Polt kritisiert Begriff "systemrelevant": Sorge um Kultur

Der Kabarettist Gerhard Polt kritisiert die Einstufung bestimmter Branchen als systemrelevant. "Ich persönlich finde es ganz schlimm, dass von höchsten politischen Stellen von Systemrelevanz gesprochen wird. Bestimmte Leute kriegen in diesen schweren Zeiten ihr Geld und andere - vor allem Künstler - schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge", sagte Polt der Deutschen Presse-Agentur in München anlässlich des 40-jährigen Zusammenwirkens mit Brüdern der Musiker-Großfamilie Well. "Das wäre zum Beispiel ein Grund, wieder auf die Straße zu gehen."
| dpa
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Kabarettist Gerhard Polt sitzt beim Presse Lunch des FilmFernsehFonds (FFF) Bayern.
Kabarettist Gerhard Polt sitzt beim Presse Lunch des FilmFernsehFonds (FFF) Bayern. © Ursula Düren/dpa/Archivbild
München

Es treffe die Kulturbranche hart: "Ob das Kollegen sind oder Beleuchter oder Tontechniker - die derbröselt es alle." Die Lufthansa bekomme Milliarden - während Kulturschaffende ihre Miete nicht mehr zahlen könnten. Dabei sei der Kulturbereich mit seinen zahlreichen Beschäftigten praktisch der sechstgrößte Arbeitgeber in Deutschland.

"In einen Flieger darf man steigen - aber ins Theater darf man nicht", kritisierte auch Christoph ("Stofferl") Well. Die Regeln seien auf Bühnen strikter als im Luftverkehr und machten für viele Freischaffende den Auftritt unrentabel. "Wir haben praktisch Berufsverbot", sagte Well. Nach Corona werde die Kulturwelt wahrscheinlich anders aussehen, viele Künstler und Veranstalter müssten aufgeben. "Bestimmt ein Viertel bis ein Drittel der bisherigen Veranstaltungen wird es nicht mehr geben."

Polt und die Well-Brüder - früher als "Biermösl Blosn" - treten seit 1980 zusammen auf. Zum Jubiläum erschien gerade eine CD, am 11. Oktober starten sie zu viert zu einer Tournee. Gemeinsam hatten sie früher den Protest gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf und gegen die Autobahn durch das Isental unterstützt. Wackersdorf wurde nicht gebaut - die Isentalautobahn wurde vor knapp einem Jahr eröffnet. "Fast alles, gegen das wir protestiert haben, ist entstanden", bilanziert Polt. Allerdings reiche es der CSU nicht mehr zur Alleinregierung, sagt Well. Das schreibe er "freilich" der jahrzehntelangen gemeinsamen CSU-kritischen Arbeit zu.

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