Nachrichtendienste wussten wenig über Wirecard

Die deutschen Nachrichtendienste hatten nach Erkenntnissen des Wirecard-Ausschusses im Bundestag wenig Informationen über den in einen Bilanzskandal verstrickten früheren Dax-Konzern. "Es ist überraschend, wie wenig unsere Nachrichtendienste über Wirecard wussten", sagte der SPD-Finanzpolitiker Jens Zimmermann am Donnerstag am Rande einer Ausschusssitzung. Zuvor hatte Sonderermittler Wolfgang Wieland dem Ausschuss in geheimer Sitzung über seine Erkenntnisse berichtet. Es gebe keine belastenden Informationen, dass deutsche Nachrichtendienste irgendwie mit Wirecard kooperiert hätten, sagte Zimmermann.
| dpa
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Der frühere Geheimdienstbeauftragte der Bundesregierung Klaus-Dieter Fritsche wartet.
Der frühere Geheimdienstbeauftragte der Bundesregierung Klaus-Dieter Fritsche wartet. © Kay Nietfeld/dpa
Berlin

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar berichtete, die Informationen der deutschen Dienste über Wirecard seien weitestgehend "unüberprüfte Hinweise von befreundeten Nachrichtendiensten" gewesen. Es stelle sich die Frage, ob die deutschen Nachrichtendienste überhaupt so gut arbeiteten, wie man es eigentlich erwarten würde.

Unter anderem gebe es im Zusammenhang mit dem Fall Wirecard Hinweise darauf, dass österreichische Nachrichtendienste Quellen in Deutschland geführt hätten. "Will da im Kanzleramt nicht vielleicht mal jemand zum Telefon greifen und in Österreich anrufen und fragen, was da eigentlich los ist?", fragte Zimmermann.

Der Ausschuss wollte am Donnerstag auch zwei frühere Geheimdienstkoordinatoren der Bundesregierung anhören, die Kontakt zu Wirecard hatten. Der ehemalige Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche bestätigte, er sei als Lobbyist für Wirecard tätig gewesen, weil das Unternehmen seine Kontakte zur Bundesregierung verbessern wollte. Er habe damals auf die Arbeit der Finanzaufsicht Bafin vertraut und keinen Grund gesehen, sich bei Wirecard nicht zu engagieren.

© dpa-infocom, dpa:210415-99-219474/2

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