Schulstart in Bayern: Luftiger Lernen - nicht überall

Zum Schulstart gibt es an manchen Schulen mobile Luftfilter. Der Lehrerverband fürchtet, das könnte eine falsche Sicherheit suggerieren.
von  Christina Hertel
Bayernweit gibt es laut Kultusministerium rund 74.000 Schulklassen. Eine exakte Zahl der Klassenzimmer und Fachräume liegt nicht vor, sie dürfte aber höher sein. (Symbolbild)
Bayernweit gibt es laut Kultusministerium rund 74.000 Schulklassen. Eine exakte Zahl der Klassenzimmer und Fachräume liegt nicht vor, sie dürfte aber höher sein. (Symbolbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa

München - Erst, wenn die rund 160.000 Schüler schon eine Woche lang miteinander im Klassenzimmer gesessen haben werden, werden die ersten Klassen mit mobilen Luftfiltern ausgestattet sein. So teilt es das Schulreferat auf eine Anfrage der AZ mit.

Der Stadtrat hatte bereits Ende Juli beschlossen, für alle Unterrichtsräume von der ersten bis zur sechsten Klasse mobile Luftfilter zu kaufen: insgesamt 6.200 Geräte im Wert von rund 21,7 Millionen Euro. Die Stadt muss mit diesem Geld in Vorleistung gehen, der Freistaat übernimmt später die Hälfte der Kosten pro Gerät. Am Unterhalt und am Strom beteiligt er sich allerdings nicht.

Bis alle Räume eine Anlage haben, kann es  noch Wochen dauern

Die ersten Klassenzimmer werden zwar wohl im Lauf der ersten Schulwoche mit Filteranlagen ausgestattet. Bis alle Räume eine Anlage haben, kann es aber noch Wochen dauern. Ziel sei laut Schulamt, dass die restlichen Unterrichtsräume im Lauf des vierten Quartals, also irgendwann zwischen Oktober und Dezember, einen Luftfilter haben.

Zunächst erhalten nur Schüler bis zur sechsten Klasse solche Geräte. Alle anderen werden in einem "zweiten Schritt" betrachtet. Denn eigentlich würde die Stadt gerne die Klassenzimmer nicht kurzfristig mit mobilen Geräten ausstatten, sondern in die Räume feste Anlagen installieren.

Auch der Vorsitzende des Münchner Lehrerinnen und Lehrerverbands Michael Schmid hält das für die bessere Lösung, als viel Geld in mobile Geräte zu stecken.

Denn die seien meistens viel zu laut, sagt Schmid. Er geht davon aus, dass die Lehrer sie abschalten oder herunterdrehen müssen, um sich verständlich zu machen. "Doch dann sind die Kinder nicht geschützt." Die mobilen Anlagen wiegen Schüler und Lehrer aus seiner Sicht deshalb in falscher Sicherheit.

"Es werden viele Berufsfremde eingestellt"

Auch sonst blickt Schmid mit Sorge auf das neue Schuljahr. Zwar teilte das staatliche Schulamt mit, dass alle Münchner Grund- und Mittelschulen genügend Lehrer haben. Allerdings werde zu viel auf die Quantität und zu wenig auf die Qualität geachtet, sagt Schmid. "Es werden viele Berufsfremde eingestellt." Er weiß von Lehramtsstudenten aus dem ersten Semester und Agrartechnikern, die in München im Klassenzimmer stehen.

Verantwortlich sei dafür nicht die Stadt München. Die Regierung von Oberbayern stellt die Lehrer ein. An welcher Schule sie in München am Ende jedoch landen, sei oft bis zum Ferienende unklar. Manchmal würden Lehrer noch nach der ersten Konferenz an eine andere Schule gesandt, schildert Schmid.

In München könnte es eine neue Schule sein. Denn am 14. September gehen sechs ganz neue Schulen in Betrieb. Etwa die Grundschule Emmy-Noether-Straße, die Realschule Aschauer Straße und die Grundschule von-der-Pfordten-Straße.