtige Vorbilder. Sie übernehmen Verantwortung genau dort, "wo andere lieber ihre Ruhe haben wollen" und keine Hilfe leisten, sagt der Polizeipräsident.


Die Bewerbungsphase für die Sicherheitswachten unter anderem in Mühldorf, Waldkraiburg und Burghausen wurden teilweise verlängert, weil sich zu wenige beworben haben. Informationen zur neuen Sicherheitswacht in Mühldorf gibt es unter Tel. 08631/36730.

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