Mehr als nur blumige Worte - Mehr Geld für Floristen

Auch während der Pandemie haben Floristen auf Hochtouren gearbeitet. Nun bekommen sie mehr Geld - und setzen ein Zeichen der Solidarität.
von  Kerstin Petri
Blumenstrauß
Blumenstrauß © IMAGO / NurPhoto

Landshut - In der Floristik haben Beschäftigte auch in Pandemiezeiten alle Hände voll zu tun. Jetzt gibt es für sie deutlich mehr Geld. Die Tarifvertragsparteien der IG BAU und des Fachverbands Deutscher Floristen (FDF) einigten sich in ihrem Tarifabschluss Ende Juli darauf, dass die Beschäftigten in der Floristik fünf Prozent mehr Lohn bekommen.

"Das Geschäft mit Blumen und Pflanzen läuft trotz der Pandemie auf Hochtouren. Jetzt bekommen die Mitarbeiter einen fairen Anteil an den ‚grünen Umsätzen'", sagt Michael Matejka, Bezirksvorsitzender der IG BAU Niederbayern. In Landshut beschäftigt die Floristik nach Angaben der Arbeitsagentur rund 40 Menschen.

Auswirkungen der Pandemie sind  noch spürbar

Über eine Lohnerhöhung dürfen sich auch die Angestellten von Gertraud Rößl in ihrem Blumengeschäft Rössl freuen. "Wir zahlen nach Tarif, also wirkt sich das auch auf unsere Mitarbeiter aus. Um diesen Abschluss sind alle froh." Fünf Prozent seien durchaus ein Batzen drauf, aber in dieser Zeit nicht leicht zu erwirtschaften.

Gertraud Rößl und ihr Team beliefern wieder Hochzeiten.
Gertraud Rößl und ihr Team beliefern wieder Hochzeiten. © Christine Vinçon

Der August sei immer ein ruhiger Monat, da viele im Urlaub sind. Und auch die Auswirkungen der Pandemie seien noch spürbar. "Wir haben wieder ein paar Hochzeiten beliefert, aber uns fehlen nach wie vor Großveranstaltungen."

Auf die Frage, wie es dem Blumenladen von Gertraud Rößl während der Pandemie ergangen ist, antwortet sie: durchwachsen. Zu Beginn war das Geschäft komplett geschlossen, nur liefern war möglich. Bestellungen wurden telefonisch und online angenommen und ausgefahren. "Der Arbeitsaufwand war in Relation zu dem, was wir umgesetzt haben, um 50 Prozent höher als üblich."

Auch Sylvia Brunner hat während der Lockdowns weitergearbeitet, Ware ausgeliefert und abholen lassen, obwohl ihr Blumenladen an der Heilig-Geist-Gasse geschlossen war. "Dadurch ist ein kleiner Grundstock gelegt gewesen. So habe ich mich in der Pandemiezeit über Wasser gehalten."

Bei Sylvia Brunner hat sich das Geschäft wieder normalisiert.
Bei Sylvia Brunner hat sich das Geschäft wieder normalisiert. © Christine Vinçon

Dass sie durch die Krise gekommen ist, verdanke sie zum großen Teil ihren Kunden. "Ich habe viele Stammkunden, die mich durch diese Zeit getragen haben", sagt die Floristin.

Erschwerend hinzu kam für beide Blumenläden, dass die Großhändler Probleme hatten, Ware zu beschaffen, da es kaum Flüge gab. Zudem fanden keine Veranstaltungen und Hochzeiten statt, für die Blumendekorationen hätten geliefert werden können. "Das hat man am Umsatz sehr stark gemerkt", sagt Rößl. Sie hat keinen ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. "Wir haben durchgearbeitet, weil man trotzdem immer zur Verfügung stehen muss. Und die Pflanzen gehören auch versorgt."

Die größte Konkurrenz für das Familienunternehmen war der Lebensmitteleinzelhandel und die Baumärkte, solange diese geöffnet waren. "Sie haben ihr Angebot aufgestockt. Das hat unserer Branche nicht gutgetan." Kontrollen habe es nicht gegeben.

"Im Infektionsschutzgesetz hat es geheißen, man darf das Sortiment nicht erweitern. Das ist in der Hinsicht total fehlgeschlagen. Darauf hatten wir aber leider keinen Einfluss."

"Die Leute wollen die kleinen Blumengeschäfte unterstützen"

Sylvia Brunner sah in Baumärkten keine Konkurrenz. Ihr Eindruck war, dass die Leute ihre Blumen und Pflanzen bewusst nicht in Bau- oder Lebensmittelmärkten gekauft haben, "weil sie die kleinen Blumengeschäfte unterstützen wollten".

Deshalb lief auch ihr Laden nach den Lockdowns gut und hat sich normalisiert, wie sie sagt. "Die Leute waren hungrig, sie wollten wieder Blumen und Pflanzen im Geschäft kaufen." Im Moment lasse die Nachfrage etwas nach, was Brunner auf die Urlaubszeit zurückführt. Von den Lohnerhöhungen ist ihr Blumengeschäft nicht betroffen, da sie keine Angestellten hat. "Ich bin Alleinkämpferin", sagt Sylvia Brunner.

Bei den Tarifverhandlungen haben sich die IG BAU und der FDF auf eine freiwillige Spende vonseiten der Floristik-Betriebe für die Opfer der Hochwasserkatastrophe verständigt. Auch Blumen Rössl hat mit anderen Blumengeschäften für Geschäfte in Ahrweiler und in Nordrhein-Westfalen gespendet. "Jeder hat ein bisschen was gegeben. Bei uns Gärtnern und Floristen schaut jeder auf den anderen. Wir sind eine große Gemeinschaft."