Mieter entdeckt verweste Babyleiche in Wohnung

In einem abgelegenen ehemaligen Bauernhaus findet ein Bewohner in der Rumpelkammer die zum Päckchen verschnürte Babyleiche – der Richter lässt die Mutter gegen Auflagen wieder frei.
von  Abendzeitung
Illustration
Illustration © dpa

BAD GRIESBACH - In einem abgelegenen ehemaligen Bauernhaus findet ein Bewohner in der Rumpelkammer die zum Päckchen verschnürte Babyleiche – der Richter lässt die Mutter gegen Auflagen wieder frei.

Was muss in dieser Frau vorgegangen sein? Eine 22-Jährige, die bereits Mutter eines kleinen Buben ist, brachte im Mai in aller Heimlichkeit ein zweites Baby auf die Welt. Dann schlug sie – das gestand sie später der Polizei – mit dem Griff einer Kombizange auf den Kopf des Säuglings ein. Das tote Baby versteckte sie in einem Haus, in dem sie zuvor mit ihrer Familie gewohnt hatte. Ein Nachbar fand die Babyleiche. Sie war zusammen mit einem Teddy zu einem Päckchen zusammengeschnürt.

Es war der bestialische Gestank, der einen 61-jährigen Bewohner in dem abgelegenen Mehrfamilienhaus alarmierte. Er vermutete, dass sich ein Tier verirrt hatte und im Haus verendet war. Doch dann fand er in der Rumpelkammer unter einer Matratze das stinkende Päckchen. Er übergab es ungeöffnet der Polizei. Den Beamten stockte der Atem, als sie es öffneten.

Die 22-Jährige hatte mit ihrem Lebensgefährten und dem gemeinsamen kleinen Sohn bis März oder April 2010 in dem Haus gewohnt. Dann ging das Paar getrennte Wege. Die Frau zog mit ihrem Sohn in den südlichen Landkreis Passau.

In dieser neuen Wohnung brachte sie Mitte Mai ihr zweites Baby zur Welt – so berichtete sie es später der Polizei. Ihre Schwangerschaft hatte sie die ganze Zeit geheim gehalten. Sie trug weite Kleidung, verbarg ihren Bauch. Helmut Walch, Chef der Staatsanwaltschaft Passau: „In den letzten Wochen zog sie sich völlig zurück. Der Vater hat glaubhaft nichts mitbekommen.“

Nach dem Tod des Babys wickelte die Mutter den Leichnam mit dem Teddy in ein Päckchen und brachte es zu dem Haus. Walch: „Sie wollte es später in der Nähe begraben.“ Doch dann fand der 61-Jährige das Päckchen.

Bei der Polizei behauptete die Mutter zunächst, das Baby sei bereits bei der Geburt tot gewesen. Aber auf die Kopfverletzungen angesprochen, gestand sie, dass sie mit einer Zange auf das Neugeborene eingeschlagen hatte. Am Freitag erging gegen die Mutter Haftbefehl wegen Totschlags, der aber unter Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde. Helmut Walch: „Ein Grund ist, dass sie noch ein zweites kleines Kind hat, um das sie sich kümmern muss.“

Nina Job