Marx Rücktrittsgesuch: Opferinitiative kritisiert Papst

Mit der Ablehnung des Rücktrittsgesuchs von Kardinal Reinhard Marx will Papst Franziskus nach Ansicht des Vereins "Eckiger Tisch" auch sich selbst schützen. "Marx zielte mit seiner Erklärung auf die Verantwortung aller Bischöfe, auch die des Bischofs von Rom, für das System aus Missbrauch und Vertuschung, das die Katholische Kirche weltweit prägt", teilte der Verein am Donnerstag mit. Der "Eckige Tisch" vertritt die Interessen von Betroffenen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen speziell im Kontext der Katholischen Kirche.
von  dpa
Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising.
Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising. © Matthias Balk/dpa

Franziskus moderiere diese erschütternde Einsicht jetzt einfach weg und entlaste damit auch sein eigenes Amt, hieß es weiter. Die Opfer-Vertreter kritisierten zudem, dass Franziskus die Verantwortung der Bischöfe an Machtmissbrauch und Vertuschung von Missbrauch relativiere. Sie forderten, dass Franziskus den Betroffenen wirklich zuhöre. Von dem radikalen Neuanfang, den das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx andeutete, sei durch die Entscheidung des Oberhaupts der katholischen Kirche jetzt wenig geblieben.

Der Heilige Stuhl veröffentliche am Donnerstag ein Schreiben von Papst Franziskus an Kardinal Marx. Darin forderte der Pontifex den Bischof von München und Freising auf, weiterzumachen. Marx hatte in der vergangenen Woche einen Brief veröffentlicht, in dem er Franziskus seinen Rücktritt anbot. Marx' Entscheidung fiel unter anderem infolge von Missbrauchsfällen in dem Bistum.

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