Siebenschläfer kapern Hornissenkasten

Es ist eine illegale Wohnungsübernahme: Wie sich die Tiere im Landshuter Auwald eingenistet haben.
von  Claudia Hagn
Haben den Hornissenkasten besetzt: die Siebenschläfer.
Haben den Hornissenkasten besetzt: die Siebenschläfer. © Franz Schratzenstaller

Landshut - Franz Schratzenstaller ist Hornissen-Beauftragter und holt die Insekten ab, wenn Bewohner Bedenken gegen sie haben. Dann kommt Schratzenstaller, hat einen großen hölzernen Hornissen-Kasten mit Einflugloch dabei und sichert das Nest. Genau das hat er auch in Adlkofen gemacht - aus einem Rollokasten musste er ein Hornissennest herausbauen, es in einem hölzernen Kasten zwischensichern und dann mitnehmen.

Den Kasten stellte Schratzenstaller anschließend in den Auwald an eine Stelle unter Büsche und Bäume. Dort sollten die Hornissen bleiben, bis sie wegen der kühleren Temperaturen im Herbst sterben. "Nur die Königin überlebt den Winter", erklärt Schratzenstaller.

Ein Siebenschläfer im Hornissenkasten.
Ein Siebenschläfer im Hornissenkasten. © Franz Schratzenstaller

Er sieht manchmal noch nach den Hornissen, ob es ihnen gut geht - so machte er es auch in diesem Fall. Doch als er vergangene Woche zu seinem Nistkasten schaute, bemerkte er: Da flog kein Insekt mehr. "Also habe ich nachgeforscht", erinnert sich Schratzenstaller. Was er statt der Hornissen in seinem Auswilderungskasten fand? Siebenschläfer. Fünf Stück, wahrscheinlich eine Mutter mit ihren vier Jungen. Sie haben sich den Hornissenkasten mit seiner Auspolsterung und den einzelnen Latten auf den Seiten als ideales Plätzchen ausgesucht, um offenbar bis zum Winterschlaf ihre Zeit im Auwald zu verbringen. Die Hornissen sind indes verschwunden. Der Siebenschläfer, oder auch wissenschaftlich "glis glis" genannt, ist in Wäldern in fast ganz Europa bis Kleinasien heimisch.

Die Größe der Population ist unbekannt

In Landshut ist er selten, so richtig bekannt ist über seine Verbreitung in der heimischen Gegend wenig. Wie groß die Population ist, ist unbekannt, so Naturexperte Philipp Herrmann. Zwar schaut der Siebenschläfer ein bisschen aus wie ein Eichhörnchen, ist aber deutlich kleiner. Er sitzt gern in Laubwäldern und großen Gärten und sucht sich bevorzugt Baumlöcher, Vogelhäuschen aber auch Dachböden zum Überwintern aus. Für mindestens sieben Monate geht er nämlich ab Ende September/Anfang Oktober in den Winterschlaf; die kürzer werdenden Tage sind das Zeichen für ihn, sich einzumummeln. Am liebsten lebt er laut Bund Naturschutz in kleinen Familientrupps.

Die Körpertemperatur des Bilchs fällt dabei im Winter bis knapp über null Grad Celsius ab, die Atmung reduziert sich auf ein bis zwei Atemzüge pro Minute, die Herzschlagfrequenz sinkt von 300 auf fünf Schläge pro Minute. Der Schlaf wird aber immer wieder für kurze Aufwach- und Aufwärmphasen unterbrochen. Die Langschläfer verlieren während des Winterschlafs fast die Hälfte ihres Gewichts und erwachen bei Temperaturen über zwanzig Grad recht abgemagert im Monat Mai.

Haben den Hornissenkasten besetzt: die Siebenschläfer.
Haben den Hornissenkasten besetzt: die Siebenschläfer. © Franz Schratzenstaller

Mancher Landshuter könnte auch einen Siebenschläfer bei sich im Dachboden entdeckt haben - und denken, die Tiere seien Schädlinge. Im schlimmsten Fall werden Schläfer getötet, was aber ein Verstoß gegen Tier- und Artenschutzregeln ist.

Der Hornissenkasten bleibt im Auwald stehen

Wer bei sich einen Siebenschläfer findet und ihn nicht mehr im Haus haben will, sollte sich unbedingt an einen Naturschutzverband wenden. In Landshut ist das möglich beim Bund Naturschutz unter bnkgla@landshut.org, gerne sichtet der BN auch Fotos der Siebenschläfer.

Momentan läuft sowieso ein großes Projekt, um die Bestände der kleinen Verwandten der Siebenschläfer - die Gartenschläfer - wieder aufzuspüren. Deren Bestände sind stark zurückgegangen, die Tiere erkennt man an ihrer "schwarzen Maske" rund um die Augen.

Ein Siebenschläfer im Hornissenkasten.
Ein Siebenschläfer im Hornissenkasten. © Franz Schratzenstaller

Nach dem Winterschlaf können die Tiere normalerweise mit einer Lebendfalle angelockt und dann ausgewildert werden. Der Hornissenkasten mit den Siebenschläfern bleibt jetzt übrigens im Auwald stehen. Schratzenstaller überlässt ihn den Bilchen als Übergangswohnung für den kommenden Winter.