Missbrauch in katholischer Kirche Mecklenburgs: Erstes Fazit

| dpa
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Schwerin

Im Zuge der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder in der katholischen Kirche Mecklenburgs haben Forscherinnen ein vorläufiges Fazit gezogen. "Die Missbrauchsfälle, die bislang anhand der Akten und Interviews dargelegt werden können, machen einen sprachlos", wird Manuela Dudeck am Dienstag in einer Mitteilung des bayerischen Bezirkskrankenhauses (BKH) Günzburg zitiert. Dudeck ist dort Ärztliche Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie und leitet den entsprechenden Lehrstuhl der Universität Ulm, der mit der Untersuchung beauftragt wurde.

Das Erzbistum Hamburg, zu dem Mecklenburg gehört, habe nach einer Ausschreibung Anfang 2020 mit dem Ulmer Lehrstuhl einen Vertrag über das Forschungsprojekt geschlossen. Die Untersuchung konzentriere sich auf die Region Mecklenburg und den Zeitraum von 1946 bis 1989. Rückmeldungen über eine bundesweite Hotline für Opfer sexuellen Missbrauchs hatten demnach ergeben, dass Mecklenburg besonders betroffen war. Man sei zunächst von 54 Opfern ausgegangen. Nach ersten Recherchen seien es wohl doch weniger, unter anderem weil sich nicht jeder Fall bestätigt habe, erklärte ein BKH-Sprecher. Wie viele konnte er nicht sagen.

Das Projektteam hat laut der Mitteilung bisher mehrere Interviews unter anderem mit Betroffenen geführt. Laut einer Mitteilung des Erzbistums Hamburg ließ die Durchsicht von mehr als 1000 Akten auf 16 geistliche Täter schließen. "Insgesamt seien den interviewten Betroffenen drei bereits verstorbene Täter zuzuordnen. Die Tathergänge seien in weiten Teilen ähnlich geschildert worden und zeigten inhaltlich große Überschneidungen."

Laut Dudeck haben alle Betroffenen mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen. Die meisten hätten es nur durch ihre Familie und ihren Beruf geschafft, Halt im Leben zu finden, heißt es in der Mitteilung des BKH Günzburg. "Die Menschen waren so unglaublich dankbar, dass sie mit uns sprechen konnten. Sie haben zum Teil schlimmste Dinge geschildert." Alle Betroffenen seien heute alt, die Aufarbeitung komme 40 Jahre zu spät. Interessant sei, dass die Opfer aus Mecklenburg, mit denen das Forscherteam gesprochen habe, nicht aus der Kirche ausgetreten seien. "Sie sind gläubig. Offenbar konnten sie das eine vom anderen trennen", wird die aus Rostock stammende Wissenschaftlerin zitiert.

Wegen der Corona-Pandemie und einer Ausweitung des Forschungsauftrages wurde das Projekt bis Ende Februar 2023 verlängert. Ende 2021 legte das Projektteam einen vorläufigen Tätigkeitsbericht vor.

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