Interview

Landshuter Arzt über die Corona-Impfung: "Die beste Waffe gegen das Virus"

Am Sonntag sollen in Landshut erste Senioren geimpft werden. Der Versorgungsarzt Dr. Uwe Schubart im AZ-Gespräch.
von  Lisa Marie Wimmer
In wenigen Tagen beginnt das Impfen auch in Landshut. Dr. Uwe Schubart beantwortet im AZ-Interview wichtige Fragen.
In wenigen Tagen beginnt das Impfen auch in Landshut. Dr. Uwe Schubart beantwortet im AZ-Interview wichtige Fragen. © Roland Weihrauch/dpa

Landshut - Am Sonntag soll es losgehen: Dann erwartet man in der Stadt Landshut die ersten Lieferungen des Impfstoffs gegen das Coronavirus.

Während die einen sehnsüchtig darauf warten, gibt es viele Menschen, die dem neuartigen Impfstoff kritisch gegenüberstehen. Mit Unsicherheiten ist der ehemalige Versorgungsarzt Dr. Uwe Schubart täglich in seiner Hausarztpraxis konfrontiert. Wie er mit den Ängsten seiner Patienten umgeht und wie er den Corona-Impfstoff einschätzt, erklärt er im folgenden Interview.

AZ: Herr Schubart, werden Sie sich selbst impfen lassen?
UWE SCHUBART: Ja, natürlich. Der Impfstoff gibt uns die Chance, uns aus der harten Umklammerung des Coronavirus zu befreien. Die beste Waffe gegen Viruserkrankungen ist eine Schutzimpfung, zumal eine medikamentöse Therapie sehr eingeschränkt ist. Eine Ansteckung zu vermeiden, wie wir es von Aids kennen, ist bei einer sogenannten Tröpfcheninfektion trotz der derzeit praktizierten Hygienemaßnahmen nur unter höchster Anstrengung möglich.

Dr. Uwe Schubart arbeitet seit 35 Jahren als Arzt. In Interview spricht er über den Impfstoff und die Unsicherheit darüber.
Dr. Uwe Schubart arbeitet seit 35 Jahren als Arzt. In Interview spricht er über den Impfstoff und die Unsicherheit darüber. © Christine Vincon

Dr. Schubart fordert verständliche Aufklärung

Können Sie die Ängste vieler Bürger vor dem neuartigen Impfstoff nachvollziehen?
Ja. Neues schafft bei der Fülle der Informationen - vor allem in den sozialen Medien - viele Unsicherheiten; werden dann wissenschaftliche Erkenntnisse mit Spekulationen vermischt, entstehen Unsicherheiten. Hier hilft nur eine ständige, gut verständliche Aufklärung, um Unwahrheiten als solche zu entlarven. Natürlich ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff für uns neu, aber die Idee, die dahintersteckt, körpereigene Antikörper zu trainieren, um Krankheitserreger oder schädliche Prozesse zu bekämpfen, ist ein schon länger erforschter Therapieweg. Es handelt sich also weder um "Genmanipulation", noch ist eine Genmutation in unserem eigenen Genpool zu befürchten.

Bei Ärzten und in der Fachpresse informieren

Was raten Sie Ihren Patienten, die noch unsicher sind?
Reden Sie mit Ärzten ihres Vertrauens, informieren Sie sich in der Fachpresse und vor allem verfolgen Sie aufmerksam Infektionszahlen und Verläufe in anderen Ländern. Corona ist ein weltweites Problem, jedes Land geht etwas anders damit um. Aber die langfristige Lösung wird ein umfassendes erfolgreich umgesetztes Impfprogramm bringen.

Wie sicher schätzen Sie den Impfstoff ein?
Ich verlasse mich als Impfarzt auf die kontrollierenden Gremien in Deutschland und Europa und halte den Impfstoff für sehr sicher, nachdem vorgestern die Zulassung für den Impfstoff von Biontech erteilt wurde - und nur der wird zunächst geimpft. Andere in der Warteschleife befindliche Impfstoffe müssen diesen Weg der Zulassung ebenfalls beschreiten, auch wenn ein hoher Bedarf an Impfstoff besteht.

Wieso man sich impfen lassen sollte

Wieso ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass man sich gegen das Coronavirus impfen lässt?
Wie bereits anfangs erläutert, ist die Impfung die effektivste Möglichkeit, einer schweren Verlaufsform der Coronainfektion zu entgehen.

Was macht das Virus gefährlich?
Er befällt alle Altersgruppen, führt bei manchen alten Menschen nur zu leicht bis mittelschweren Verläufen aber gleichzeitig bei multimorbiden Menschen zu dramatischen Situationen. Im Moment erleben wir in den Altenheimen eine deutlich erhöhte Sterberate gegenüber dem letzten Jahr.

Wer nicht geimpft wird

Gibt es Faktoren, unter welchen man sich besser nicht impfen lassen sollte?
Im Moment impfen wir keine jungen Menschen unter 16 Jahren. Aufgrund der geringen Gefährdung wurde diese Altersgruppe nicht in die Voruntersuchungen eingeschlossen, sodass derzeit keine Daten vorliegen; bei Schwangeren wurde das Risiko ebenfalls nicht eingegangen, zumal auch diese Gruppe in der Corona-Pandemie wenig Probleme zeigte. Akut Kranke werden grundsätzlich von Schutzimpfungen ausgeschlossen, um ihr Immunsystem nicht zu überlasten.

Darf man geimpft werden, während man aktiv erkrankt ist?
Hier muss man unterscheiden. Hat man einen positiven PCR-Test aber keine Symptome, dann wird geimpft. Ist man allerdings positiv und hat zusätzlich Symptome, wie zum Beispiel Husten, Fieber oder Geschmacksstörung, dann wird nicht geimpft. Im ersten Fall sprechen wir von einem Viruskontakt mit der Gefahr der Übertragung, im zweiten Fall von einer Erkrankung, dann ist auch Ansteckung möglich.

Keine Immunität durch abgelaufene Infektion

Hätte es Folgen, wenn man geimpft wird, während man akut aber symptomlos Covid hat?
Wir wissen, dass eine abgelaufene Coronainfektion keine Immunität hinterlässt und eine Wiederansteckung möglich ist. Deshalb gilt das Kriterium, bei Krankheit oder Krankheitsgefühl keine Impfung, bei Wohlbefinden ja. In eine symptomlose Covidinfizierung zu impfen, ist nach augenblicklichem Sachstand ohne Probleme möglich.

Werden direkt vor der Impfung Coronatests durchgeführt?
Nein, außer man ist Kontaktperson Grad 1.

Wann wird in Landshut mit den ersten Impfungen begonnen?
Wir rechnen mit der Auslieferung einer kleinen Impfmenge am 27. Dezember, sodass wir am Sonntag mit den mobilen Ärzteteams in den Seniorenzentren mit der Impfung beginnen können.