Pädagogik-Professor kritisiert Einsatz von Quereinsteigern

Das Vorgehen des Kultusministeriums, auch nicht als Lehrer ausgebildete Quereinsteiger an bayerischen Mittelschulen unterrichten zu lassen, hat scharfe Kritik ausgelöst. Mit Blick auf Ressortchef Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte der Pädagogik-Professor Norbert Seibert der "Passauer Neuen Presse" (Freitag): "Wenn der Minister jetzt wegen Lehrermangels Quereinsteiger einstellt und diese kein Lehramtsstudium mehr benötigen, werden die Schülerinnen und Schüler ihr blaues Wunder erleben."
| dpa
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Schwamm und Kreide liegen in einem Klassenraum unter einer Tafel.
Schwamm und Kreide liegen in einem Klassenraum unter einer Tafel. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild
Passau/München

"Man ist kein Lehrer, wenn man ein Master- oder Magisterstudium in der Fächern Deutsch, Deutsch als Fremdsprache, Englisch, Informatik, Biologie, Physik, Chemie oder Mathematik mit der Note mindestens 3,5 absolviert hat", sagte Seibert, der an der Universität Passau den Lehrstuhl für Schulpädagogik innehat. Diese Qualifikation ist laut Ministerium die Voraussetzung für den Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Mittelschulen. Es konnte nach eigenen Angaben rund 50 Nicht-Pädagogen für die "Sondermaßnahme" gegen den Lehrermangel gewinnen, die seit diesem Schuljahr unterrichten dürfen.

Um als Lehrerin oder Lehrer zu arbeiten, sei ein Studium mit Inhalten aus den Erziehungswissenschaften, Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und schulpraktischen Studien "dringend erforderlich", sagte Seibert der Zeitung. Ein gemeinsamer Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Lehrerausbildung vom 16. Mai 2019, dem auch der Minister zugestimmt habe, betone die Bedeutung dieser Standards.

Zur Abschaffung der Sabbatjahre gegen den Lehrermangel bemerkte der Professor der Zeitung zufolge, "diese Maßnahme sei ein weiterer Beweis, dass der Kultusminister keine Ahnung von den psychischen Belastungen unserer Lehrkräfte habe". "Er treibt sie mit dieser Entscheidung in den Burnout." Wenn er obendrein Quereinsteiger ohne Lehramtsstudium in den Schuldienst hole, "verschärfe er die Problematik nachhaltig, denn Lehrer und Lehrerinnen seien nicht ungeeignet, weil sie fachlich nicht kompetent sind, sondern weil sie pädagogisch und psychologisch keine oder eine zu geringe Ausbildung hätten".

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