Mainfähren gefährdet: Unesco-Kulturerbe als letzte Chance?

In unterfränkischen Orten sind sie nicht nur Tradition, sondern gehören zum öffentlichen Verkehrsnetz: die Mainfähren. Doch wegen einer Vorschrift droht den geschichtsträchtigen Schiffen das Aus.
von  dpa

Für Touristen sind sie eine Attraktion, für Anwohner ein wichtiges Verkehrsmittel: die Fähren auf dem Main. Eine bundesweite Vorschrift, die ab 2030 gelten soll, könnte das Aus für diese Transportmittel bedeuten. Damit die Tradition nicht verlorengeht, wollen Fährorte die Mainfähren in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Unesco aufnehmen lassen.

"Hier würde eine Technik und ein Wissen aus vielen Jahren in Vergessenheit geraten. Dies gilt es zu erhalten und für die Zukunft auch zu sichern", sagte Sibylle Säger, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Nordheim am Main (CSU/Freie Bürger). Sie ist Mitglied der Interessensgemeinschaft "IG Mainfähre", die den Antrag noch in diesem Jahr bei der Unesco einreichen will.

Ab 2030 gelten laut bundesweiter Binnenschiffsuntersuchungsordnung neue Vorschriften für Fährschiffe. "Dann ist ein wasserdichtes Fährdeck Pflicht. Der Rumpf muss wie eine Zigarrenkiste geschlossen sein und in wasserdichte Abteilungen unterteilt werden", erklärte Dieter Urmann, Sachverständiger für Binnenschifffahrt.

Einige Mainfähren müssten demnach umgebaut oder ersetzt werden. "Die Kosten wären in Millionenhöhe für eine Kommune", sagte Säger. Werden die Fähren nicht technisch, sicherheitstechnisch und ökologisch auf den neuesten Stand gebracht, drohen die Betriebsgenehmigungen auszulaufen.

Durch die Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Unesco hoffe man, leichter Förderungen für einen Neubau, Ersatz oder Umbau zu erhalten - und somit die Tradition und das Kulturgut zu bewahren.

In Unterfranken gibt es der Regierung zufolge noch sechs kommunal betriebene Mainfähren. Mancherorts schippern diese seit fast 100 Jahren über den Fluss. In der Region werden sie als "fahrende Brücken" bezeichnet, die Gemeinden und Landkreise miteinander verbinden.

Anwohner und Pendler nutzen die kleinen Schiffe, um auf die andere Flussseite zu gelangen - zum Arzt, Apotheker oder Arbeitsplatz. Landwirte haben so kurze Verbindungswege zu den Flächen auf der anderen Uferseite. Für Touristen ist die Fahrt vorbei an Weinbergen und Winzerdörfern eine Attraktion. 

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