Schweinestau in Schlachthöfen: Händler bekommen Ferkel nicht mehr los

Wegen Schweinepest und Corona werden die Händler ihre Ferkel nicht mehr los. Bayerische Betriebe schlagen Alarm.
| Klaus Wiendl
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Schweinehaltung findet in deutschen Mastbetrieben meist in engen Stallungen statt - selten auf großen Wiesen. Foto: Pascal Debrunner, unsplash.com
Pascal Debrunner, unsplash.com Schweinehaltung findet in deutschen Mastbetrieben meist in engen Stallungen statt - selten auf großen Wiesen. Foto: Pascal Debrunner, unsplash.com

München - In den Schweineställen herrscht der Notstand. Die Ferkelerzeuger bekommen ihre Tiere nicht mehr los, weil von den Mastbetrieben weniger Schweine in die Schlachthöfe gelangen. Die Branche spricht von einer "katastrophalen Situation".

In bayerischen Schweineställen kommt es zunehmend zu einem "Ferkelstau". Ursache dafür ist zum einen die noch immer bei Wildschweinen in Brandenburg grassierende Afrikanische Schweinepest, weshalb der Hauptimporteur China kein deutsches Schweinefleisch mehr abnimmt. Zum anderen sind es coronabedingte Personalengpässe, vor allem in vielen norddeutschen Schlachthöfen. Da immer weniger Mastschweine geschlachtet werden, wachsen die Probleme für Ferkelgroßbetriebe.

Mäster holen 20 Prozent weniger Ferkel ab

Derzeit werden nach Angaben der Ringgemeinschaft Bayern etwa zehn bis 20 Prozent der Ferkel auf bayerischen Höfen nicht mehr vom Mäster abgeholt. Besonders fatal dabei: Während auf der einen Seite Ferkel nicht an Mastbetriebe abfließen, bekommen trächtige Muttersauen schon die nächsten Jungen. In der Folge wird es in den Ställen zunehmend eng.

Somit komme auch ein Tierschutzproblem auf die Betriebe zu, wenn kein Ventil gefunden werde und viele Ferkelbauern derzeit auf ihren Tieren sitzen bleiben, so die Gemeinschaft.

Die Preise für Schweinefleisch sind massiv gesunken

Während im vergangenen Jahr die Branche noch boomte, sind die Preise seit der Afrikanischen Schweinepest im Keller. Ein Ferkel kostet derzeit gut 30 Euro, vor Corona war der Preis fast dreimal so hoch. Gerhard Langreiter, Ferkelbauer aus Oberneukirchen im Landkreis Mühldorf am Inn, spürt die Folgen unmittelbar. "Dass der Preis so weit runtergeht, war jetzt schon überraschend. Das sorgte für Panik, weil die Ferkel nicht mehr verkauft werden können und die Schweine nicht mehr zum Schlachten kommen." Für Langreiter ein "Schockmoment". Er ist auch Vize-Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV).

"Die Situation ist mehr als katastrophal", beklagt sein Kollege, der Vorsitzende der Ringgemeinschaft Bayern, Stephan Neher. "Der Preis ist zu ruinös." Die Mastställe sind mit den täglich weiterwachsenden Schweinen überbelegt, da der Platz pro Tier nicht mehr ausreicht - ein massives Tierschutzproblem. Nach Schätzungen der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) stehen derzeit 400.000 Schweine bundesweit in der Warteschlange - wöchentlich kommen bis zu 90.000 dazu.

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Um den überquellenden Markt zu entlasten, fordert BBV-Präsident Walter Heidl eine Flexibilisierung der Schlachtwirtschaft hierzulande. Die Staatsregierung solle auch an Wochenenden das Schlachten von Schweinen zulassen. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind derartige Ausnahmegenehmigungen bereits erteilt worden.

Bayern will die Schlachtzeiten nicht ausweiten

Das zuständige bayerische Arbeitsministerium teilt auf AZ-Anfrage mit, dass "rein wirtschaftliche Interessen" eine Ausweitung der Schlachtzeiten "nicht begründen" würden. Es müsse erst "ein dringendes, öffentliches Interesse" vorliegen.

Im Vordergrund stehe der Schutz der Arbeitnehmer. "Den zuständigen Gewerbeaufsichtsämtern liegen bislang keine Anträge auf Verlängerung von Schlachtzeiten vor."

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