"N wie Nürnberg": Städte begrüßen Buchstabier-Entwurf

Ist bald Schluss mit "C wie Cäsar"? Eine neue DIN-Norm könnte vier bayerische Städte zu Buchstabier-Prominenz verhelfen und die Ortsnamen in aller Munde bringen. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen.
| dpa
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Blick in südliche Richtung über die Altstadt von Nürnberg.
Blick in südliche Richtung über die Altstadt von Nürnberg. © Daniel Karmann/dpa/Archivbild
München

"Augsburg" statt "Albert" und "Regensburg" statt "Richard"? Vier bayerische Städte können sich über die mögliche Aufnahme ihres Namens ins Buchstabier-Alphabet der Verwaltung freuen. "Denn dann ist der Name unserer Stadt in aller Munde", sagte ein Sprecher der Stadt Nürnberg. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet an einer neuen Fassung der Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung mit Orts- statt Vornamen. Neben Nürnberg sind in einem Entwurf auch Augsburg, München und Regensburg eingeplant.

Die DIN 5009 regelt, mit welchen Worten beim Diktieren Buchstaben verdeutlicht werden. Sie wird vor allem in Wirtschaft und Verwaltung genutzt. Rettungsdienste, Polizei oder Luftfahrt sind nicht betroffen. Verpflichtend ist die Nutzung nicht, sie kommt aber in Ausbildung und Lehrbüchern vor. Bislang werden vor allem Vornamen ("C wie Cäsar", "E wie Emil") genutzt - und zwar 16 Männer- und nur sechs Frauennamen. "Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität", teilte das Institut mit. Es sei nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen und dann auch noch geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen seien ein guter Kompromiss.

Dabei setzt man vor allem auf Orte, die ein Autokennzeichen mit einem Buchstaben haben. Diesen "pragmatischen Vorschlag" unterstütze man, sagte Münchens Bürgermeisterin Katrin Habenschaden. "M wie München" oder "N wie Nürnberg" sei bereits fest im allgemeinen Sprachgebrauch verankert. Außerdem könnte es künftig "A wie Augsburg" oder "R wie Regensburg" heißen. "Die DIN 5009 wird gerade überarbeitet - und wir sind mit dabei", sagte Regensburgs Zweite Bürgermeisterin Astrid Freudenstein der "Mittelbayerischen Zeitung".

Laut dem DIN wurde in dem Entwurf versucht, westdeutsche und ostdeutsche Bundesländer ausgeglichen auszuwählen. Etwa ein Drittel der 26 Städte ist im Osten. Spitzenreiter mit sieben Städten - etwa Wuppertal und Xanten - ist Nordrhein-Westfalen, dahinter folgt Bayern. Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt gehen nach derzeitigem Stand leer aus. Bei "Eszett" und "Ypsilon" bleibt es bei der einfachen Bezeichnung der Buchstaben. Die Umlaute heißen nicht mehr "Ärger", "Ökonom" und "Übermut", sondern Umlaut-A, Umlaut-O und Umlaut-U.

Das DIN arbeitet schon seit vergangenem Herbst an den neuen Diktierregeln. Ausgelöst hat die Reform Michael Blume, Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter. Ihn stört, dass in der aktuellen Tafel noch immer Relikte aus der Zeit der Nationalsozialisten stecken. Die hatten 1934 alle jüdischen Namen entfernt: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried. Zwar wurde die Tafel nach 1945 einige Male überarbeitet. Doch Nathan blieb draußen, Nordpol drin - jetzt könnte daraus Nürnberg werden. Die Stadt teilte mit, dieser historische Kontext sei wichtig für die Stadt. Gerade aus der Geschichte der Stadt heraus und aus dem Anspruch als Stadt des Friedens und der Menschenrechte begrüße man den Vorstoß.

Die Ende Juli vorgestellte Fassung mit den Ortsnamen ist ein Entwurf, Interessierte können sich noch mit Ideen und Kommentaren an die Behörde wenden. Die endgültige Fassung wird Mitte 2022 erwartet.

© dpa-infocom, dpa:210816-99-854624/2

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