Waldidylle am Sudelfeld: Rodung wider Willen?

Karg sieht es auf zehn Hektar am Sudelfeld aus. Der Umweltminister ist über den Kahlschlag entsetzt. Doch welche Strafen drohen?
von  Klaus Wiendl
Einst standen hier zahlreiche Bäume, nun ähnelt es mehr einer Mondlandschaft oder einem Truppenübungsplatz.
Einst standen hier zahlreiche Bäume, nun ähnelt es mehr einer Mondlandschaft oder einem Truppenübungsplatz. © Martin Adamczyk/Donaukurier

Die Bäume westlich vom Brünnstein sind verschwunden, der Berg gleicht einem Truppenübungsplatz. Die Bestürzung in einem der beliebtesten Wandergebiete südlich von Rosenheim ist groß, denn der von Felsblöcken durchsetzte Lärchenwald hinter der Seeon-Alm auf 1.400 Metern Höhe ist für immer Vergangenheit. Plattgemacht in rabiaten Fällaktionen.

Öffentlich wurde der Baumfrevel im Landschaftsschutzgebiet durch Wanderer im November 2019. Sie waren entsetzt. "Das einst so idyllische Hochtal gleicht nun einer Mondlandschaft."

Von dem einstigen Lärchenwald auf 1.400 Metern Höhe sind nur Holzstapel geblieben.
Von dem einstigen Lärchenwald auf 1.400 Metern Höhe sind nur Holzstapel geblieben. © Martin Adamczyk/Donaukurier

Auch Förster sind bestürzt. "Wenn man das sieht, blutet einem das Herz", so Marius Benner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim. Selbst Umweltminister Glauber (Freie Wähler) beklagt den "schweren Eingriff" in einen sehr sensiblen und schutzwürdigen Naturraum. Lärchenwälder dieser Art seien einzigartig. Was die Urgroßväter laut Benner gepflanzt hätten, rodeten nun die Urenkel.

Genauer: die Waldbesitzer an der Seeonalm, ein Kleinunternehmer aus der Region und Rolf Sachs, Sohn des Industrieerben und Fotografen Gunter Sachs. Die Familie Sachs betreibt seit Jahren dort ein Jagdrevier mit etlichen Almen.

Nicht jede Fläche, auf der Bäume stehen, ist dem Gesetz nach Wald

Wurden die Behörden reingelegt? Nach ersten Hinweisen über kleinteilige Baumfällungen 2016 suchten Landratsamt und Forstamt Gespräche mit den Eigentümern. Diese seien auf eine "moderate Auflichtung" hingewiesen worden.

Ein Jahr später sahen Mitarbeiter noch keine Anzeichen für weitere Fällungen. Erst im Herbst 2018 bekamen die Behörden Wind vom "großflächigen" Kahlschlag. Zwar wurden die Fällungen "in diesem Umfang als problematisch eingeschätzt", doch die Rechtslage sei komplex. Denn nicht jede Fläche, auf der Bäume stehen, ist auch Wald im Sinne des Gesetzes.

Am Brünnstein handelt es sich wegen der Almen größtenteils um landwirtschaftliche Flächen. Da diese wegen ihrer Artenvielfalt als besonders schutzwürdig angesehen werden, gibt es dafür sogar eine Förderung: 900 Euro pro Hektar, wenn der Eigentümer die Fläche von Bäumen oder Büschen frei hält.

Ledigliche ine Tafel (kl. Bild) erinnert noch an das Landschaftsschutzgebiet.
Ledigliche ine Tafel (kl. Bild) erinnert noch an das Landschaftsschutzgebiet. © Martin Adamczyk/Donaukurier

Rolf Sachs beteuert, er habe davon nichts gewusst

"Dort liegt der Hund begraben", beklagt Hans Urban, forstpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Immerhin erfuhr er nun auf Anfrage von der Staatsregierung, dass knapp vier der gut zehn Hektar wieder aufgeforstet werden müssen. Und zwar innerhalb von drei Jahren. Denn weder Kahlschlag noch Rodung seien dort je genehmigt worden.

Die Kosten der Aufforstung schätzen Forstleute auf 5.000 bis 10.000 Euro pro Hektar. Geprüft werde noch, so das Landratsamt Rosenheim, ob die Waldbesitzer eine Ordnungswidrigkeit begangen haben. Eine Straftat sah die Staatsanwaltschaft jedenfalls nicht. Die Ermittlungen seien "aus Rechtsgründen eingestellt worden". Rolf Sachs beteuert, von dem Kahlschlag auf seinem Grund nichts gewusst zu haben. "Ich hätte ihn auch nie genehmigt."

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