Nummer gegen Kummer: EBW richtet Sorgentelefon ein

Das Evangelische Bildungswerk bietet einen ganzen Monat lang eine Hotline, bei der Menschen anrufen können - zu jedem Thema, das sie bewegt
von  Claudia Hagn
Sie stecken hinter der Aktion (v.l.): Bernd Heinze, Annette Homp vom Hospizverein, Maria Müller vom EBW und Kunibert Herzing, 1. Vorsitzender des Hospizvereins.
Sie stecken hinter der Aktion (v.l.): Bernd Heinze, Annette Homp vom Hospizverein, Maria Müller vom EBW und Kunibert Herzing, 1. Vorsitzender des Hospizvereins. © Christine Vinçon

Landshut - Seit rund 30 Jahren treffen sich beim Evangelischen Bildungswerk am Heiligabend um die 15 Menschen, um Weihnachten zu feiern. Sie wären auch dieses Jahr sicher wieder ins Gemeindehaus am Gutenbergweg gekommen, um den Abend nicht allein verbringen zu müssen. Doch dieses Jahr muss das Treffen coronabedingt ausfallen.

Deshalb hat sich das EBW überlegt: Wir können nicht persönlich die Menschen begleiten in der Weihnachtszeit - aber telefonisch geht das. Unter der Telefonnummer 0871/4048156 gibt es ab dem 6. Dezember einen Monat lang eine Telefonhotline, bei der sich jeder melden kann. Jeder, der reden will, über was auch immer, täglich von 16 bis 22 Uhr.

Unterhalten kann man sich über fast jedes Thema

"Wir wollten die Möglichkeit schaffen, dass Menschen sich zu ganz normalen Themen austauschen können", sagt Bernd Heinze, Geschäftsführer beim EBW. Man kann sich über Meerschweinchen unterhalten, über Weihnachten, über das letzte Mittagessen - aber auch über persönliche Probleme, über Einsamkeit, über schwierige Gedanken.

Unterstützt wird das EBW vom Hospizverein. Heinze und seine Mitstreiterinnen Annette Homp sowie Maria Müller konnten 27 Ehrenamtliche des Hospizvereins finden, die die Hotline betreuen. In diversen Schichten sitzen die psychologisch geschulten und erfahrenen Vereinsmitglieder am Telefon, hören sich jedes Thema an. "Es geht darum, dass man einfach Gesellschaft hat, wenn man welche braucht", sagt Heinze. Es gehe nicht darum, ein neues Sorgentelefon zu sein, sondern einfach darum, Anlaufstelle für Menschen zu sein.

Die Mitarbeiter können jeweils nur ein Gespräch annehmen; wenn besetzt ist, ist besetzt. "Dann muss man es einfach noch mal probieren", sagt Heinze. Die Mitarbeiter sollen einfach Ruhe und Zeit haben, sich mit den Anrufern auseinanderzusetzen - auch, wenn es eine Stunde dauert.

Die Gespräche sind anonym und werden nicht aufgezeichnet

Was sichergestellt ist bei der neuen Hotline: Die Gespräche werden nicht aufgezeichnet, es ist keine Telefonnummer des Anrufenden zu sehen. Sie sind also anonym, sollen aber dennoch vertraut sein. "Weil wir eine lokale Anlaufstelle sind, können sich die Menschen auch über lokale Dinge unterhalten", sagt Heinze.

Wenn die Mitarbeiter der Hotline bemerken, dass jemand Hilfe - zum Beispiel wegen häuslicher Gewalt - braucht, notieren sie sich das Anliegen mit einem "Codewort" und bitten die jeweilige Person, am nächsten Tag nochmals anzurufen. In der Zwischenzeit geben sie laut Heinze dann das Anliegen an Fachleute weiter, organisieren Kontakte und können so am nächsten Tag fundiert Auskunft geben und dem Anrufer so weiterhelfen.

Bei Rassismus, Sexismus oder Ähnlichem sind die Mitarbeiter der Hotline angehalten, aufzulegen. "Das wollen wir nicht", sagt Heinze.


Die Hotline ist erreichbar unter der Nummer 0871/4048156, täglich zwischen 16 und 22 Uhr. Beginn ist am 6. Dezember, der 6. Januar ist der letzte Tag, an dem die Hotline freigeschaltet ist.